03:09 29 November 2020
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    Britische Biologen haben festgestellt, dass Schimpansen bei der Kommunikation miteinander bestimmte Bewegungen mit ihren Lippen ausführen, deren Rhythmus überraschenderweise mit dem Rhythmus der menschlichen Sprache übereinstimmt. Eine neue Studie mutmaßt, dass dies die Antwort auf die Frage sei, wie die menschliche Sprache entstanden ist.

    Die Ergebnisse der Studie wurden im Fachmagazin „Biology Letters“ veröffentlicht.

    Biologen suchen lange und erfolglos nach den Ansätzen der Sprache bei Primaten, aber alle früheren Studien haben sich auf die Untersuchung der Geräusche von Anthropoiden konzentriert. Die Autoren dieser Arbeit vermuteten, dass die menschliche Sprache nicht so sehr im Verlauf der Klangentwicklung entstand, sondern auf den Bewegungen der Lippen beruhte.

    Sprachrhythmus

    Es ist bekannt, dass Menschen auf der ganzen Welt, unabhängig davon, welche Sprache sie sprechen, während eines Gesprächs zwei- bis siebenmal pro Sekunde den Mund öffnen, wobei jeder Zyklus einer Silbe entspricht. Bei Gesten und Gesichtsmimik von Orang-Utans, Makaken und Schimpansen wird ebenfalls ein bestimmter Rhythmus beobachtet.

    Beim Vergleich von Videos von vier Schimpansen-Populationen Pan troglodytes - zwei wilden in Uganda und zwei in Zoos Großbritanniens und Deutschlands - stellten die Forscher fest, dass sich die Lippen dieser Primaten mit einem durchschnittlichen „Sprachrhythmus“ von vier „Silben“ pro Sekunde bewegen.

    Lippenbewegungs-Geschwindigkeit

    Interessanterweise unterschied sich der Rhythmus bei verschiedenen Tieren manchmal um das Zweifache. Es gab jedoch keine signifikanten Unterschiede in der durchschnittlichen Lippenbewegungs-Geschwindigkeit zwischen den in Gefangenschaft gehaltenen Populationen und den Wildaffen.

    Die Autoren vermuten, dass das „Schmatzen“ der Lippen bei Schimpansen die Rolle der Sprache spiele und dazu diene, Aufmerksamkeit zu erregen und ihre Emotionen und Informationen zu vermitteln. In Kombination mit den besonderen Geräuschen, die die Tiere machen, wenn sie sich umeinander kümmern, sind diese rhythmischen Bewegungen ein wichtiges Element der Kommunikation und der sozialen Interaktion zwischen Individuen.

    „Unsere Ergebnisse bestätigen die Hypothese, dass uralte rhythmische Signale von Primaten zur Aufmerksamkeits-Erregung dienten“, werden die Worte des Leiters der Studie, Adriano Lameira von der School of Psychology and Neuroscience an der University of St. Andrews in Großbritannien, in einer Pressemitteilung angeführt.

    „Dies bleibt jedoch eine Vermutung, bis detailliertere Daten zu anderen Primaten erhalten werden“, so Lameira.

    Wissenschaftler beabsichtigen, solche Studien in nächster Zukunft in Kombination mit Beobachtungen der sozialen Interaktion in Populationen durchzuführen.

    Evolutionäre Kontinuität

    Die Autoren verstehen, dass die evolutionäre Kontinuität des Auftretens der Sprache beim Menschen von Primaten noch nicht bewiesen worden sei, aber sie glauben, dass die Ergebnisse ihrer Forschung in dieser Angelegenheit helfen würden. Jetzt können Wissenschaftler die Entwicklung dieser wichtigsten Komponente der menschlichen Kommunikation nicht nur anhand von Stimm-, sondern auch anhand von Gestenelementen verfolgen.

    ek/mt/sna

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    Tags:
    Menschen, Forscher, Schimpanse, Sprache