21:17 03 Juni 2020
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    Ein Forscherteam hat unter dem Thwaites-Gletscher in der Antarktis rekordwarmes Wasser entdeckt, was auf eine aktive Eisschmelze auf dem südlichen Kontinent hindeutet und erhebliche Risiken hinsichtlich des Anstiegs des globalen Meeresspiegels birgt. Dies geht aus einer auf der Webseite der New York University veröffentlichten Mitteilung hervor.

    Demnach haben Forscher aus den USA und Großbritannien Anfang Januar ein Bohrloch bis in eine Tiefe von 600 Metern mit einem Durchmesser von 35 Zentimetern niedergebracht und darin eine Sonde zur Messung der Wasserbedingungen wie etwa Temperatur und Turbulenzen am Fuß des Gletschers installiert.

    Die Arbeiten seien von Mitarbeitern der New York University (NYU) und des Zentrums für Globale Meeresspiegeländerung der NYU in Abu Dhabi als Teil der Partnerschaft International Thwaites Glacier Collaboration (ITGC) durchgeführt worden.

    An der Stelle, wo der Gletscher von dem festen Kontinentalboden in den Ozean rutscht, habe das Gerät eine rekordwarme Wasserschicht mit einer Temperatur von zwei Grad Celsius entdeckt, hieß es. Laut Wissenschaftlern ist gerade dieses warme Wasser am Fuß des Gletschers der Hauptgrund für seine beschleunigte Bewegung in Richtung Ozean.

    „Das warme Wasser, auch wenn dieser Teil der Welt so abgelegen zu sein scheint, sollte es uns allen eine Warnung vor den möglichen gravierenden Veränderungen auf dem Planeten sein, die durch den Klimawandel hervorgerufen werden können. Wenn dieses Wasser in der Antarktis Gletscherschmelze verursacht, werden die Veränderungen des Meeresspiegels in mehr bewohnten Teilen der Welt zu spüren sein“, sagte David Holland, Professor an der NYU und Forschungsteilnehmer. 

    Wissenschaftler betrachten den Thwaites-Gletscher als das am stärksten gefährdete Element des Gletschersystems der Antarktis. Sein heutiger Beitrag zum Anstieg des globalen Meeresspiegels betrage ungefähr vier Prozent, so die Einschätzung. Sollte er einbrechen, so die Prognose, könne der Meeresspiegel um fast einen Meter ansteigen, was eine echte Bedrohung für viele dicht besiedelte Küstengebiete darstellen würde.

    „Die Tatsache, dass solch ein warmes Wasser in der Grundlinie des Gletschers gefunden wurde, wo er bekanntlich schmilzt, legt nahe, dass es ein unaufhaltsames Schrumpfen geben kann, was enorme Konsequenzen für den Anstieg des globalen Meeresspiegels haben wird“, so Holland weiter. 

    Die Forscher fanden heraus, dass die Wasserschicht am Fuß des Gletschers nicht nur durch erhöhte Temperatur, sondern auch durch starke Turbulenzen gekennzeichnet sei, die den Schmelzprozess nur fördern würden. Das Ergebnis von Turbulenzen sei die Vermischung von frischem Schmelzwasser vom Gletscher mit dem Salzwasser des Ozeans.

    „Dies ist ein wichtiges Ergebnis, da die Bestimmung der turbulenten Dissipation in der kritischen Erdungszone der Eisdecke der Westantarktis zum ersten Mal durchgeführt wurde“, sagte Keith Nicholls, ein weiterer Forschungsteilnehmer vom britischen Antarktisdienst.  

    Thwaites- Gletscher

    Dieser Gletscher, der eine Fläche von 192.000 Quadratkilometern umfasst – die Größe Großbritanniens – ist einer der instabilsten antarktischen Gletscher und besonders anfällig für Veränderungen des Klimas und der Ozeane. In den letzten 30 Jahren hat sich die Menge des aus der Region fließenden Eises fast verdoppelt, vor allem weil warmes Meerwasser aus der Amundsensee unter dem Gletschereis zirkuliert und es schmelzen lässt

    Um die Dynamik des Gletschers zu erforschen und seinen Beitrag zum globalen Meeresspiegelanstieg besser zu verstehen, haben das britische Natural Environment Research Council (NERC) und die US-amerikanische National Science Foundation (NSF) im Jahr 2018 eine Partnerschaft gegründet, die International Thwaites Glacier Collaboration, kurz ITGC.

    pd/mt/sna/

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    Tags:
    Klimawandel, Ozean, Salzwasser, Wissenschaftler, Wasser, Gletscher, Antarktis