04:09 22 Oktober 2020
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    Deutsche und britische Biologen haben das Herpes-simplex-Virus-Genom entschlüsselt, das sich als viel komplizierter erwies als bisher angenommen. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin „Nature Communications“ veröffentlicht.

    Das Herpes-simplex-Virus Typ 1 (HSV-1) ist möglicherweise das verbreitetste Virus bei Menschen. Nach verschiedenen Angaben seien 60 bis 95 Prozent der gesamten erwachsenen Bevölkerung der Welt mit dem HSV-1-Virus infiziert.

    Beim Gelangen in den Organismus bleibt das Herpes-simplex-Virus für den Rest seines Lebens dort. Es kann sich längere Zeit auf keine Weise zeigen und wird nur unter besonderen Umständen aktiv, wie z. B. bei einem geschwächten Immunsystem, bei Unterkühlung, Nervenstress und anderen Umständen.

    Lippen-Erkältungen“

    Bei den meisten Menschen manifestiert sich HSV-1 in Form von Hautausschlägen, begleitet von einem unangenehmen Juckreiz auf den Lippen oder unter der Nase, im Volksmund „Lippen-Erkältungen“ genannt. In einigen Fällen können mit diesem Virus verbundene Infektionen schwerwiegende Folgen haben. Beispielsweise kann HSV-1 bei Patienten auf Intensivstationen eine herpetische Enzephalitis verursachen, die häufig zu unumkehrbaren Hirnschäden oder einer lebensbedrohlichen Lungenentzündung führt.

    Bisher hatten die Forscher vermutet, dass das Genom des HSV-1-Virus nicht so komplex ist und etwa 80 sogenannte offene Leserahmen (ORFs) aufweist - Nukleotidsequenzen in der DNA, die potenziell imstande sind, Protein zu kodieren.

    Ergebnisse neuer Studie

    Die Ergebnisse einer neuen Studie deutscher und britischer Genetiker zeigten, dass es diese viel mehr gibt, nämlich 284. Dieser Anstieg der Anzahl von ORFs ist darauf zurückzuführen, dass Wissenschaftler Hunderte neuer viraler Transkripte identifizieren konnten – nämlich RNA-Moleküle, die aus der Transkription resultieren – der Expression eines entsprechenden Gens oder DNA-Teils.

    „Die neuen Ergebnisse ermöglichen es uns nun, einzelne Gene des Virus viel detaillierter als bisher zu untersuchen“, werden in einer Pressemitteilung der Julius- und Maximilian-Universität (JMU) in Würzburg, Bayern, die Worte des Studienleiters Lars Dölken, Professor am Lehrstuhls für Virologie, angeführt.

    Forscher der JMU haben zusammen mit Kollegen des Max-Delbrück-Zentrums für Molekulare Medizin in Berlin, der Universität Cambridge in England und der Ludwig- und Maximilian-Universität München eine breite Palette innovativer systembiologischer Methoden verwendet, einschließlich quantitativer Proteomik und Umkehrgenetik für ganze Zellen.

    Um alle Daten für die Wahrnehmung leicht zugänglich zu machen, entwickelten die Autoren ein spezielles Visualisierungsprogramm, mit dem Ergebnisse auf jeder Ebene angezeigt werden können - vom vollständigen Genom bis zum Nukleotid.

    Spezifische praktische Anwendung

    Die erhaltenen Daten sind nicht nur wichtig, um das Virus selbst besser zu verstehen. Nach Ansicht der Forscher würden sie eine spezifische praktische Anwendung haben, beispielsweise für die Entwicklung von onkolytischen Viren auf der Basis von HSV-1. Dies sind Viren, die bei der immunologischen Behandlung bestimmter onkologischer Erkrankungen wie dem bösartigen Melanom eingesetzt werden. Dieser Bereich der Onkologie erhielt den Namen Virotherapie.

    ek/mt/sna

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    Tags:
    Entschlüsselung, "Nature Communications", Genom, Virus, Onkologie