06:01 01 Dezember 2020
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    Ein kleiner Salamander aus einer Höhle auf dem Balkan hat sich seit sieben Jahren nicht bewegt, stellten Wissenschaftler aus Ungarn dank einer ungewöhnlichen Überwachungstechnik vor Kurzem fest. Unter sehr langsamen Tieren gibt es viele Reptilien und Raubfische. Allerdings ist am erstaunlichsten, dass sie auch unter Milchsäugetiere zu finden sind.

    Wann solches Verhalten evolutionär vorteilhaft ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

    Höhlen-Asketen

    Viele Tiere halten sich am liebsten dort auf, wo sie zur Welt kamen bzw. wo sie regelmäßig hinkommen. Biologen haben einen besonderen Begriff zur Beschreibung eines solchen Verhaltens – Raum-Treue. Sie ist fast für alle Wesen typisch, darunter Vögel, Fische, Mensch. Allerdings schlagen Grottenolme (Proteus anguinus) alle Rekorde. Diese kleinen Amphibien bewohnen Höhlenseen auf der Balkan-Halbinsel. Das ganze Leben verbringen sie in Dunkelheit unter Wasser, weshalb sie Hautfarbe und Sehvermögen verloren haben.

    Zur Beobachtung der Salamander in der natürlichen Umgebung tauchen die Wissenschaftler von der Universität Budapest und der britischen Gesellschaft für Karst-Forschung seit Dutzenden Jahren und führen Forschungen durch. 2010 und 2016 markierten sie 56 Wesen in der Höhle Vruljak in Bosnien und Herzegowina, wobei unter der Haut der Amphibien Sensoren implementiert wurden, durch die sie aus einer Entfernung von wenigen Metern leicht zu identifizieren waren.

    Danach wurde ihre Lage später überprüft, fast alle blieben an ihren Stellen sitzen. Das schnellste Wesen bewegte sich innerhalb von 230 Tagen 38 Meter. Die meisten legten innerhalb mehrerer Jahre weniger als zehn Meter zurück. Laut den Verfassern der Studie liegt ihre Geschwindigkeit im Durchschnitt bei fünf Metern pro Jahr. Eine Amphibie saß sogar dort, wo sie ursprünglich vor sieben Jahren entdeckt worden war.

    Grottenolme sind zwar blind, haben allerdings ein gutes Gehör, Geruchssinn und ein Magnet-Positionierungssystem. Sie verstecken sich nicht, was das Fehlen natürlicher Feinde bedeutet. Selbst der Mensch kann sie nicht stören, weil die meisten Höhlen unzugänglich sind. Grottenolme leben mehr als 100 Jahre, begatten sich einmal in 12,5 Jahren und sind gut an den Sauerstoffmangel im Wasser und äußerst lange Fastenzeiten angepasst.

    Warum sind sie so langsam? Diese Frage beunruhigt die Wissenschaftler. Eine der Mutmaßungen ist, dass sie dank spezifischer Jagdmethoden Energie einsparen. Salamander ernähren sich von kleinen Krebsen, sitzen mehrere Jahre an einer Stelle und warten, bis Nahrung in der Nähe ist. Anscheinend ist eine solche Strategie evolutionär vorteilhafter als die tägliche Jagd mit unbekanntem Ergebnis.

    Versteckt im Sand

    Die Kalifornische Gopherschildkröte ist in den trockensten Orten der Welt zu finden – in den Wüsten Mojave und Sonora in Nordamerika. Sie leben 50 bis 80 Jahre, die meiste Zeit verbringen sie in Löchern. Gopherschildkröten können sich im Falle von Gefahr bzw. Aggression vollständig unter ihrem Panzer verstecken. Männchen nutzen Knochenhörner, um den Gegner beim Kampf um das Weibchen zu attackieren. Allerdings kommt so etwas selten vor – einmal in mehreren Jahren. Weibchen bewahren Sperma fünf und mehr Jahre auf, weshalb sie mehrere Jahre nach der Paarung Nachwuchs zur Welt bringen können. Sie legen bis zu 14 Eier ab und verlassen anschließend das Nest.

