22:11 03 Juni 2020
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    Coronavirus-Ausbruch: Aktuelle Entwicklungen zur neuartigen Lungenkrankheit (198)
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    Forscher aus ganzer Welt beschäftigen sich mit der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das neuartige Corona-Virus und die Krankheit Covid-19. Der Zigarettenproduzent Reynolds American hat nun auch Hilfe im Kampf gegen das Virus angeboten. Die Tabakpflanzen könnten sich gut eignen, um bei der künftigen Produktion Kosten und Zeit zu sparen.

    Einer der größten Zigarettenhersteller der Welt, Reynolds American, gab bekannt, dass er im Kampf gegen das Coronavirus helfen will. Er bestätigte der US-amerikanischen Zeitung „Politico“, dass er ein Verfahren erproben möchte, bei welchem die Pflanzen den Impfstoff herstellen würden. Diese Idee ist zwar nicht neu, berge jedoch viel Potenzial, sagt der Pentagon-Forscher Alan Magill zu „Politico“. Bisher züchtete man Viren in Eiern, könnte aber nach Magill mit „pflanzenbasierten Lösungen“ noch wirksamer sein.

    Um den Impfstoff in den Pflanzen heranzüchten zu können, benötige es diesen erstmal. Tausende Impfungen werden erfordert, um einen klinischen Test durchführen zu können. Die Gefahr besteht, dass das Virus sich zu einer Pandemie entwickele noch bevor eine Impfung auf den Markt kommt. Auch birgt die vorschnellen Impfstoffentwicklung gewisse Risiken. Beispielhaft dafür war das Jahr 2015, als Reynolds schon versucht hatte die Pflanzen für den Gewinn einer Behandlung gegen Ebola zu nutzen. Damals attackiere die Arznei nicht alle Stämme des Virus. Angst vor Hürden wie diesen wären auch der Hauptgrund, wieso sich viele großen Pharmaunternehmen vor der Veröffentlichung abgrenzen, dass die an einem Coronavirus-Impfstoff arbeiten.

    Tabakpflanze zur Bekämpfung von Ebola

    Bereits 2014 Reynolds kaufte ein Forschungslabor, dass das Unternehmen im Kampf gegen Ebola einsetzte. „Kentucky BioSciences“ konnte mithilfe einer Komponente in der Tabakpflanze eine Kombinationstherapie entwickeln – namens „ZMapp“. Doch auch wenn die Hoffnung anfänglich groß war, merkte man schnell, dass es andere wirksamere Behandlungen gab als ZMapp. So wurde die Studie vorzeitig abgebrochen und die beteiligten Forscher gaben sie zugunsten von anderen auf.

    Doch Reynolds war nicht das einzige Unternehmen, welches mehrere Millionen Dollar durch die Produktion von Pharmaprodukten verlor. Tatsächlich sind Firmen, welche viel Geld in solche Behandlungsmöglichkeiten oder Impfungen investieren nie davor sicher, eine Fehlinvestition zu betätigen. Anthony Fauci, Direktor des „National Institute of Allergy and Infectious Diseases“, meint zu „Politico“, dass es schwer sei ein Großunternehmen zu finden, welches bereit wäre dieses Risiko einzugehen. „Man investiert aberhunderte Millionen Dollars in etwas, auf das man hofft, dass es funktioniert. Darin besteht das Problem“, so Fauci.   

    Vorteile von Tabakpflanzen

    Die Forschungen im pharmazeutischen Wirtschaftssektor kommt sicherlich nicht ohne Eigennutzen für den Tabakriesen. Laut der „Politico“ sei die Zahl der Teenager, die Tabak konsumieren, in den letzten zwanzig Jahren stetig gesunken sein. Dazu kommt das Gesetz, welches der US-Kongress 2019 landesweit bestimmt hat: Um Tabakprodukte zu kaufen, müsse man das Alter von 21 Jahren erreicht haben. Auch wenn die E-Zigaretten 2018 für einen erhöhten Aufschwung sorgte, versuchen Unternehmen wie Reynolds ihre Produktangebote zu erweitern.

    Nicht alle Forscher sind vom Verkauf und der Herstellung von Tabakprodukten begeistert. Kenneth Palmer, ein Mikrobiologe der Universität von Louisville, sieht den Vorteil in der Unterstützung der Tabakindustrie als großen Vorteil. „Man kann es in kürzester Zeit von einer einfachen Gensequenz zu einem Lager voll mit Pflanzenmaterial schaffen“, sagt er zu „Politico“. Außerdem könne das Fixkosten senken und damit auch das finanzielle Risiko für Unternehmer. Die Pflanzen seien durchaus schneller und günstiger als die derzeit verwendeten Alternativen. Palmer fügt weiter hinzu: „(…) Ich denke, dass Tabakunternehmen wahrscheinlich auf viel Erfahrung zurückgreifen können. Es ist vielleicht logisch und vielleicht sogar gut, dass Tabakunternehmen mitmischen.“

    lm

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    Tags:
    Impfung, Impfstoff, Tabakindustrie, Tabak, Lungenkrankheit, Krankheit, Coronavirus