04:32 21 Oktober 2020
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    Die „Wundermittel“ Chloroquin und Hydroxychloroquin gegen Covid-19 können zu tödlichen Herzrhythmusstörungen führen. Deshalb warnen die französischen und die US-Arzneimittelbehörde vor Komplikationen. Derzeit läuft auch in Deutschland eine Studie mit den Malariamitteln. Hier soll es bislang zu keinen solchen Fällen gekommen sein.

    Hydroxychloroquin und Chloroquin sind ursprünglich Malariamittel, die allerdings wegen einer verbreiteten Resistenz kaum mehr gegen die Krankheit eingesetzt werden. Da sie sich bei den Autoimmunerkrankungen wie der rheumatoiden Arthritis und zwei Lupus-Erkrankungen wirksam gezeigt haben, wurden sie stattdessen bei diesen Erkrankungen eingesetzt. Im Zuge der Covid-19-Pandemie kam dann ein neuer Einsatzbereich dazu, denn zwei kleinere, nicht-systematische Studien aus Frankreich und China wiesen auf einen möglichen Nutzen auch bei der Behandlung von Covid-19 hin.

    Schnell machte der neue Hoffnungsträger die Runde in Medien und unter Politikern. Ganz besonders schwärmte US-Präsident Donald Trump von den Medikamenten als Wundermittel gegen die neuartige Erkrankung, aber auch der französische Präsident Emmanuel Macron zeigte sich sehr daran interessiert. In den USA entstand so ein öffentlicher Druck auf die US-Arzneimittelbehörde (FDA), die schließlich Ende März den Einsatz beider Mittel außerhalb von klinischen Studien erlaubte – allerdings vorerst nur im stationären Bereich.

    Doch die Mittel haben auch Nebenwirkungen, vor denen Pharmakologen bereits frühzeitig gewarnt hatten. Diese Nebenwirkungen reichen über Unruhe, Verwirrtheit bis hin zu epileptischen Anfällen, Koma und Herzstillstand.

    Der Einsatz der Stoffe in unterschiedlichen Ländern hat in jüngster Vergangenheit tatsächlich eine Reihe besorgniserregender Ergebnisse gezeigt: Aus Frankreich wurden Herzrhythmusstörungen und bis zu drei Todesfälle gemeldet, in Brasilien wurde Mitte April eine klinische Studie abgebrochen, nachdem es zu elf Todesfällen von 81 behandelten Patienten infolge solcher Herzrhythmusstörungen und Herzmuskelschäden gekommen war. Bei der brasilianischen Studie soll allerdings auch eine deutlich höherer Dosis verabreicht worden sein, als empfohlen. Auch in den USA wurde anhand der Behandlung von 368 US-Veteranen auf ein erhöhtes Sterberisiko hingewiesen.

    Seit Freitag warnt nun die FDA vor möglichen Komplikationen bei solchen Behandlungen. Seit Ende März warnt bereits Frankreichs Behörde für Arzneimittelsicherheit (ANSM) vor lebensgefährlichen Nebenwirkungen. Auch in Deutschland laufen derzeit zwei Studien unter Forschern des Tübinger Instituts für Tropenmedizin, eine bei schweren Verlaufsformen und eine andere bei milden Verlaufsformen. In beiden Fällen gibt es zum Vergleich eine Placebogruppe. Die Studien laufen laut dem Institutsdirektor, Peter Kremsner, weiter. Aktuell gebe es keinen Anlass, sie abzubrechen:

    „Es ist bislang keiner daran gestorben“, betont Kremsner gegenüber Sputnik.

    Silver Spring/Maryland − Noch Ende März hatte die US-Arzneimittelbehörde FDAden Einsatz der Malariamittel Hydroxychloroquin und Chloroquin außerhalb von klinischen Studien erlaubt. Jetzt warnt die Behörde in einer Drug Safety Communication vor Komplikationen, die sich vor allem (aber nicht nur) aus einer Verlängerung des QT-Intervalls im EKG ergeben. Anlass sind zunehmende Berichte über schwere Zwischen- und auch Todesfälle.

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    Tags:
    Malaria, Bayer, Coronavirus, Chloroquin, Covid-19