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    Coronavirus-Ausbruch: Aktuelle Entwicklungen zur neuartigen Lungenkrankheit (198)
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    Weltweit steigt die Zahl der Infizierten mit dem Coronavirus auf über 90.000 Menschen. Auch in Deutschland gibt es immer mehr Fälle. Im Sputnik-Interview warnt Mediziner Dr. Wilfried Witte jedoch vor unkontrollierter Panik: „Bisher vorliegende allgemein zugängliche Daten geben keinen Beleg dafür, dass das Virus uns allen nach dem Leben trachtet.“

    Derzeit verzeichnet die Johns Hopkins University in Baltimore (USA), die seit Monaten die Zahlen zum Coronavirus gebündelt sammelt, über 91.300 Infizierte weltweit. Die Zahl der weltweiten Todesopfer durch Covid-19 ist laut der Weltgesundheitsorganisation WHO aktuell auf über 3000 gestiegen.

    Doch: Es gebe bisher bereits mehr Genesene und Geheilte als Krankheitsfälle bei Corona, sagten Forscher der US-Universität am Sonntag gegenüber internationalen Medien. Von den insgesamt über 91.000 Fällen weltweit würden über 34.000 milde verlaufen. Über 42.000 zuvor infizierte Menschen sind demnach bereits wieder geheilt, darunter allein über 36.000 Chinesen. Nur bei etwa 7500 Erkrankten verlief demzufolge die Infektion kritisch. Bisher starben rund 3000 Menschen an der neuartigen Lungeninfektion. Das Robert-Koch-Institut kann aktuell für Bayern bestätigen, dass es dort bereits 14 geheilte Corona-Fälle gibt.

    In ganz Deutschland sind mittlerweile in zehn Bundesländern Infizierten-Fälle nachgewiesen. Bundesweit wurden bislang 150 Fälle einer SARS-CoV-2-Infektion bestätigt. Der erste nachgewiesene Corona-Fall in Berlin wurde am Sonntagabend bekannt. Die Schweiz verzeichnet derzeit 42 Corona-Fälle, Österreich hat demnach 18 Infizierte zu versorgen.  

    Mediziner warnt vor Panik

    „Bisher sprechen die Daten nicht dafür, dass man eine besondere Furcht und Angst vor dem Virus haben müsste“, erklärte Dr. Wilfried Witte vom Evangelischen Klinikum Bethel in Bielefeld, im Sputnik-Interview.

    „Die allermeisten Fälle, die bislang außerhalb von China aufgetreten sind, waren nach meinem Kenntnisstand nicht schlimm oder gravierend“, sagte der Anästhesist und Historiker. „Dass Menschen an Infektionskrankheiten sterben, ist im Einzelfall dramatisch. Aber auf die Bevölkerung bezogen, muss man es doch etwas anders betrachten. Bis zum jetzigen Stand scheint die Krankheitslast per se durch diese Infektion nicht so hoch zu sein. Es geht immer auch um die Angemessenheit von Reaktionen.“

    Der Mediziner nannte die WHO, die „eine Notlage erklärt hat. Aber die WHO-Experten betonen auch immer wieder, dass die WHO nicht sagen will, dass die Büchse der Pandora geöffnet sei. Sondern es wird jetzt besondere Wachsamkeit von den Institutionen des Gesundheitswesens gefordert. Um im Ernstfall schnell zu reagieren.“

    Dass die WHO eine Notlage ausrufe, bedeute aber nicht, „wie es in weiten Teilen der Bevölkerung ankommt, dass jetzt eine Katastrophe ausgebrochen wäre.“ Es sei nun eine „gewisse Verhältnismäßigkeit im persönlichen Umgang“ geboten, damit nicht alle in Panik verfallen.

    „Bitte entspannt und ruhig bleiben“

    „Nach alldem, was man beim Coronavirus wahrnimmt, ist die Gefährlichkeit zum jetzigen Zeitpunkt nicht so gravierend“, sagte er. „Dennoch gibt es überall Horrormeldungen. Da stellt man sich schon die Frage, wodurch das gerechtfertigt ist. Ich halte das für tendenziell fahrlässig, hier Unruhe zu schüren. Ich denke, das Gegenteil wäre richtig. Wir sollten uns jetzt alle in Ruhe üben.“

    Die Krankenhäuser und sonstige Einrichtungen im Gesundheitswesen bereiten sich nach Aussage Wittes jetzt auf die Situation vor. Auch Pandemie-Pläne würden nun neu überarbeitet.

