13:30 26 November 2020
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    Außerirdische kommen immer von weit her. Warum eigentlich? Vielleicht kommen sie ja auch einfach aus einer anderen Zeit – und sind gar keine Außerirdischen, sondern unsere entfernten Verwandten. Diese Hypothese hat ein Anthropologe vorgestellt und versucht, sie evolutionsbiologisch zu begründen. Sputnik hat nachgefragt.

    UFO steht für „unidentifiziertes Flugobjekt“. Immer wieder werden solche Objekte am Himmel gesichtet und gemeldet. Für gewöhnlich bleiben sie unidentifiziert. In Deutschland soll es jährlich etwa 200 solcher Sichtungen geben. Zuweilen gibt es auch den einen oder anderen Bericht über eine solche Sichtung aus nächster Nähe, wobei sich die Objekte in Meisterwerke fremder Technik verwandeln. Gelegentlich sprechen einzelne von Entführungen durch die Besitzer dieser Technik, die sie als menschenähnliche Wesen beschreiben. Beweise für solche Begegnungen gibt es bislang keine, dafür aber viele Überlegungen und Phantasien, die sich um solche hypothetischen Wesen ranken.

    In der Regel verortet man diese Wesen irgendwo weit draußen im Weltall und stellt sich vor, dass sie sich auf interstellaren Reisen befinden, um das Universum zu erkunden, eventuell auch zu kolonialisieren. Der Anthropologe Michael Masters von der US-Universität Montana Tech hat jetzt eine andere Hypothese zum Ursprung dieser selbst hypothetischen Wesen in einem Buch mit dem Titel „Identifizierte Flugobjekte: Eine multidisziplinäre Annäherung an das UFO-Phänomen“ ausgebreitet. Seine Idee: Die menschenähnlichen Fremdlinge sind nicht extraterrestrischen, sondern „extratempestischen“ Ursprungs. Will heißen: Sie kommen nicht von außerhalb der Erde, sondern aus einer anderen Zeit – und sind unsere fernen Verwandten aus der Zukunft.

    Humanoide Aliens – entfernte Verwandte?

    „Diese Idee ist mir gekommen, da war ich acht Jahre alt“, erzählt Masters gegenüber Sputnik. „Ich erinnere mich, wie ich im Wohnzimmer ins Regal hochgeblickt habe und den Buchdeckel mit dem Titel ‚Communion‘ von Whitley Strieber gesehen habe. Darauf war ein archetypisch grauer Außerirdischer abgebildet mit dem typisch großen Kopf, großen Augen, kleinem Gesicht, engem Kinn und winzigen Ohren.“ Zur selben Zeit sei vor seinem inneren Auge plötzlich ein Bild erschienen. Nebeneinander habe er von links nach rechts einen Schimpansen, einen modernen Menschen und schließlich eine solche humanoide Kreatur gesehen wie auf dem Buchdeckel. Die Idee eines Zusammenhangs habe er von Kindesbeinen an gehabt.

    Die Idee, dass die Außerirdischen in Wirklichkeit „Außerzeitliche“ und Menschennachkommen seien, hält der Autor für „völlig anthropologisch“: „Ich hatte das Glück, an einigen archäologischen Ausgrabungsstätten in verschiedenen Teilen der Welt zu arbeiten. Dazu gehörte der Ausgrabungsort des Australopithecus africanus in Südafrika, dessen Alter auf 3,5 Millionen Jahre geschätzt wird, und auch an der Neanderthaler-Ausgrabungsstätte im Süden Frankreichs, wo es um fossile Skelette eines Alters von 175.000 Jahren geht. Ich habe auch an einigen archäologischen Ausgrabungen an prähistorischen Stätten amerikanischer Ureinwohner in Ohio und im Südwesten von Montana mitgewirkt.“

