03:47 25 November 2020
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    Erfolg in 18 Monaten oder eher: Wissenschaftler arbeiten fieberhaft am Impfstoff gegen das Coronavirus. Bill Gates will keine Zeit verlieren. Er fordert die USA und andere Nationen auf, sich mit Steuermitteln noch vor der Entwicklung des Serums auf die Massenproduktion von Impfdosen vorzubereiten. Zudem mahnt er Tests und soziale Distanz an.

    „Wenn wir alles richtig machen, könnten wir in weniger als 18 Monaten einen Impfstoff entwickeln“, schrieb Microsoft-Gründer Bill Gates in einem Beitrag für die „Washington Post“. Der Software-Milliardär ist Mitbegründer der „Bill & Melinda Gates Stiftung“, die weltweit die Behandlung und Bekämpfung von Krankheiten unterstützt.

    Impfstoff-Entwicklung innerhalb der nächsten 18 Monate

    Zuvor hatte Gates in seinem Blog „Gatesnotes“ berichtet, dass es mehr als sechs verschiedene Ansätze gäbe, einen Impfstoff herzustellen. Einige verwendeten einen neuen Ansatz namens RNA, dessen Wirksamkeit nicht nachgewiesen sei, berichtet er.

    „Wir müssen viele Labore für die verschiedenen Herangehensweisen aufbauen, da wir wissen, dass einige davon nicht funktionieren werden. Wir werden buchstäblich Milliarden von Impfstoffen brauchen, um die Welt zu schützen. Impfstoffe müssen getestet werden, um sicherzustellen, dass sie sicher und wirksam sind. Einige Impfstoffe wie der gegen Grippe wäre gegebenenfalls nicht für ältere Menschen geeignet. Die ersten Impfstoffe, die wir erhalten, sollten an Mitarbeiter des Gesundheitswesens gehen. Dies alles könnte noch innerhalb der nächsten 18 Monaten passieren, wenn alles gut geht“, so Gates. 18 Monate wäre die schnellste Zeit, in der ein Impfstoff je entwickelt wurde.

    „Aber die Entwicklung eines Impfstoffs ist nur die halbe Miete....wir müssen Milliarden von Dosen herstellen“, schreibt Gates.

    Der Staat soll Produktions-Anlagen bauen

    Und so setzt sich Gates dafür ein, mit dem Bau von verschiedenartigen Anlagen zu beginnen, in denen diese Impfstoffe hergestellt werden sollen. Da viele der erfolgversprechenden Forschungsansätze einzigartige Ausrüstungen verwendeten, müsse man jetzt für jeden Top-Kandidaten eine spezielle Anlage bauen, auch wenn man wüsste, dass einige dann nicht genutzt würden. Private Unternehmen könnten dieses Risiko nicht eingehen, aber die (US-amerikanische) Bundesregierung könne es, so Gates.

    Schneller auf dem Markt -Therapie-Medikament aus Plasma

    Ein Therapeutikum könnte allerdings noch lange vor einem Impfstoff verfügbar sein, so Gates in seinem Blog. Im Idealfall würde dies die Anzahl der Personen verringern, die eine Intensivpflege einschließlich Atemschutzmasken benötigten. Die Gates-Stiftung habe bereits ein Forschungszentrum, einen „Therapeutics Accelerator“, organisiert, um die vielversprechendsten Ideen zu untersuchen und Wissen wie Fähigkeiten der Branche zu bündeln, berichtet er.

    „Ich bin also zuversichtlich, dass daraus etwas wird. Es könnte ein Antivirus oder Antikörper oder etwas anderes sein.“

    Eine Idee, die untersucht wird, sei die Verwendung des Blutes (Plasmas) von Menschen, die die Krankheit überstanden und sich erholt haben. Deren Blut kann Antikörper enthalten. Wenn es funktioniert, sei es der schnellste Weg, um Mitarbeiter des Gesundheitswesens und Patienten mit schweren Krankheiten zu schützen.

    Ausgangsbeschränkungen – Nach dem Vorbild Chinas

    Gates fordert eindringlich, die Ausgangseinschränkungen einheitlich anzuwenden und keine regionalen Unterschiede in den USA zu machen. „In einigen Bundesstaaten sind die Strände noch immer geöffnet, in anderen gibt es noch Restaurants, in denen man sich zum Essen hinsetzen kann. Dies ist ein Rezept für eine Katastrophe. Denn die Menschen können sich frei über die Staatsgrenzen hinweg bewegen, und das Virus auch.“

    China habe nach dem 23. Januar, als erkannt wurde, wie ernst die Lage war, auf eine starke soziale Isolation gesetzt, so Gates in seinem Blog – und die hat einen großen Effekt gehabt. Natürlich bereitete die Abschottung den Beteiligten viele Schwierigkeiten, aber es gelang, die Verbreitung zu stoppen. Andere Länder treffen andere Maßnahmen, aber eine Kombination aus Tests und sozialer Isolation funktioniert eindeutig und das ist alles, was wir haben, bis wir einen Impfstoff bekommen.“

    Tests, Tests, Tests nach asiatischem Vorbild

    Denn „Testen ist der Schlüssel“, so der Software-Milliardär in der vergangenen Woche in einem Interview mit den Machern von „Ted Talk“ - gepaart mit sozialer Distanz, davon sei er überzeugt: „Südkorea hat es auch gemacht, in einer derart massiven Art und Weise, von der Jeder lernen sollte!“ Das Ziel müsse sein, zu dem Punkt zu gelangen, wo ein möglichst geringer Anteil der Bevölkerung infiziert ist - in China seien es nur 0.01 Prozent der Bevölkerung gewesen, so Gates. 

    Eine Webseite und landesweite Test-Kioske

    Die Regierung der USA müsse die Tests intensivieren. „Es sollten weit mehr Tests zur Verfügung gestellt werden“, so Gates in seinem Blog. „Wir müssen das Testsystem demokratisieren und skalieren, indem wir eine Website haben, die die Menschen aufrufen und in ihren Zustand schildern. Prioritär zu Behandelnde, etwa Mitarbeiter des Gesundheitswesens oder ältere Menschen, sollten innerhalb von 24 Stunden getestet werden können. Dies ist sehr gut möglich, viele Länder haben dies getan.“

    Man würde sich also online registrieren, seine Symptome schildern und seinen Job angeben, würde dann in eine Wichtigkeits-Kategorie eingeteilt.  Dann bekäme man einen nahegelegenen Test-Kiosk mitgeteilt, wo man den Test selbständig machen könne, das heißt, ohne in Kontakt mit anderen zu kommen. In absehbarer Zeit könnten die Tests auch nach Hause geschickt werden und dann einfach wieder zurückgesendet werden, allerdings rechne Gates erst in etwa sechs Monaten damit, das komplette Testverfahren daheim machen zu können – vom Abstrich bis zum Ergebnis.

    Koordination von Relevanz

    „Wir werden in der Lage sein, den Testbedarf innerhalb weniger Wochen nach der Einrichtung des Systems nachzuholen. Ohne das System können wir nicht nachvollziehen, was fehlt – wie Tupfer, Reagenzien und so weiter“, so Gates. Die gewonnenen Ergebnisse sollten zusammengeführt werden, etwa auch, um schnell potenzielle Freiwillige für klinische Studien identifizieren können. So könne man zudem erkennen, wann es Zeit ist, zur Normalität zurückzukehren.

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    Tags:
    Medizin, Gesundheit, Bill Gates, Coronavirus