SNA Radio
    Wissen
    Zum Kurzlink
    6392
    Abonnieren

    Eine von US-Medizinern durchgeführte wissenschaftliche Studie hat gezeigt, dass eine strenge Blutzuckerkontrolle nicht die beste Strategie in der Therapie für Diabetes Typ 2 sein könne. Die Forschungsergebnisse sind im Fachmagazin „BMJ Open Diabetes Research & Care“ veröffentlicht worden.

    Eine standardmäßige Kampfstrategie gegen den Diabetes Typ 2 bestehe darin, dass den Patienten, bei denen diese Erkrankung zum ersten Mal diagnostiziert wurde – in der Regel sind das junge oder Leute mittleren Alters -, zuerst kleinere  Portionen von oralen Medikamenten verordnet werden, um den Glukosegehalt im Blut hauptsächlich mithilfe der Diät und der Gymnastik zu senken. Später – mit dem Alter – je nach der Krankheitsentwicklung  - werde die Portion erhöht oder das Insulin verordnet. Als Kontrollindex der Behandlung diene der Gehalt von glykosyliertem Hämoglobin, das als HbA1C oder A1C bezeichnet wird und das sieben Prozent nicht übersteigen darf.

    Quantität der Behandlung

    Allerdings existiere eine feine Grenze zwischen einer genügenden Quantität der Behandlung, um Komplikationen zu verhindern, die durch einen hohen Blutzuckerspiegel hervorgerufen werden, einerseits, und einer zu großen Quantität der Behandlung, die zu einem gefährlich niedrigen Zuckergehalt – Hypoglykämie – führen könne, die eine reale Bedrohung für das Leben und die Gesundheit der Patienten darstellen könne.

    Die US-Wissenschaftler mit Rozalina McCoy aus der Mayo Clinic in Rochester im US-Bundesstaat Minnesota an der Spitze untersuchten Daten von 194.157 Patienten mit dem Diabetes Typ 2 aus der umfassenden Datenbasis über die Gesundheit der Patienten OptumLabs während der Zeitperiode vom 1. Januar 2014 bis zum 31. Dezember 2016.

    Hinsichtlich eines jeden Patienten hatten die Autoren ermittelt, welche Arzneien und in welchen Portionen diese zur Senkung des Blutzuckerspiegels verordnet worden seien, und ob Insulin oder Sulfonylharnstoff gebraucht worden seien. Sie hatten zudem Serienindexe vom Blutzucker der Patienten und den Gehalt von A1C untersucht. Die Ergebnisse zeigten, dass es den höchsten Gehalt von A1C - 7,7 Prozent im Durchschnitt - bei Patienten im Alter von 18 bis 44 Jahren und den niedrigsten – 6,9 Prozent – bei älteren Leuten im Alter von über 75 Jahren gegeben habe.

    Begleitende Erkrankungen

    Bei der Datenanalyse hatten die Forscher auch darauf geachtet, ob die Patienten begleitende Erkrankungen hatten, die die Strategie der Kontrolle des Blutzuckerspiegels beeinflussen könnten – wie beispielsweise Demenz, Nierenerkrankungen, Krebs und anderes. Es stellte sich heraus, dass bei Patienten mit nicht relevanten oder fehlenden begleitenden Erkrankungen der Wert von A1C 7,4 Prozent im Vergleich zu den sieben Prozent bei Patienten mit anderen Erkrankungen betragen habe.

    All dies zeugt eindeutig von der Notwendigkeit einer strengeren Kontrolle des Blutzuckerspiegels bei älteren Patienten mit begleitenden Erkrankungen. Doch gerade für diese Gruppe der Erkrankten stellt eine übermäßige Behandlung eine viel größere Gefahr dar als das Risiko einer ungenügenden Behandlung. Und umgekehrt: bei jungen Patienten, bei denen das Risiko für Hypoglykämie minimal war und die keine zusätzlichen Erkrankungen hatten, die zu Komplikationen führen könnten, war der Blutzuckerspiegel ungenügend. 

    „Patienten, die älter sind oder ernsthafte Erkrankungen haben, haben ein hohes Risiko für die Entwicklung der Hypoglykämie, die für sie wahrscheinlich wesentlich gefährlicher als ein etwas erhöhter Blutzuckerspiegel ist. Dabei erfordert eine intensive Behandlung in der Regel viele Jahre, sogar Jahrzehnte. Daher werden viele Patienten, die eine intensive Behandlung durchmachen, die ihnen keinen realen Nutzen bringt, dem Risiko der Hypoglykämie ausgesetzt“, werden in einer Pressemitteilung der Klinik die Worte von Rozalina McCoy angeführt.

    Im idealen Fall - individuelle Behandlungsschemen

    Nach Ansicht der Forscher sei eine übermäßige Behandlung des Diabetes gefährlich für ältere Leute, doch bei jungen Patienten lohne es sich, etwas gewagter eine intensive Behandlung anzuwenden.

    „Bei diesen Patienten muss man aggressiver vorgehen. Dies bedeutet, dass wir nicht die Anwendung von Insulin oder von einigen Arzneien gleichzeitig für die Senkung von A1C vermeiden sollten. Wir sollten alle Patienten mit Diabetes mit einer hochqualifizierten Hilfe versorgen und ihnen die Möglichkeit gewähren, ihre Erkrankung zu managen, um Komplikationen sowohl jetzt als auch in Zukunft zu verhindern“, sagt McCoy.

    Die Autoren hoffen, dass die Ergebnisse ihrer Studie helfen werden, die Behandlungsschemen zu vereinfachen und die Behandlungsintensität für die älteren Patienten zu reduzieren. Im idealen Fall müssten nach Ansicht der Wissenschaftler für jeden Patienten individuelle Behandlungsziele und  -schemen entwickelt werden.

    ek/mt/sna

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Exklusiv: Nach Haft in Deutschland - Ukrainischer Oligarch packt aus
    Atombomben: „Deutschen wird Illusion vorgespielt, daß …“ – Experte enthüllt Irrtum bei US-Druck
    USA: Gewaltige Implosion vernichtet Erdölindustrie
    Die Geschichte wird uns recht geben – Russlands EU-Botschafter Wladimir Tschischow
    Tags:
    Komplikationen, Zuckergehalt, Risiko, Krebs, Demenz, medizinische Behandlung, Diabetes