04:31 02 Dezember 2020
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    Sie hat selbst die WHO durcheinandergebracht. Nun steht die große Studie zu hoher Sterblichkeit durch Chloroquin und Hydroxychloroquin selbst wegen fragwürdiger Methodik in der Kritik. Aus einem offenen Brief von hunderten Wissenschaftlern hat die medizinische Fachzeitschrift „The Lancet“ nun ihren Schluss gezogen und eine Prüfung veranlasst.

    Am 22. Mai schien der Todesstoß für die Antimalaria-Mittel Chloroquin und Hydroxychloroquin gekommen zu sein. Er kam in Form einer Studie, die in der medizinischen Fachzeitschrift „The Lancet“ erschienen war und bei der Daten von etwa 96.000 Covid-19-Kranken untersucht wurden. Verglichen wurden darin zwei Gruppen: Patienten, die mit Chloroquin oder Hydroxychloroquin allein und in Kombination mit bestimmten Antibiotika behandelt wurden sowie Patienten, die diese Behandlung nicht erhielten als Kontrollgruppe.

    Mehr Tote durch Chloroquin und Hydroxychloroquin?

    Das Ergebnis war vernichtend: Nicht nur war am Vergleich kein Nutzen der Mittel abzulesen, die Sterblichkeit der behandelten Gruppe war sogar gegenüber der  nicht-behandelten erhöht. Ursache waren hauptsächlich Herzarhythmien. Diese Warnung entging auch der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nicht, die als Reaktion auf diese Studie und andere vorhergegangene negative Meldungen weltweite Studien mit den Mitteln stoppte, um die Datenlage zu prüfen.

    Doch nach kurzer Zeit wendete sich das Blatt erneut, denn hunderte Forscher kritisierten in einem offenen Brief die Methodik der Lancet-Studie selbst. Sowohl die Zuordnung von Patienten zu Gruppen, die Datenquellen selbst als auch das Vorgehen bei der Auswertung seien intransparent, der Code, mit dem die Berechnungen erfolgt waren, sei für die Wissenschaftsgemeinde nicht einsehbar und auf Anfragen gäben die Studienautoren keine Auskunft – das sind ein paar der insgesamt zehn Vorwürfe aus dem Brief.

    Deswegen forderten die Unterzeichner des Briefes, dass die Fachzeitschrift „The Lancet“, die nur gegengeprüfte Studien veröffentlicht, die „Peer Reviews“ publiziert, die zur Veröffentlichung der Studie geführt hatten.

    Lancet prüft, WHO setzt Arbeit fort

    Die Studie ist zwar noch nicht zurückgezogen und die Peer Reviews sind nicht publiziert, aber sie wird gegenwärtig gründlich zweitgeprüft, zudem hat „The Lancet“ auf seiner Seite vor dem Artikel einen Warnihinweis angebracht, in dem „wichtige wissenschaftliche Fragen“ betont werden, die zu diesem Artikel gestellt worden sind und dass dieser gegenwärtig geprüft wird. Die WHO dagegen hat die Datenlage bereits geprüft und am Mittwoch mitgeteilt: „Auf Grundlage der vorhandenen Mortalitätsdaten haben die Mitglieder des WHO-Kommittees nahegelegt, dass es keine Gründe gibt, die Studienprotokolle abzuändern.“ Die Tests der WHO laufen also nach einem kurzen Stocken wieder weiter.

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    Tags:
    Coronavirus, WHO, Hydroxychloroquin, Chloroquin