23:07 06 Juli 2020
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    Neben dem Alter der Patienten scheint auch starkes Übergewicht zu einem höheren Sterberisiko bei einer Covid-Erkrankung zu führen. Zu diesem Ergebnis kommen mehrere Studien.

    Hauptrisikogruppe für eine Erkrankung an der durch das neuartige Coronavirus ausgelösten Covid-19-Erkrankung sind Menschen hohen Alters. Darüber hinaus scheinen auch Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder starkem Übergewicht gefährdet zu sein.

    Eine besonders umfangreiche Studie zum Zusammenhang zwischen Übergewicht und Covid-19 haben jetzt britische Ärzte vorgelegt. In einer Analyse von über 17.000 Covid-Patienten kamen die Forscher zu dem Ergebnis, dass neben höherem Alter und Vorerkrankungen vor allem starkes Übergewicht das Risiko erhöhe, an Covid-19 zu sterben.

    Junge Menschen gefährdet, wenn sie übergewichtig sind

    Erstmals zeigte im April eine Studie aus der besonders heftig vom Coronavirus betroffenen Region New York, dass die Krankheit bei stark Übergewichtigen oft einen besonders schweren Verlauf nimmt. Dies betraf in New York auch verstärkt jüngere Patienten.

    In einer Analyse von Forschern der „Grossman School of Medicine“ der Universität New York (NYU) gehört die Fettleibigkeit nach dem Alter zu den größten Risikofaktoren für einen Krankhausaufenthalt aufgrund einer Ansteckung mit SARS-CoV-2. Die Forscher ermittelten, dass nach dem Alter ein Body-Mass-Index (BMI) von mehr als 30 kg/m2 bereits an zweiter Stelle der Faktoren steht, die einen schweren Verlauf der Krankheit begünstigen. Damit gefährdet Fettleibigkeit an Covid-19 erkrankte Patienten noch mehr als Herzinsuffizienz, Lungenvorerkrankungen oder Krebs.
    Mehr als ein Drittel aller Amerikaner gelten mit einem BMI von mehr als 30 als fettleibig.

    In der Studie aus New York heißt es:

    „Die chronische Erkrankung, die am stärksten mit einer schweren Covid-Infektion im Zusammenhang steht, ist Adipositas – und zwar in einem substanziell höheren Risikoverhältnis als jede Herz-Kreislauf- oder Lungenerkrankung.“

    Bei Alter von mehr als 75 Jahren 67-fach erhöhtes Risiko

    Jedoch ist ein hohes Alter noch immer das Hauptkriterium für eine gefährliche Covid-19-Erkrankung. In Relation gesetzt ist das Risiko für einen schweren Verlauf der Krankheit bei einem Alter von mehr als 75 Jahren um das fast 67-fache erhöht. Starkes Übergewicht führt zu einem vier- bis sechsfach erhöhtem Risiko. Lungen- und Krebserkrankungen erhöhen das Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf dagegen nur um das 1,3- beziehungsweise 1,2-fache, haben die New Yorker Forscher ermittelt.

    90 Prozent der Fettleibigen mussten beatmet werden

    Auch Forscher aus Frankreich hatten schon im April die These bestätigt, dass Übergewicht zu einem schwereren Covid-19-Verlauf führt.

    "Die Notwendigkeit für eine Beatmung stieg graduell mit dem Body-Mass-Index an, bis sie bei Menschen mit einem BMI von mehr als 35 einen Anteil von 90 Prozent erreichte.", so der Studienleiter Arthur Simonnet.

    88 Prozent der Corona-Toten übergewichtig

    Im chinesischen Wuhan kamen Forscher bei einer pathologischen Untersuchung zu dem Ergebnis, dass 88 Prozent der Covid-19-Todesopfer in dem untersuchten Krankenhaus Übergewicht oder sogar Fettleibigkeit aufwiesen. Die Forscher hatten 112 an Covid-19 verstorbene Patienten untersucht. Als Untergrenze für Übergewicht hatten die Wissenschaftler allerdings, wie in Asien üblich, einen BMI von 25 angesetzt. Bei den Patienten in dem Krankenhaus, die die Viruserkrankung überlebt hatten, lag der Anteil der Übergewichtigen dagegen nur bei 18,9 Prozent.

    Fettgewebe begünstigt Infektionsrisiko

    Forscher vom Generalkrankenhaus Peking haben außerdem Belege dafür gefunden, dass Fettgewebe dem Coronavirus wohl besonders geeignete Andockstellen bietet. Das Fettgewebe sei laut der Forscher sogar anfälliger für Covid-19 als Lungengewebe. Entsprechend sind Menschen mit starkem Übergewicht, die mehr Fettgewebe besitzen, wohl anfälliger für SARS-CoV-2 und damit verbundene schwere Krankheitsverläufe.

    Der Zusammenhang zwischen Fettleibigkeit und einer erhöhten Anfälligkeit für Krankheiten ist allerdings nicht neu. Ein hoher Körperfettanteil schwächt die Immunreaktion des Körpers und erhöht das Risiko für Lungenentzündungen. Vor allem das eher bei Männern verbreitete Fettgewebe im Bauchraum setzt entzündungsfördernde Botenstoffe frei und kann die Atemtätigkeit der Lunge stören. Schweres Übergewicht führt dazu, dass das Zwerchfell nach oben gedrückt wird und die Lunge einengt, was zu Atembeschwerden führt. Auch muss ein übergewichtiger Mensch mehr Atemleistung verrichten, um den Körper mit Sauerstoff zu versorgen. Entsprechend bekommen fettleibige Patienten auch mehr Probleme durch eine Lungenentzündung.

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    Tags:
    Übergewicht, Coronavirus