17:53 19 September 2020
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    Weltweit sind Forscher darum bemüht, dem Coronavirus auf die Schliche zu kommen. Auch Pathologen leisten ihren Beitrag dazu und können anhand von Obduktionen wichtige Erkenntnisse liefern. Mediziner in Basel und Hamburg haben festgestellt, dass Menschen mit vorgeschädigten Lungen und Herzerkrankungen besonders gefährdet sind.

    Noch Anfang März hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) davon abgeraten, Obduktionen an Corona-Verstorbenen vorzunehmen. Zu hoch sei das Risiko gewesen, dass sich die Pathologen und das medizinische Personal beim Öffnen der Leichen durch Luftpartikel mit dem Virus infizieren könnten. Darüber hat die Süddeutsche Zeitung berichtet.

    Allerding waren die Deutsche Gesellschaft für Pathologie und der Bundesverband Deutscher Pathologen diesbezüglich anderer Ansicht und forderten „möglichst zahlreiche Obduktionen“, um daraus im besten Fall Therapieoptionen ableiten zu können. Nicht zuletzt, um zu verstehen, wie gefährlich das Coronavirus für Menschen wirklich ist. Abseits der behandelten Symptome wisse man noch zu wenig darüber, was das Virus tatsächlich im Körper anrichte, erklärte Andreas Rosenwald, Vorstand des Pathologischen Instituts der Universität Würzburg.

    Mittlerweile hat das RKI seine Empfehlung zurückgezogen. Es sei natürlich richtig, gerade wenn die Erkrankung neu sei, „möglichst viel zu obduzieren, unter den entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen“.

    Obduktionsbefunde  

    Derzeit obduzieren Mediziner Covid-19-Tote und stellen Vorerkrankungen und andere Faktoren fest, welche den letalen Krankheitsverlauf bedingt hätten. Laut dem Leiter des Fachbereichs Autopsie am Uni-Spital in Basel, Alexander Tzankov, lässt die Autopsie inzwischen ein Muster in den Diagnosen erkennen.

    „Alle Untersuchten hatten Bluthochdruck“, sagt der Professor, „ein Großteil der Patienten war auch schwer adipös, also deutlich übergewichtig“. Und es seien vorwiegend Männer gewesen. Mehr als zwei Drittel haben vorgeschädigte Herzkranzgefäße aufgewiesen, ein Drittel sei an Diabetes erkrankt gewesen.

    Unter anderem untersuchten die Schweizer Pathologen Schäden am Lungengewebe der Verstorbenen. Die wenigsten Patienten hätten eine Lungenentzündung angezeigt, sondern das, „was wir unter dem Mikroskop gesehen haben, war eine schwere Störung der Mikrozirkulation der Lunge“, so der Professor. Das bedeute, dass der Sauerstoffaustausch nicht mehr funktioniere, und erkläre die Schwierigkeiten bei der Beatmung von Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen.

    „Man kann dem Patienten so viel Sauerstoff geben, wie man will, der wird dann einfach nicht mehr weiter transportiert“, konstatierte der Professor.

    Keiner ohne Vorerkrankungen

    Auch der Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel hat bestätigt, dass bei den inzwischen mehr als 100 Obduzierten in Hamburg keiner ohne Vorerkrankung gewesen sei. Laut einem dazu erstellten Bericht hatten 55 Herzerkrankungen wie etwa Bluthochdruck, einen Herzinfarkt, Arteriosklerose.

    46 der Untersuchten hatten demnach eine Vorerkrankung der Lunge. Bei 28 seien Schäden an anderen Organen wie Nieren, Leber oder Transplantationsorgane festgestellt worden. Weitere hätten bereits eine Krebserkrankung, schweres Übergewicht oder Diabetes gehabt.

    Es werden auch weiterhin Obduktionen vorgenommen, um die viel diskutierte Frage zu klären, ob die Patienten mit oder an dem Virus sterben. Dem Bericht zufolge wurde jedenfalls bei 61 von 65 Verstorbenen Covid-19 als Todesurasche vermerkt.

    mka/gs

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    Tags:
    Medizin, Obduktion