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    Niederländische Forscher haben einen Antikörper vorgestellt, der das neuartige Coronavirus davon abhält, menschliche Zellen zu befallen. Dabei handelt es sich um einen von 51 Antikörpern, die sich bei SARS-CoV aus den Jahren 2002-2003 als wirksam gezeigt hatten. Mit dem Antikörper rückt eine Immuntherapie gegen SARS-CoV-2 näher.

    Unbekannte Erreger wie das SARS-Coronavirus-2 treffen das körpereigene Immunsystem unvorbereitet. Deswegen können sie sich oft in den ersten Tagen relativ frei im menschlichen Körper vermehren und es kommt zu den typischen Symptomen. Doch im Verlauf von ein bis zwei Wochen lernen B-Zellen des Abwehrsystems die Oberfläche des Virus kennen und produzieren massenhaft Antikörper, die sich an den viralen Oberflächen anheften und so die Viren vom Eindringen in weitere Zellen abhalten.

    Antikörper spielen also eine zentale Rolle bei der Eindämmung des Virus im Körper. Aber die Reaktionszeit des Immunsystems dauert bei einer Infektion mit dem SARS-Coronavirus-2 zuweilen zu lange, in anderen Fällen reagiert das Immunsystem nicht stark genug. In solchen Fällen kann die ungehemmte Vermehrung des Virus Organfunktionen ernsthaft gefährden und es kommt zu schweren Verlaufsformen bis hin zum Tod. Die Suche nach den passenden Antikörpern ist deshalb ein wichtiger Ansatz bei der Behandlung von Covid-19.

    Denn wenn wirkungsvolle Antikörper gefunden und massenhaft produziert werden, können sie im Rahmen einer Immuntherapie Patienten ins Blut gegeben werden und den Job erledigen, den das Immunsystem allein nicht mehr zustandekriegt.

    Nun haben niederländische Forscher auf diesem Feld einen großen Schritt nach vorne getan: In einer Studie, die in Nature Communications erschienen ist, stellen sie einen Antikörper vor, der sowohl das SARS-Coronavirus-1 als auch das gegenwärtige SARS-Coronavirus-2 neutralisieren kann. Von diesem Ergebnis versprechen sie sich neue Behandlungsmöglichkeiten bei Akuterkrankungen, aber auch eine Strategie, um dem Virus vorzubeugen.

    „Unsere Forschung baut auf unserer Arbeit mit Antikörpern gegen SARS-CoV aus den Jahren 2002-2003 auf“, sagtBerend-Jan Bosch, einer der Hauptautoren der Studie. Insgesamt 51 solcher Antikörper hatten sie in den letzten Jahren bei ihrer Arbeit in Zellkulturen vermehrt. „Bei der Analyse dieser Antikörpersammlung sind wir auf einen darunter gestoßen, der auch eine Infektion mit SARS-CoV-2 in der Zellkultur unterbindet.“ Zum Einsatz kamen bei den Forschern zunächst gemischte Antikörper mit Anteilen von Maus und Mensch.

    Die Forscher sehen hier ein Potential für ein künftiges Behandlungsmittel. „Diese Entdeckung bietet eine solide Grundlage, um den Antikörper weiter zu erforschen und eine mögliche Covid-19-Behandlung zu entwickeln“, teilt Frank Grosveld, ebenfalls einer der Hauptautoren der Studie, mit. Den Maus-Mensch-Antikörper haben die Forscher im Rahmen ihrer Studie in einen komplett menschlichen umgewandelt, was wichtig ist, um mögliche Immunreaktionen dagegen beim Menschen zu verhindern.

    Inwieweit der Antikörper allein für eine Behandlung von Covid-19 reicht, wird sich zeigen. Aller Voraussicht nach werden für eine Immuntherapie aber mehrere Antikörper zum Einsatz kommen müssen – auch um die Entstehung resistenter Viren zu verhindern. Der Antikörper kann prinzipiell in Zellkulturen in größerer Menge produziert weren. Bevor er in einer klinischen Studie eprobt wird, muss er jetzt allerdings noch an Versuchstieren getestet werden.

    Das ist nicht die einzige Erfolgsmeldung von der Antikörper-Front: In jüngster Zeit hatten etwa Forscher aus Israel von einem Durchbruch berichtet wie auch am Mittwoch Forscher aus Braunschweig.

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    Tags:
    Covid-19, Behandlung, Niederlande, Antikörper, Coronavirus