10:58 09 April 2020
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    Gletscher in Grönland haben im vergangenen Jahr dramatisch an Masse verloren. Zu diesem Schluss gelangten Wissenschaftler nach der Auswertung von Satellitenbildern.

    Allein in den beiden wärmsten Sommermonaten 2019 verloren die Gletscher der größten Insel der Erde rund 600 Milliarden Tonnen Eis. Berechnungen von Experten zufolge stieg der Weltmeerpegel dadurch um 2,2 Millimeter. Die Resultate der Studie wurden im Fachmagazin „Geophysical Research Letters“ veröffentlicht.

    DLR- und NASA-Experten unter Autoren

    Unter den Autoren sind US-amerikanische Forscher aus der California University in Irvine sowie Experten der US-Raumfahrtbehörde NASA und der Universität Utrecht (Niederlande). Die Studie gründet sich auf Daten der Satellitenmission GRACE und ihrer Folgemission GRACE-FO als Gemeinschaftsprojekt der NASA sowie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

    GRACE liefert hochpräzise Karten

    Die während der Missionen zusammengestellten Karten monatlicher Gravitationsanomalien sind 1000 Mal präziser als die herkömmlichen Karten. GRACE-Daten haben eine ausschlaggebende Bedeutung bei der Bestimmung der Ursachen für den Anstieg des Meerespegels – egal, ob wegen des Eisschmelzens, wegen der Erhöhung der Wassertemperatur oder wegen der Änderung des Salzgehalts im Wasser.

    Der wärmste Sommer 2019

    Der vergangene Sommer war in Grönland die wärmste Zeit in der Geschichte der meteorologischen Beobachtungen. Mit 600 Milliarden Tonnen eingeschmolzenen Eises wurde ein Rekord aufgestellt. Es sei daran erinnert, dass die Grönland-Gletscher 2002 bis 2018 im Jahresdurchschnitt höchstens 268 Milliarden Tonnen verloren haben.

    Zum Vergleich: Ein dichtbesiedelter Bezirk von Los Angeles mit etwa zehn Millionen Bewohnern verbraucht jährlich im Durchschnitt eine Milliarde Tonnen Süßwasser. Das heißt, dass das Wasser der 2019 während zwei Sommermonaten eingeschmolzenen Gletscher diesen zehn Millionen Menschen für 600 Jahre gereicht hätte.

    Gletscher tauen weltweit auf

    Die globale Erderwärmung lässt Gletscher weltweit einschmelzen. Das verschwundene Eis, das das Sonnenlicht bislang gut reflektiert hat, legt den Boden bloß, dessen dunkle Oberfläche noch mehr Wärme absorbiert und das Eisschmelzen noch mehr beschleunigt. Diese Rückverbindung bereitet den Wissenschaftlern besonders große Sorgen: Das Schmelzen von Festlandeis führt direkt zum Anstieg des Meerespegels, was küstennahe Städte und Siedlungen weltweit gefährdet.

    Schätzungen der Autoren zufolge werden sich rund 400 Millionen Menschen gegen Ende des 21. Jahrhunderts in der Risikozone befinden.

    Antarktis-Eis ebenfalls gefährdet

    Der Studie zufolge schmilzt das Eis auch in der Antarktis in den letzten Jahren deutlich schneller. 2002 bis 2019 tauten im Osten des Kontinents in der Bucht der Amundsensee und auf der Antarktischen Halbinsel entsprechend 2130 Milliarden beziehungsweise 560 Milliarden Tonnen auf. „Auch das trägt zur Erhöhung des Pegels des Weltmeeres bei“, urteilte Prof. Isabella Velicogna von der California University, eine der führenden Autorin der Studie.

    am/mt/jeg

     

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    Tags:
    Studie, Forscher, Eisschmelzen, Grönland