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    Russische Atomforscher sollen Vorschläge zur Herstellung eines von ihnen entwickelten originellen Radiopharmazeutikums vorbereiten, das zur Behandlung von schweren Krebserkrankungen, darunter Gehirnkrebs, eingesetzt werden könnte, wie es auf der Webseite der russischen Atomholding Rosatom heißt.

    Experten des „Leipunski-Instituts für Physik und Energie“ (Obninsk, Gebiet Kaluga) sollen im Auftrag des Wissenschaftsunternehmens der Staatskorporation Rosatom „Nauka i Innovazii“ eine technische Aufgabe zur Entwicklung einer Technologie für das Medikament der so genannten Radioimmuntherapie mehrerer onkologischer Erkrankungen vorbereiten.

    Es handelt sich um spezielle Formen von Krebserkrankungen in Hirn (Gliomen), Brust, Lunge (Small Cell Lung Cancer), auf der Haut (Melanome) oder auch Neuroblastome. Laut Statistiken wird die Hälfte dieser Krebsarten erst in späteren Phasen festgestellt, wenn die konservative Behandlungen kaum Wirksamkeit zeigen. In diesem Fall könnte sich die Radioimmuntherapie als am effektivsten erweisen.

    Sollte bei der üblichen Radionuklid-Therapie der therapeutische Effekt durch ionisierende Strahlung beim Zerfall der jeweiligen radioaktiven Isotope, die die Tumorzellen zerstört, erreicht werden, bekämpft bei der Radioimmuntherapie neben der ionisierenden Strahlung auch das Molekül, Träger des Radioisotops selbst, den Tumor. Radiopharmazeutika für eine Frühdiagnostik und Radioimmuntherapie der genannten Krebsformen gibt es bislang nicht. Die Besonderheit dieser Tumorarten besteht darin, dass auf der Oberfläche ihrer Zellen eine große Menge von besonderen Molekülen anwesend ist – so genannte GD2-Gangliosiden (GD-2-Antigene). Zuvor wurde von anderen Wissenschaftlern die Fähigkeit von GD2-Gangliosiden nachgewiesen, den „Selbstmord“ der Tumorzellen unter Einfluss von Antikörpermolekülen, die von Zellen des Immunsystems „produziert“ werden, zu starten.

    Im Falle der von Wissenschaftlern vorgeschlagenen Medikamente soll der Wirkungseffekt durch die Synergie der Anti-Tumor-Wirkung der Antikörper und der zielgerichteten Wirkung der ionisierenden Strahlung der Radionuklide, die an den Antikörpern angedockt sind, verstärkt werden.

    Laut Zielvorgabe des Projekts sollen originelle Radiopharmazeutika aus Russland entwickelt werden – mit Radioisotop Gallium-68 für Radioimmun-Diagnostik,mit den Isotopen Actinium-225 (Ac-225) und Wismut-213 (Bi-213) für Radioimmuntherapien auf Grundlage von Antikörpern, die auf GD2-Moleküle wie Kugeln auf eine Zielscheibe abgefeuert werden.

    Wie es in der technischen Aufgabe für dieses Vorhaben heißt, ist im Institut für Physik und Energie eine Technologie zum Erhalt der Isotope Ac-225 und Bi-213 entwickelt worden. Im Medizinischen Radiologischen Wissenschaftszentrum in Obninsk, mit dem das Institut eng zusammenarbeitet, wird mit Antikörpern, die gegenüber GD2-Antigenen spezifisch sind, gearbeitet.

    Laut Ergebnissen des Projekts soll unter anderem eine Technologie zum Erhalt einer aktiven pharmazeutischen Substanz von Actinium-225 entwickelt werden, die für die Synthese eines Medikaments erforderlich ist; außerdem eine Konstruktion des Erzeugers zum Erhalt von Wismut-213 und Actinium-225; Versuchsmodelle der Medikamente mit Ac-225 und Bi-213 sollen geprüft werden.

    Zudem sollen im Zuge des Projekts vorläufige Forschungen zur therapeutischen Effizienz der Medikamente bei Labortieren durchgeführt werden. Dabei sollen ein optimales Muster des Medikaments sowie ein Tumoren-Stamm ausgewählt werden, auf dessen Behandlung die weiteren Forschungen ausgerichtet sein werden. Das Medikament soll im Gesundheitsministerium registriert werden, damit es anschließend von einem Unternehmen der Holding Rosatom hergestellt werden kann.

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    Tags:
    Therapie, Behandlung, Russland, Rosatom, Krebs