17:15 10 Juli 2020
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    Sie sollen eine überstandene Infektion nachweisen, aber manchmal zeigen sie auch falsche Ergebnisse an. Um die Spreu vom Weizen zu trennen, haben kalifornische Forscher mittlerweile 14 auf dem Markt verfügbare Antikörpertests untersucht – mit großen Unterschieden in der Qualität.

    Der menschliche Körper vergisst seine Feinde nicht so bald: Nach jeder überstandenen Infektionskrankheit verfügt das körpereigene Abwehrsystem über ein sogenanntes immunologisches Gedächtnis. Hinter diesem Begriff versteckt sich ein raffinierter Mechanismus.

    Dieser beginnt damit, dass ein weißes Blutkörperchen – die B-Zelle des Immunsystems – an der Oberfläche des Krankheitserregers eine fremde Struktur – ein sogenanntes Antigen – erkennt. Sie endet damit, dass die B-Zelle sich vermehrt und die so entstandene Gruppe von Zellen Antikörper produziert, die sich an diese Antigene binden können und damit dem Immunsystem signalisieren, dass der Krankheitserreger wieder im Körper ist. Damit erinnert sich das Immunsystem an den einmal bekämpften Eindringling und erkennt diesen sofort, wenn er wieder versucht, den Körper zu befallen. Die Antwort des Immunsystems erstickt den Angriff im Keim und es kommt zu keinen Krankheitssymptomen, die erst dann aufträten, wenn der Krankheitserreger sich im Körper relativ ungehindert ausbreiten kann.

    Diese Antikörper sind nicht nur ein hervorragender Schutz gegen Neuerkrankungen, sie sind auch ein Anzeichen dafür, dass eine bestimmte Erkrankung in der Vergangenheit erfolgreich bekämpft wurde und die nötige Strategie für eine künftige Bekämpfung im Körper schlummert. Genau an dieser Stelle setzen Antikörper-Tests an, deren zurzeit gefragtester Vertreter der Test auf Antikörper gegen SARS-CoV-2 ist. Prinzipiell reicht eine Blutprobe, um zu prüfen, ob Antikörper im Blutkreislauf zirkulieren oder nicht – und von dort Rückschlüsse darauf zu ziehen, ob die Person bereits infiziert war oder nicht.

    Zeigt die Vielfalt des Marktes auch eine Vielfalt von Ergebnissen?

    Doch nicht alle Tests auf dem Markt sind gleich geeignet, um eine überstandene Erkrankung mit Sicherheit anzuzeigen. Manchmal zeigen sie falsch-positive Ergebnisse an und markieren zum Beispiel ähnliche Antikörper, die aber nicht gegen SARS-CoV-2 gebildet wurden. Manchmal wiederum zeigen sie falsch-negative Ergebnisse an, indem sie sich nicht an vorliegende Antikörper binden, weil etwa deren Konzentration im Blut zu niedrig ist. In der Wissenschaftswelt ist man sich einig, dass vor allem die falsch-positiven Ergebnisse bedenklich sind, denn in diesem Fall wähnt sich der Mensch in Sicherheit, lockert die eine oder andere persönliche Maßnahme und macht sich so für eine Infektion anfälliger.

    Um die Frage, welcher Test wie viel taugt, zu beantworten, haben zwei Forscher aus Kalifornien das „Covid-19 Testing Project“ ins Leben gerufen, in dessen Rahmen sie 14 in den USA entwickelte Tests auf ihre Zuverlässigkeit geprüft haben. Dafür haben sie Blutproben von 80 nachweislich mit SARS-CoV-2 Infizierten genommen. Als Vergleichsgruppen hatten sie ferner 108 Blutproben, die aus der Zeit vor der Pandemie stammten, und ebenso 52 Proben von Patienten, die an Atemwegserkrankungen litten, aber nicht an Covid-19.

    Das Resultat: Drei von 14 Tests zeigten in mindestens 99 Prozent der Fälle keine falsch-positiven Ergebnisse an. Allerdings schnitten sie nicht ganz so stark beim Anzeigen der Antikörper selbst ab. So wurden nur in 90 Prozent der Fälle auch falsch-negative Ergebnisse verhindert. Vier andere Antikörpertests dagegen zeigten in 11 bis 16 Prozent der Fälle falsch-positive Ergebnisse an, die anderen lagen im Bereich von fünf Prozent.

    Mal genauer, mal allgemeiner – Die Sache mit den Immunglobulinen

    Eine weitere Schwachstelle haben Tests außerdem, wenn sie nur allgemein Antikörper anzeigen, ohne hier zu unterscheiden. Denn hier gibt es verschiedene Klassen, von denen zwei bei Covid-19 eine besondere Rolle spielen: Das Immunglobulin M (IgM) bildet sich kurz nach der Infektion aus und fällt dann ab, während das Immunglobulin G (IgG) später hinzukommt und im Blut deutlich länger verbleibt. An dieser Stelle setzt ein zweistufiger Test an, dessen Grundlage an der New Yorker „Icahn School of Medicine at Mount Sinai“ gelegt wurde und zur Entwicklung des Elisa-Tests führte. Dieser Test zeigte in 99 Prozent der Fälle Antikörper zuverlässig an. Im April hatte das russische Unternehmen „Genetico“ einen Lizenzvertrag mit dieser US-amerikanischen Graduierten-Schule abgeschlossen, um solche Tests auch für Russland zu entwickeln.

    Das „Covid-19 Testing Project“ hat Tests von insgesamt 100 Unternehmen angefordert und plant, seine Vergleiche fortzusetzen. Die Forscher wollen außerdem ihr Testsystem verfeinern, indem sie Blutproben von Patienten heranziehen, die nur mild erkrankten oder symptomfrei verblieben. Ebenso sollen die Proben nach Alter und chronischen Erkrankungen kategorisiert werden. Ähnliche Ansätze gibt es auch in Europa. So haben etwa dänische Forscher insgesamt neun solcher Tests in einer Studie untersucht.

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    Tags:
    Test, Coronavirus, Antikörper