06:44 29 November 2020
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    Im Rahmen einer neuen Studie untersucht das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) ab sofort bei rund 6.000 Kindern und Jugendlichen die Häufigkeit und Schwere einer Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus. An der Studie beteiligen sich neben dem Kinder-UKE auch alle anderen Hamburger Kinderkliniken.

    Die Ergebnisse der Studie sollen sowohl eine gezieltere medizinische Versorgung von an COVID-19 erkrankten Kindern ermöglichen als auch eine Entscheidungshilfe für präventive Maßnahmen bieten. In die Studie sollen Daten von gesunden und chronisch kranken Kindern und Jugendlichen mit und ohne Symptome einer COVID-19-Infektion einbezogen werden, die stationär oder ambulant versorgt werden.

    Wissenschaftler aus verschiedenen Fachbereichen

    „Eine große Anzahl an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus verschiedenen Fachbereichen des UKE forscht seit Beginn der Pandemie zum neuartigen Corona-Virus. Wie die Epidemiologie und klinische Ausprägung von COVID-19 bei Kindern aussieht und wie hoch der Anteil von mit dem SARS-CoV-2-Erreger infizierten Kindern in Deutschland ist, mit diesen Fragen wird sich jetzt die Studie unter der Leitung von Frau Prof. Muntau beschäftigen.“, erklärt Prof. Dr. Blanche Schwappach-Pignataro, Dekanin der Medizinischen Fakultät und Vorstandsmitglied des UKE.

    „Im Rahmen der Studie wollen wir untersuchen, wie häufig sich Kinder und Jugendliche infizieren und wie anfällig sie für eine COVID-19-Infektion beziehungsweise für einen schweren Verlauf der Infektion sind. Zugleich wollen wir erforschen, wie groß das Risiko einer Verbreitung des neuartigen Corona-Virus durch asymptomatische Kinder ist und ob chronisch kranke Kinder ein größeres Risiko für einen schweren Verlauf einer COVID-19-Infektion haben als gesunde Kinder“, sagt Prof. Dr. Ania C. Muntau, Direktorin der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin des UKE.

    Bisher wenige Kinder getestet

    Auf der Pressekonferenz am Donnerstag räumte Muntau zwar ein, dass es bisher in ganz Hamburg nicht einen schweren Fall von Erkrankungen eines Kindes an Covid-19 gab. In anderen Ländern gäbe es solche Fälle aber durchaus, so Muntau. Darum sei es umso wichtiger, jetzt so eine Studie durchzuführen. Es gäbe bisher keine Evidenz, dass Kinder sich weniger oft mit dem Coronavirus anstecken. Das sei eine „absolut offene Frage“. Das Problem sei, dass bisher nur sehr wenige Kinder getestet wurde, da sie oft keine Symptome haben, so die Professorin.

    6000 Kinder in sechs Wochen

    In einer ersten Phase der Studie sollen zunächst über einen Zeitraum von sechs Wochen Daten zur Häufigkeit von COVID-19-Infektionen bei Kindern und Jugendlichen erhoben werden. Dabei sollen die Daten von nicht vorerkrankten Kindern und Jugendlichen mit Daten von pädiatrischen Risikogruppen, also von chronisch kranken Kindern verglichen werden. 

    Positiv getestete Kinder werden in einer Follow-up-Phase über einen Zeitraum von sechs Monaten begleitet. Hierbei werden die Folgen der Interaktion des Virus mit dem kindlichen Immunsystem erforscht sowie Risikogruppen unter chronisch kranken Kindern identifiziert.

    Eine wichtige Frage der Studie, die auch besonders im Interesse der Öffentlichkeit stehe, sei die Frage der Ansteckung von Kindern, so Muntau. Dafür werde die gesamte Familie der positiv getesteten Kinder, also alle im Haushalt lebende Personen untersucht werden Es soll auch erforscht werden, ob Kinder eher Erwachsene anstecken oder umgekehrt, so Muntau.

    Warum werden Kinder nicht an Kitas getestet?

    Gefragt, warum die Mediziner denn nur Kinder in Krankenhäusern und nicht an Kitas untersuchen, um daraus konkrete Aussagen für eine mögliche Öffnung von Kitas zu treffen, übte die Professorin vorsichtige Kritik. Sie sei „Ärztin und keine Politikerin“.

    Aber „wir dürfen nicht unterschätzen, was die Kitaschließungen für Eltern und Kinder bedeuten.“ Muntau sprach von einem „signifikanten Kollateralschaden.“

    Muntau meinte weiter, dass eine Untersuchung an Kitas „ein extrem nützliches Instrument“ wäre und die beste Basis für Entscheidungen in Bezug auf den Kitabetrieb. Sie selbst hätte auch konkrete Ideen, wie man solch eine Untersuchung durchführen könnte, aber dies sei nicht ihr Auftrag, so die Medizinerin. Im Moment sei ihr gesamtes Team “seit sechs Wochen, sieben Tage die Woche, zwölf Stunden am Tag“ beschäftigt. Dies dürfte durch die neue Studie eher noch mehr werden. 

    Studie läuft bereits seit Ende April

    Bereits Ende April war ein Teil der Studie unter der Leitung von Prof. Muntau gestartet, um mögliche COVID-Erkrankungen und eine Immunisierung bei Kindern und Jugendlichen zu erforschen. Dabei werden 600 bis 1.000 Kinder und Enkel der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Hamburg City Health Study (HCHS) auf eine akute oder stattgehabte Infektion mit SARS-CoV-2 getestet. Für diese sogenannte HCH.Child-Studie werden mittels Rachenabstrich und einem Antikörpertest Kinder im Alter von 0 bis zu 18 Jahren untersucht.  In etwa vier Wochen ist mit der Präsentation von ersten Zwischenergebnissen der Studie zu rechnen.

    Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)

    Das 1889 gegründete Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) ist eine der modernsten Kliniken Europas und mit mehr als 11.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einer der größten Arbeitgeber in Hamburg. Gemeinsam mit seinem universitären Herz- und Gefäßzentrum und der Martini-Klinik verfügt das UKE über mehr als 1.730 Betten und behandelt pro Jahr rund 507.000 Patientinnen und Patienten. Zu den Forschungsschwerpunkten des UKE gehören die Neurowissenschaften, die HerzKreislauf-Forschung, die Versorgungsforschung, die Onkologie sowie Infektionen und Entzündungen. Über die Medizinische Fakultät bildet das UKE rund 3.300 Mediziner und Zahnmediziner aus.

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