11:40 04 Juli 2020
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    Forscher der Moskauer Staatlichen Psychologisch-Pädagogischen Universität haben Motive verschiedenen Typs von Lustmördern klassifiziert und Faktoren herausgefunden, die zur kriminellen Aggression führen und deren Erscheinungsform vorbestimmen.

    Die Ergebnisse der entsprechenden Studie wurden im Fachmagazin „Psichologija i pravo“ („Psychologie und Recht“) veröffentlicht.

    Die Experten sind zu dem Schluss gekommen, dass es Ordnungshütern oft an Informationen über Personen mangelt, die Lust auf sexuelle Gewalt haben. Das von ihnen entwickelte Modell könnte es Ermittlern ermöglichen, sich auf begründete Vermutungen über den Charakter des Verbrechers zu stützen, für den ganz bestimmte Merkmale typisch sind.

    Die Forscher orientierten sich an den Ideen der Psychologin L.P. Konyschewa, die sexuelle Lustmörder in „Triebtäter“, „Gewalttäter“  und Täter, die „situationsbedingt“ handeln, einordnete. Die Experten haben Vertreter von „reinen“ Typen ausgesondert, deren Anteil 39 Prozent ausmacht, während andere Täter ihnen zufolge eine Mischung aus Merkmalen der „reinen“ Typen haben.

    Beschädigte Mechanismen

    Jeder Verbrechertyp wird vom persönlichen Faktor geprägt: Bei „Triebtätern“ geht es um sexuelle Pathologien, die durch organische Gehirnstörungen bedingt sind; bei „Gewalttätern“ ist es eine Grenzsituation um ihre psychologischen Pathologien; Tätern, die „situationsbedingt“ handeln, fehlen oft Persönlichkeitsstrukturen (intellektuelle, emotionale, soziale usw.), die die Umsetzung ihrer aggressiven und sexuellen Triebe kontrollieren.

    „Die geleistete Arbeit ermöglichte es uns, bei der Bezeichnung der Typen von Triebmördern von beschreibenden Metaphern zu psychologischen Determinanten überzugehen, die bei der Entstehung der kriminellen Aggression überwiegend sind“, sagte der Dekan der Fakultät für juristische Psychologie der Universität, Nikolai Dworjantschikow.

    Die Spezifik der Motivation der „Triebmörder“ wird durch anomale sexuelle Triebe bedingt, deren Befriedigung vom Mord am Lustobjekt abhängt. Das Ziel des Mordes ist, eine sexuelle Erregung und den Orgasmus bei der Beobachtung der Qual des Opfers zu erreichen – oder auch bei gewissen Manipulationen mit dem Leichnam. Für solche Mörder ist die intensive Suche nach Situationen bzw. die Schaffung von Situationen typisch, die ihrem Trieb entsprechen würden.

    Die Dysbalance der Persönlichkeitsmerkmale bei „Gewalttätern“ bedingt ihre Neigung zur gewaltsamen Selbstbehauptung. Die Ausübung von sexueller Gewalt bzw. Kontrolle, wobei das Opfer mit dem Mord quasi bestraft wird, ist damit verbunden, dass der jeweilige Täter nichtkorrigierbare Persönlichkeitskonzeptionen von Feindseligkeit gegenüber Frauen hat. Solche Verbrecher sind sehr wählerisch und vorsichtig hinsichtlich situativer Faktoren.

    Für Täter, die „situationsbedingt“ handeln, besteht das Ziel des Mordes in der Unterdrückung des Widerstands, in der Unterbindung der Beweglichkeit des Opfers. Für solche Mörder ist der Mechanismus der „Umleitung der Aggression“ typisch, wobei sie ihr Opfer mit ihren negativen Emotionen gegenüber der ganzen Welt um sie herum „überschütten“ – und eben töten. Die Situationsfaktoren bestimmen diese Aktivität: Der Täter geht spontan vor, und seine Handlungen sind oft mit einem hohen Risiko verbunden, ertappt zu werden; und der Widerstand des Opfers bzw. das Erscheinen von Augenzeugen könnten ihn dazu zwingen, sein Ziel (sein Opfer zu töten) aufzugeben.

    Die Manieren des Mörders

    „Bei statistischen Analysen wurden spezifische Gewohnheiten herausgefunden, die für jeden Mördertyp kennzeichnend sind, wie auch Kombinationen von Merkmalen einer Persönlichkeit mit vorkriminellem und kriminellem Verhalten, die für ‚Gewalttäter‘ und ‚Triebmörder‘ typisch sind“, so Experte Dworjantschikow.

    Bei den Besonderheiten des vorkriminellen Verhaltens der „Lustmörder“ handelt es sich unter anderem um Konflikte mit den Gattinnen wegen geringer sexueller Potenz, um ausbleibenden sexuellen Trieb zu Frauen, um untypische emotionale Neigung zu Kindern, Teenagern oder auch bejahrten Personen, wie auch um die Lust, Tiere zu quälen und zu töten. Zudem ist es für Verbrecher dieses Typs kennzeichnend, relativ spät den ersten Sex gehabt zu haben. Viele von ihnen hatten Verwandte mit diversen Drüsen- und auch psychische Erkrankungen.

    Für die kriminellen Aktivitäten der „Triebmörder“ ist es nach Einschätzung der Forscher typisch, dass ihre Opfer sowohl Frauen als auch Männer werden können, egal ob jüngere oder ältere. Dabei suchen sie nach ihren Opfern nur in bestimmten Räumen. Die späteren Tatorte suchen sie im Voraus und sie können ihre Opfer überlisten, um sie in die Falle zu locken.

    Üblicherweise töten „Triebmörder“ dieses Typs ihre Opfer noch vor dem Geschlechtsverkehr, und den natürlichen Koitus können sie durch rein symbolische Bewegungen ersetzen. „Lustmörder“ neigen dazu, ihre Verbrechen vormittags zu begehen und ihren Opfern  Gegenstände von geringem Wert zu entwenden, die sie behalten.

    „Gewalttäter“ neigen bei ihren vorkriminellen Aktivitäten zu vielen sexuellen Kontakten mit vielen Partnerinnen. Sie zwingen gerne ihre Opfer zum sexuellen Kontakt; manchmal missbrauchen sie ihr Amt zu diesem Zweck. Für sie ist es typisch, Konflikte mit ihren Ehefrauen wegen großer Anforderungen sexueller Art zu haben, wegen Seitensprüngen und auch wegen der Neigung, ihren Partnerinnen weh zu tun. Gleichzeitig legen sie viel Wert auf ihre eigene Gesundheit, insbesondere auf die Ernährung und Fitness.

    Opfer der Mörder dieses Typs werden oft attraktive Frauen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Die Täter präparieren häufig den späteren Tatort im Voraus. Die sexuelle Aggression ist in diesem Fall nicht mit Deviationen verbunden und sieht  einen üblichen sexuellen Kontakt vor, oft nur einen. Der Mord erfolgt erst nach der Vergewaltigung, und die persönlichen Gegenstände des Opfers werden üblicherweise gestohlen.

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    Tags:
    Forschung, Serienmörder, Kriminalität