17:56 23 November 2020
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    Corona-Pandemie breitet sich weiter aus – alle Entwicklungen (536)
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    Coronaviren sollen vorwiegend über Aerosole in der Atemluft sowie per Tröpfcheninfektion übertragen werden. Die Möglichkeit der Ansteckungsgefahr über verseuchte Flächen wird hingegen stiefmütterlich behandelt. Bonner Forscher haben nun in Quarantäne-Wohnungen infizierter Personen Infektionsherde ausgemacht, die eine Neubewertung erfordern könnten.

    Ob Türklinke, Ohrensessel, Duschabfluss oder Toilettenschüssel – lauern in den heimischen vier Wänden vermehrt Coronaviren?

    Ein Forscherteam um die Wissenschaftler Hendrik Streeck und Ricarda Maria Schmithausen hat im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen Proben aus 21 Haushalten genommen, die unter Quarantäne standen. Die Isolation wurde notwendig, weil mindestens ein Bewohner mit dem Coronavirus infiziert war.

    Die Forschergruppe vom Hygieneinstitut und dem Institut für Virologie der Universität Bonn untersuchte per PCR-Test Proben der Raumluft, das Abwasser in den Siphons der Waschbecken- und Duschabflüsse sowie das der Toiletten. Zudem analysierten sie die Proben verschiedener Oberflächen, über die eine Verbreitung möglich erschien, etwa Elektrogeräte, Türklinken und Griffe, Mobiliar und Kleidung auf Spuren des Erbguts des Coronavirus.

    ​Duschen, Waschbecken, Toilettenschüsseln als Infektionsquellen

    Die im Rahmen der Studie untersuchten Oberflächen in der häuslichen Umgebung wiesen selbst mit nur etwa drei Prozent der Fälle keine hohe Kontaminationsrate auf.

    Doch der Nachweis von Viren-Erbgut im Abwasser von Waschbecken und Duschen zeigte mit rund 20 Prozent eine signifikant höhere Verseuchung mit SARS-CoV-2. Im Abwasser von Toiletten war in etwa zehn Prozent der Proben Virus-Erbgut nachweisbar.

    Die Forscher sind der Ansicht, dass es sich dabei um Infektionsquellen handele, die bislang noch nicht hinreichend berücksichtigt worden seien.

    Ansteckung über Abwasser

    Da die Virus-Konzentration in Rachen und an Händen besonders hoch sein könne, sei es wenig überraschend, dass das Virus-Erbgut auch vergleichsweise oft im Abwasser von Waschbecken nachgewiesen werden konnte. Der Erreger würde dort schließlich nach dem Zähneputzen oder dem Händewaschen hingelangen.

    Virus-DNA wurde schon in der Vergangenheit in Fäkalien wie menschlichem Stuhl und Urin nachgewiesen. Und so überrasche nicht, dass das virale Erbgut auch in Proben des Abwassers von Toiletten nachweisbar war. Mit derartigen Abwasser-Proben ließe sich übrigens abschätzen, wo das Coronavirus gerade grassiert. 

    Hände mit Seife und Klodeckel runter beim Spülen

    Das Risiko, sich am heimischen Herd an Fernbedienung oder Türknauf mit Sars-CoV-2 zu infizieren, mag gering erscheinen.

    Doch die Ansteckungsgefahr über Abwasser scheint nach der neuen Studie durchaus hoch. Insbesondere, weil die „Aerosolisierung“ per Sprühnebel viral beladener Tröpfchen aus diesen Abwasserbehältnissen möglich sei, so die Wissenschaftler.

    Daher empfehlen die Forscher, die ohnehin bereits gängigen Hygienemaßnahmen zu beachten: Gründliches Händewaschen nach Kontakt mit Abwasser jeglichen häuslichen Ursprungs sowie den Deckel der Toilette beim Spülen schließen. Ein befreiendes Durchatmen in den heimischen vier Wänden hingegen scheint laut der Studie immerhin noch relativ gefahrlos möglich zu sein: Alle Raumluft-Proben zeigten ein negatives Ergebnis.

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    Tags:
    Studie, Haushalt, Regeln, Hygiene, Coronavirus