05:21 28 September 2020
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    Meeresschildkröten schnappen in den Weltmeeren nach Kunststoffmüll, an dem dann viele ersticken oder an Vergiftungen zugrunde gehen, weil das Plastik offenbar verlockend nach Essbarem duftet. Eine entsprechende Studie von US-Forschern wurde in der Fachzeitschrift „Current Biology“ veröffentlicht.

    „Wir haben festgestellt, dass Unechte Meeresschildkröten auf Gerüche von mit Mikroben, Algen und Kleintieren besiedelten Kunststoffen genauso reagieren wie auf Duftstoffe aus ihrer Nahrung. Das deutet darauf hin, dass Schildkröten nicht nur vom Aussehen des Plastikmülls, sondern auch von seinem Geruch angezogen werden. Diese ͵Geruchsfalle΄ könnte erklären, warum Meeresschildkröten so häufig Plastik verschlingen oder sich darin verfangen“, sagt Joseph Pfaller von der University of Florida (Gainesville), Hauptautor der Studie.

    Um das herausfinden können, rekrutierten die Forscher 15 junge, in Gefangenschaft aufgezogene Unechte Karettschildkröten (Caretta caretta) und beobachteten deren Reaktionen auf verschiedene Geruchsstoffe. Diese waren recht eindeutig: Die Meeresschildkröten fanden den Duft von besiedeltem Plastik stets genauso attraktiv wie den Geruch ihrer gewohnten Nahrung.

    „Die Intensität des Effekts hat uns überrascht“, so Pfaller. „Wir hätten erwartet, dass ihre Reaktionen auf Futter stärker ausfallen würden.“

    Welche Substanzen in den Kunststoffen das Interesse der Schildkröten besonders anstachelten, sollen künftige Studien klären, so die Forscher.

    Scheinbare Nahrungsquelle

    Die neue Erkenntnis macht die ohnehin schon problematischen riesigen Plastikansammlungen im Pazifik und Atlantik im Bereich von Strömungswirbeln (die sogenannten Great Garbage Patches) für die Tierwelt noch gefährlicher.

    „Unsere Sorge ist, dass dichte Konzentrationen von Kunststoffen Schildkröten und andere Arten dazu bringen können, das Gebiet wegen seines Geruchs als besonders ergiebige Nahrungsquelle zu betrachten. Diese Gebiete ziehen möglicherweise Meeressäuger, Fische und Vögel an“, sagt Kenneth J. Lohmann (University of North Carolina), Koautor der Studie.

    „Sobald diese Kunststoffe im Ozean sind, haben wir kaum mehr die Möglichkeit, sie zu entfernen oder zu verhindern, dass sie nach Nahrung riechen. Das Beste, was wir tun können, ist, zu verhindern, dass Plastik überhaupt in den Ozean gelangt“, so das Fazit.

    pd/sb

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    Tags:
    Müll, USA, Vergiftung, Forscher, Geruch, Schildkröte, Ozean