    Darum kommen sie: Vergangenheitsforschung und Zeit-Tourismus

    Das habe ihn zu Gedanken angeregt, ob seine Anthropologen-Kollegen in der Zukunft wohl bessere Mittel und Methoden haben könnten, ihre Vorfahren zu untersuchen. Vielleicht könnten ja die Archäologen der Zukunft eines Tages die Barrieren der Zeit überwinden und ihre Forschungsgegenstände aus nächster Nähe erforschen. „Paläoanthropologen würden enorm von der Analyse von Weichgewebe profitieren, denn heute können wir nur die versteinerten Zähne und Skelettüberreste unserer entfernten Vorfahren untersuchen. Kulturanthropologen hätten die Vorteile einer Echtzeit-Analyse ganzer Gesellschaften“, schwärmt Masters und gibt zu bedenken:

    „Falls wir die 'Begegnungs-' und vor allem 'Entführungsberichte' ernst nehmen wollen, deutet das Verhalten dieser ‚Außerzeitlichen‘ darauf hin, dass ihr Ziel wissenschaftlicher Natur ist.“

    Unsere Verwandten wollen sich aber nicht nur weiterbilden, sondern sie fröhnen auch weiter einem verbreiteten Hobby: dem Tourismus, der sich jetzt allerdings nicht nur über die Erdkugel, sondern auch über ihre Geschichte erstreckt. „Zeit-Tourismus“ nennt Masters diese Form der Weltreisen und kann sich vorstellen, dass die Extratempestischen „viel Geld ausgeben, um das primitive Leben vergangener Völker“ zu betrachten. Den Wunsch, vergangene Kulturen hautnah zu erleben, gebe es schließlich auch heute, so Masters, wenn Leute an Orte gehen, an denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint wie Mach Picchu, die ägyptischen Pyramiden und andere.

    Dass die Wesen, die wir aus Berichten kennen, wirklich von uns abstammen sollen, versucht Masters mit Evolution plausibel zu machen. „Eine der Hauptentwicklungen des Menschen ist eine kontinuierliche Zunahme des Schädelvolumens und das Schrumpfen der unteren und mittleren Gesichtspartie“, argumentiert er. Das sei die Folge des aufrechten Gangs, der vor sechs bis acht Millionen Jahren einsetzte. Ausgehend von solchen Trends sei es wahrscheinlich, dass wir in der fernen Zukunft sehr stark von unserem jetzigen Äußeren abweichen werden, dass unser Kopf noch größer werden wird, die untere Gesichtspartie immer enger wird und dass unsere Körperbehaarung komplett verschwindet.

    Aber wie war das mit der Zeitmaschine?

    Das Szenario ist für den Anthrophologen eine Hypothese, die wissenschaftlich abgehandelt werden kann, denn sie sei überprüfbar und lasse sich bestätigen und falsifizieren. Die Hypothese werden durch die Zeit selbst geprüft – entweder wir entwickeln uns dahin und sie wird bestätigt oder wir vernichten uns selbst und sie ist klar widerlegt. Das ist definitiv ein Langzeit-Experiment, dessen Ausgang Masters nicht erleben wird. Was aber die Hypothese selbst betrifft, so fußt sie auf einer weiteren nicht unbedingt selbstverständlichen Annahme: der Existenz einer Zeitmaschine.

    Zeitreisen sind aus seiner Sicht aber physikalisch kein Problem. Er betont, dass diese nach Einsteins Relativitätstheorie in den Bereich des Möglichen gerückt seien und der russische Physiker Igor Nowikow eine elegante Lösung gefunden hätte, die nicht nur die verschiedenen Zeiten als ein zusammenhängendes Ganzes begreift, sondern dieses auch konsistent erklärt, sodass Zeitreisen nicht zu den fatalen Folgen führen würden, wie man sie aus manchem Science-Fiction-Roman oder -Filmen kennt.

    Masters will Debatte über Zeitreisen anregen

    Insgesamt sieben Jahre soll der Anthropologe an dem Buch gearbeitet haben. In diese Zeit fiel auch der Artikel der "New York Times" über die Pläne der US-Regierung, das UFO-Phänomen zu untersuchen. „Die Frage hat begonnen, sich zu verlagern von der Frage, ob es ein echtes Phänomen sei, zu der Frage, was diese Dinge seien“, bemerkt Masters. Die Mission seines Buches sieht er in einem ähnlichen Bestreben: eine breitere Diskussion über diese Möglichkeit anzustoßen.

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    Tags:
    Anthropologie, Aliens, Außerirdische