    „Der Einzelne befindet sich nicht in einer Situation, in der der Tod hinter jeder Ecke lauert“, stellte der Mediziner klar. Er könne auch nicht den Sinn dahinter erkennen, warum aktuell Supermärkte und Läden kollektiv leergekauft werden. „In der Angst, bald nichts mehr zu bekommen.“ Niemand wisse doch, wie sich das Coronavirus in nächster Zeit entwickeln werde. Daher schaffen Hamsterkäufe aus seiner Sicht auch keine tatsächliche Abhilfe. „Wo ist da das Maß? Ich denke, man kann durchaus noch relativ entspannt bleiben. Ich halte es aktuell für am sinnvollsten, nichts weiter zu kaufen oder eine kleine Flasche Hände-Desinfektionsmittel, wenn es die noch zu kaufen gibt.“

    Hände waschen und „Husten-Etikette“ – Tipps vom Arzt

    Bei der jetzigen Corona-Welle können Ärzte wie Dr. Witte folgende allgemeine Empfehlungen geben:

    „Bei Tröpfchen-Infektionen gilt: Man sollte Husten-Etiketten einhalten. Das heißt: Nicht einfach in die Umgebung husten. Am besten in den Ärmel husten. Man sollte durchaus häufig die Hände waschen und ruhig auch die Hände desinfizieren, aber das Händewaschen ist die wichtigere Maßnahme. Ansonsten versucht man dort, wo es möglich ist, einen Abstand von einem Meter als soziale Distanz (zu anderen Mitmenschen, Anm. d. Red.) zu halten. Man sollte sich in der nächsten Zeit nicht die Hand geben.“

    Ansonsten können die Menschen „ruhig das Haus verlassen und ihren Dingen nachgehen. Wissen Sie: Wenn ein Fall in Ihrer unmittelbaren Umgebung auftritt, dann können Sie schon davon ausgehen, dass die Ämter reagieren.“ Eine kurze Zeit in Isolation sei in deutschen Krankenhäusern gut zu überstehen.

    „Selbst wenn Sie eine Infektion bekommen, heißt diese noch lange nicht, dass der Krankheitsverlauf schlimm wird“, beruhigte der frühere Charité-Mediziner.

    „Krankheitsbilder überlagern sich“

    „Es überlagern sich dabei auch viele Krankheitsbilder“, analysierte er. „Es gibt dazu eben noch banale respiratorische [die Atemwege betreffende, Anm. d. Red.] Infekte und es gibt Grippe-Infektionen. Und: Die Grippe-Saison ist nicht vorbei.“ All diese verschiedenen Krankheitstypen würden sich derzeit in der Wahrnehmung der Bevölkerung mit dem Coronavirus vermischen, kritisierte Witte.

    Der Arzt beobachte momentan, dass „sich hierzulande die Krankenhäuser auf die Situation vorbereiten, damit aufgenommene Corona-Patienten dementsprechend auch (in Quarantäne, Anm. d. Red.) isoliert werden können. Es werden sicherlich, wenn es hart auf hart kommt, alle Anstrengungen unternommen, um eine entsprechende Versorgung zu gewährleisten.“

    Wird Corona so schlimm wie „Spanische Grippe“ vor 100 Jahren?

    1918 brach in Europa die sogenannte „Spanische Grippe“ aus, die am Ende weltweit mindestens 50 Millionen Menschenleben forderte. Aus diesem Anlass führte Sputnik bereits Ende 2018 mit dem Anästhesisten und Historiker für medizinische Fragen ein Gespräch über die historische Influenza-Pandemie.

    Im aktuellen Interview verglich Witte den Coronavirus mit der damaligen Grippewelle:

    „Die Spanische Grippe ist in der Tat der Paradefall für eine desaströse Pandemie“, sagte er. Dennoch sei trotz einiger Gemeinsamkeiten die „Spanische Grippe“ mit dem Coronavirus strukturell nicht vergleichbar. „Ein substanzieller Unterschied ist, dass damals mit der Spanischen Grippe eine katastrophale Pandemie eingetreten ist. Jetzt ist es so, wie der Bundesgesundheitsminister gesagt hat, dass man auch hierzulande davon ausgehen muss, dass eine Epidemie ausbricht. Ob dann, wenn das passiert, diese Epidemie auch nur annäherungsweise so gravierend sein könnte, wie es damals der Fall war, ist eine ganz andere Frage und erst einmal unwahrscheinlich.“

    Angesichts der aktuellen Corona-Situation sei es „richtig, dass wir heute anders mit solchen Gefahren umgehen“, weil damals viel schiefgelaufen sei. „Aber ich glaube, es ist wichtig, die Verhältnismäßigkeit zu wahren. Die Gesellschaft muss sich wappnen. Man muss das alles ernstnehmen, weil man nicht weiß, was kommt. Aber wir müssen noch viel mehr als Gesellschaft lernen, mit solch potenziellen Gefahren umzugehen. Damit wir nicht jedes Mal in Katastrophen-Stimmung ausbrechen. Wissen Sie: Ständig haben alle Angst – und das ist nicht produktiv, auch in psychologischer Hinsicht.“

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