23:54 26 Oktober 2020
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    Im Kanton Genf wird momentan eine neue Art von Corona-Antikörper-Test ausprobiert: Statt eines Abstrichs im Rachen, wird Blut entnommen. Der Vorteil bei solchen Verfahren sei, dass es Menschen viel schneller positiv kennzeichnet. Somit hofft man auf akkuratere Zahlen der Schweizer Corona-Infizierten.

    Laut einer neuen serologischen Studie, schätzt man, dass sich 5,5 Prozent der Genfer Gesamtbevölkerung mit Corona infiziert hat. Die Schweizer Zeitung „Tages-Anzeiger“ veröffentlichte am Donnerstag einen Artikel, indem sie diese Zahlen auswertete. 27.000 Menschen sollen dementsprechend alleine im Kanton Genf an Covid-19 erkrankt gewesen sein. Diese Anzahl an Betroffenen entspricht einem sechsfachen der momentan offiziellen Zahl Infizierter. Nehme man diese Zahlen zur Grundlage, so erhielte man für die Bevölkerung der Schweiz 100.000 bis 200.000 Menschen, die bereits an Covid-19 erkrankt wären. Der bisher offizielle Stand liegt bei fast 30.000 (Stand 23.04) Infizierten landesweit.

    Testen von Antikörpern im Blut

    Diese neuen Studien beruhen auf einer neuen Testmethode, bei der man das Blut des Patienten analysiert. Aktuell testet man bei Verdächtigen mit einem Rachen-Abstrich, ob diese sich infiziert hatten. Anhand des neuen Verfahrens lässt sich jedoch feststellen, ob die Patienten Antikörper gegen das Virus gebildet haben. Somit können nun auch Leute getestet werden, bei denen die Krankheit symptomlos abgeklungen ist. Dies sei laut dem „Tages-Anzeiger“ ein enormer Vorteil, wenn es darum ginge, die Gesamtzahl der Infizierten zu bestimmen.

    Die Studienergebnisse kommen aus Genfer Universitätskrankenhäusern. Erste Resultate mit 760 Probanden wurden am Mittwoch veröffentlicht. Die Studie sei am 6. April gestartet und werde noch bis Ende Mai weitergeführt. Insgesamt würden voraussichtlich 5600 Menschen aus Genf an der Studie teilnehmen.

    Von diesen 5,5 Prozent der Menschen hätte es keinen Unterschied bei Kindern oder Erwachsenen gegeben. Auch wenn der Bluttest konkrete Daten bieten könnte, müsse diese Prozentzahl mit Vorsicht genossen werden. Die Spanne, in der man das Resultat einschätzt, sei groß: von 3,3 bis 7,7 Prozent liege der Bereich der sogenannten Varianz. Die Autoren der Studie sehen die 5,5 Prozent als eine Minimaleinschätzung, welche wahrscheinlich mit vielen Unsicherheiten verbunden sei.

    Schneller als bisherige Tests

    Ein großer Vorteil dieses Bluttests sei vor allen Dingen die Geschwindigkeit. Die Forscher in Genf haben nun eine Plattform aufgebaut, mit welcher bis zu 200 Tests in einer Stunde durchgeführt werden können. Auch andere Kantone sind laut dem „Tages-Anzeiger“ dabei, Studien aufzugleisen, in welchen die sogenannte Seroprävalenz getestet wird. Die Seroprävalenz beschreibt die Anzahl positiv getesteter Menschen, die bereits Antikörper gegen ein bestimmtes Virus aufweisen.

    Im Falle einer Ansteckung mit dem Sars-CoV-2 dauert es ungefähr zwei bis drei Wochen, um die Anzahl Antikörper im Blut nachzuweisen. Während der Testphase, konnten die Forscher beobachten, wie die Zahl der Menschen über zwei Wochen hinweg immer weiter anstieg. In dem Sinne gehen die Genfer Wissenschaftler davon aus, dass die Seroprävalenz weiter ansteigen wird. Dennoch zeige diese geringe Prozentzahl, dass die Bevölkerung noch weit von einer Herdenimmunität entfernt sei.

    lm

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    Tags:
    Genf, Schweiz, Forschung, Medizin, Antikörper, Bluttest, Coronavirus