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    Corona-Pandemie breitet sich weiter aus – alle Entwicklungen (536)
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    Das Blut von Männern weist im Vergleich zu Frauen einen höheren Wert des Schlüsselenzyms ACE2 auf. Das neuartige Coronavirus SARS CoV-2 benötigt dieses Enzym, um in die Zellen einzudringen, sich zu vervielfältigen und in die Lunge überzugehen. Dies berichtet die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) unter Verweis auf eine Studie am Montag.

    „ACE2 (Angiotensin-Converting-Enzyms 2) ist ein Rezeptor auf der Oberfläche von Zellen. Es interagiert mit dem Coronavirus und ermöglicht es ihm, in gesunde Zellen einzudringen und diese zu infizieren (...). In der Lunge ist ein hoher ACE2-Spiegel vorhanden, daher wird angenommen, dass dies eine entscheidende Rolle für das Fortschreiten von Lungenerkrankungen im Zusammenhang mit COVID-19 spielt“, erläutert Adriaan Voors, Professor für Kardiologie am Universitätsklinikum Groningen (UMC, Niederlande), der die Studie leitete. 

    Die Forscher haben die Konzentration von ACE2 in Blutproben von mehr als 3.500 Patienten mit Herzinsuffizienz aus elf europäischen Ländern gemessen. Es stellte sich heraus, dass dessen Wert bei Männern höher war als bei Frauen.

    Die Studie wurde vor der Coronavirus-Pandemie begonnen und umfasste keine Patienten mit COVID-19. Als jedoch die Ergebnisse anderer Studien zeigten, dass ACE2 mit dem Eintritt des neuen Coronavirus in die Zellen verbunden ist, stellten Voors und sein Team fest, dass dies mit ihrer Arbeit resoniert.

    Der Erstautor der Studie, Dr. Iziah Sama von UMC Groningen, sagte: „Als wir feststellten, dass einer der stärksten Biomarker, ACE2, bei Männern viel höher war als bei Frauen, erkannte ich, dass dies das Potenzial hätte, zu erklären, warum bei Männern die Wahrscheinlichkeit, an COVID-19 zu sterben, höher ist als Frauen.“

    Das Enzym ACE2 sei nicht nur in der Lunge, sondern auch in Herz, Nieren und in den Geweben vorhanden, die die Blutgefäße auskleiden, hieß es im Bericht der ECS. In den Hoden werde ein besonders hoher ACE2-Spiegel beobachtet. Die Forscher nehmen an, dass letzterer Faktor teilweise die höheren Konzentrationen von ACE2 bei Männern erklären könnte und daher auch die Tatsache, warum sie anfälliger für COVID-19 sind.

    Die am Montag im „European Heart Journal“ veröffentlichte Studie hat ergeben, dass Patienten mit Herzinsuffizienz, die Medikamente gegen das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS, das Hormonsystem, das den Blutdruck und das Blutvolumen im Körper reguliert — Anm. d. Red.) wie Angiotensin-Converting-Enzyme (ACE)-Hemmer oder Angiotensin-Rezeptor-Blocker (ARB) einnehmen, keine höheren Konzentrationen von ACE2 im Blut haben. Daher würden Patienten, die auf entsprechende Medikamente angewiesen sind, kein höheres Risiko für eine COVID-19-Erkrankung in sich tragen.

    Zuvor hieß es, einige Studien hätten gezeigt, dass ACE-Hemmer oder ARB, die zur Behandlung von Bluthochdruck verschrieben werden, die Konzentration von ACE2 im Plasma erhöhen können, was angeblich das Risiko einer Infektion und des Todes durch die COVID-19-Erkrankung bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht.

    Wie Voors feststellte, folgt aus den Ergebnissen der neuen Arbeit nicht, dass Patienten mit COVID-19 auf Medikamente gegen Bluthochdruck verzichten sollten. Die ESC fügt jedoch hinzu, dass die Studie keine schlüssigen Beweise für die Wirkung von RAAS-Blockern bei Patienten mit dem neuartigen Coronavirus liefern könne, da daran nur Patienten mit Herzinsuffizienz ohne COVID-19 beteiligt waren.

    „In zwei unabhängigen Gruppen von Patienten mit Herzinsuffizienz waren die Plasmakonzentrationen von ACE2 bei Männern höher als bei Frauen, aber weder die Verwendung von ACE-Hemmern noch von ARB war mit höheren Plasmakonzentrationen von ACE2 verbunden. Diese Daten können die höhere Infektiosität und Mortalität durch die Covid-19-Erkrankung bei Männern erklären, bestätigen jedoch nicht frühere Berichte, dass ACE-Hemmer oder ARB die Anfälligkeit für COVID-19 aufgrund eines Anstiegs der Plasmakonzentration von ACE2 erhöhen“, resümieren die Forscher. 

    Corona-Ausbruch

    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft den Ausbruch der neuen Coronavirus-Infektion seit dem 11. März als Pandemie an. Nach deren neuesten Daten wurden weltweit mehr als vier Millionen Infektionsfälle registriert, über 279.000 Menschen sind gestorben.

    pd/sb

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    Europäische Gesellschaft für Kardiologie ESC, Herzinsuffizienz, Herzprobleme, Herzanfall, Coronavirus, Frauen, Männer, Wissenschaft