    Kalifornische Gopherschildkröte
    Kalifornische Gopherschildkröte

    Diese Reptilien ernähren sich von Pflanzen, besonders Kakteen. Sie können mehrere Monate ohne Wasser bleiben, weil die Hälfte der Feuchtigkeit in ihrem Körper in der Harnblase enthalten ist. Falls die Gopherschildkröte erschreckt wird, diese sofort entleert. Deswegen empfehlen Wissenschaftler Touristen, die Schildkröten nicht anzufassen.

    Neun Monate im Jahr schlafen Gopherschildkröten in Löchern. Junge Wesen verlassen selten ihren Ort. Nur erfahrene Exemplare können sich mit einer Geschwindigkeit von 1,2 Kilometern pro Tag fortbewegen und dafür ein Netz aus Löchern nutzen.

    Diese Art ist vom Aussterben bedroht, so die Wissenschaftler. Der Klimawandel und die Lebensbedingungen in Kombination mit der langsamen Alterung, der seltenen Fortpflanzung und der Langlebigkeit machen sie anfällig. Die Population wird mit Mühe wiederhergestellt, ungeachtet negativer Faktoren. Ökologen sperren das Territorium ab, um die Schildkröten vor Raubtieren und böswilligen Menschen zu schützen.

    Arktis-Langleber

    Zu den rätselhaften Bewohnern der Erde gehört der Grönlandhai (Somniosus microcephalus). Über ihn ist sehr wenig bekannt. Beobachtet werden vorwiegend Wesen, die in Fischernetze geraten. Zuvor wurde bemerkt, dass dieser Hai innerhalb eines Jahres nur um einen Zentimeter länger wird. Da ein erwachsener Hai fünf Meter lang ist, soll die Lebensdauer bei mehreren Jahrhunderten liegen. 2016 stellten Wissenschaftler aus Kanada, Dänemark und anderen nördlichen Ländern mit Radiokohlenstoffdatierung fest, dass dieser Hai mindestens 272 Jahre lebt, also länger als jedes bekannte Schädeltier.

    Laut den Verfassern der Studie kann der Grönlandhai in bis zu drei Kilometer Tiefe tauchen. Unbekannt sind die Perioden ihrer Paarung, der Fortpflanzungsort, Besonderheiten des Verhaltens und Ernährung.

    Die Hypothese, dass der Grönlandhai Robben jagt, wird von Biologen infrage gestellt. Wie kann ein solches Raubtier Robben fangen, wenn seine Geschwindigkeit nur 1,2 km/h ausmacht und die Schwanzstoßfrequenz 0,15 hz? Vielleicht wartet es auf die Beute, wenn sie sich ausruht, allerdings steht das nicht fest.

    Eine andere Frage ist die Geschwindigkeit des Metabolismus der Haie. Diese Kennzahl soll sehr niedrig sein, angesichts der sehr kalten Umgebung und des großen Gewichts von bis zu 1,5 Tonnen. Wenn dem so ist, sind die rekordhohe Lebensdauer und die Langsamkeit des Haies logisch. Eine Robbe reicht dem Grönlandhai mehrere Monate zur Nahrung.

    Unfreiwillige Vegetarier

    Als Vorbild der Langsamkeit gilt für viele das Faultier. Diese exotischen Säugetiere leben im Dschungel in Zentral- und Südamerika. Vor bereits 20.000 Jahren waren sie auf beiden Kontinenten anwesend, doch mit der Ankunft des Menschen sterben sie aus, es gibt heute nur noch sechs Arten.

    Unter fossilen Faultieren entdecken Paläontologen riesige Vertreter – bis zu drei Meter lang. Die heutigen Arten sind nicht groß, etwa wie ein Hund. Sie werden nach der Anzahl der Finger unterschieden – die einen haben drei Finger, die anderen zwei.

    Faultiere haben eine sehr ungewöhnliche Lebensweise für Säugetiere – sie verbringen die ganze Zeit an Baumzweigen und ernähren sich von Pflanzen. Diese vegetarische Diät bringt nicht viel Energie, weshalb dank der Verlangsamung der Geschwindigkeit des Metabolismus, minimalen Bewegungen, sich ändernder Körpertemperatur und besonderem Verdauungssystem Kalorien eingespart werden.

    Die langsamsten Säugetiere sind Dreifinger-Faultiere. Ihre Ration besteht aus Blättern nur eines bzw. zweier Baumarten. Das macht den Forschern Sorgen, weil es sie vom Standpunkt des Überlebens aus anfällig macht.

    Wissenschaftler konnten lange nicht verstehen, warum Dreifinger-Faultiere einmal pro Woche auf den Boden kommen, um zu urinieren und zu defäkieren, denn auf dem Boden ist das Risiko eines Angriffs sehr hoch. Zum Vergleich: Zweifinger-Faultiere machen dies alles auf dem Baum.

    Es stellte sich heraus, dass der Grund dafür Parasiten im Fell der Faultiere sind. Die Motte legt Eier in den Fäkalien der Faultiere auf dem Boden ab. Die Larven fliegen dann nach oben und ernähren das Fell der Faultiere mit Nährstoffen, auf denen danach Mikro-Algen wachsen. Gerade damit hängt die grüne Färbung der Faultiere zusammen. Dreifinger-Faultiere ernähren sich von diesen Algen in ihrem Fell, wodurch Vitaminmangel kompensiert wird.

    Laut den Wissenschaftlern überlebten die Faultiere die Invasion des Menschen dank ihrer kleinen Größe und der pflanzlichen Nahrung. Es hatte keinen Sinn, sie zu jagen, denn, selbst von einem Pfeil getroffen, hielten sie sich weiter mit den Krallen an den Zweigen fest.

    Sirenia retten

    Rundschwanzseekühe sind die einzigen Meeressäugetiere, die pflanzenfressend sind. Sie bewohnen Flussmündungen und Küstengebiete in Nordamerika und Afrika, im Amazonas-Bett. Die durchschnittliche Geschwindigkeit beträgt 4,8 Stundenkilometer und nur sehr selten Stundenkilometer.

    Rundschwanzseekühe zeichnen sich durch eine fleischige Nase und eine spatenförmige Schwanzflosse aus. Zum Atmen tauchen sie einige Male pro Minute auf, können allerdings bis zu 20 Minuten unter Wasser verbringen. Sie ernähren sich von Meeresalgen und Süßwasserpflanzen, manchmal kleinen Fischen und Wirbellosen.

    Rundschwanzseekuh
    Rundschwanzseekuh

    Rundschwanzseekühe haben keine natürlichen Feinde, weshalb sie rund 60 Jahren lang leben. Allerdings stehen sie im Konflikt mit dem Menschen. Laut Wissenschaftlern aus Kamerun und Senegal weiden sie bei Hochwasser gerne auf den Feldern der Einheimischen, wobei Saatflächen vernichtet werden. Sie zerreißen Fischernetze und fressen die Fische. Das alles wird negativ von den Bewohnern wahrgenommen, weshalb sie Rundschwanzseekühe töten.

    In Mexiko sind die Tiere von Umweltproblemen bedroht. 2018 starben 48 Exemplare, weil sie durch blühende Algen vergiftet wurden, 2019 wurden weitere 13 Kadaver entdeckt. Ihre Lebensräume sind mit Agrochemikalien, städtischen Abfällen und schweren Metallen verseucht. Das alles führte zu einem starken Rückgang der Rundschwanzseekühe.

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