22:05 06 Juli 2020
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    Neue Normalität in der Corona-Pandemie: Lockerungen weltweit (50)
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    Die führende Corona-Expertin bei der WHO meint, dass mit dem Coronavirus Infizierte ohne Symptome nur selten andere Menschen anstecken. Darauf deuten Studien hin. Sollte sich dies bewahrheiten, wären die ergriffenen Lockdown-Maßnahmen in vielen Ländern möglicherweise zu drastisch gewesen.

    Maria van Kerkhove, Epidemiologin für Infektionskrankheiten bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO), sagte am Montag auf einer virtuellen Pressekonferenz aus der WHO-Zentrale in Genf: „Es scheint immer noch selten zu sein, dass eine asymptomatische Person das Virus tatsächlich weiterleitet.

    ​Das heißt, dass Menschen, die zwar mit dem neuartigen Coronavirus infiziert sind, aber keine Symptome wie Fieber, Husten oder Atemnot zeigen, nur selten andere Menschen anstecken.

    „Wir haben eine Reihe von Studien aus Ländern, die sehr detaillierte Kontaktnachverfolgungen durchgeführt haben“, sagte van Kerkhove. „Sie haben dabei nur asymptomatische Fälle untersucht und deren Kontakte ermittelt. Und dabei haben sie keine weiteren Ansteckungen festgestellt. Dazu kommt es nur sehr selten.“

    Lockdown übertrieben?

    Sollte sich diese Aussage bewahrheiten, wäre der pauschale Lockdown mit Kontaktbeschränkungen für alle Menschen möglicherweise übertrieben gewesen. Stattdessen hätte es vielleicht ausgereicht, Infizierte mit Symptomen zu isolieren und deren Kontaktpersonen zu identifizieren und ebenfalls zu isolieren.

    Harte Maßnahmen wie Ausgangssperren wurden in vielen Ländern der Welt in erster Linie ergriffen aufgrund der Annahme, dass viele Infizierte nichts wüssten von ihrer Krankheit, da sie keine oder noch keine Symptome zeigen. Darum sei die Kontaktbeschränkung vorbeugend auf alle Menschen anzuwenden.

    Auf Infizierte mit Symptomen konzentrieren

    Die 43-Jährige US-Amerikanerin van Kerkhove empfiehlt nun den Regierungen, sich vor allem auf das Finden und Isolieren von Infizierten mit Symptomen zu konzentrieren und deren Kontaktpersonen festzustellen.

    „Worauf wir uns wirklich konzentrieren sollten, ist das Verfolgen der Fälle mit Symptomen,“, sagte van Kerkhove. „Wenn wir tatsächlich alle symptomatischen Fälle verfolgen, sie isolieren und ihre Kontakte ermitteln und diese ebenfalls unter Quarantäne stellen, würden wir den Ausbruch drastisch verringern.“

    Ausgewiesene Virenexpertin

    Van Kerkhove beschäftigt sich seit vielen Jahren unter anderem an der London „School of Hygiene & Tropical Medicine“ mit Viren als Forschungsschwerpunkt. Seit 2017 arbeitet van Kerkhove hauptamtlich für die WHO. Sie ist unter anderem Leiterin einer „Task-Force“ zur Erforschung des sogenannten MERS-Coronavirus, das sich 2012 in Asien und im Nahen Osten ausbreitete. Van Kerkhove gilt als ausgewiesene Expertin für neu auftretende Viren; deren Übertragung von Tieren auf den Menschen und deren schnelle Ausbreitungswege sind enorm. Seit Januar äußert sie sich regelmäßig auf Pressekonferenzen der WHO zur Entwicklung der Corona-Pandemie.

    Expertin rudert nach Kritik zurück

    Nach Kritik von anderen Epidemiologen ruderte van Kerkhove am Dienstag allerdings zurück und relativierte ihre Worte vom Vortag: „Ich habe die Formulierung ‚sehr selten‘ benutzt und ich denke, darin liegt das Missverständnis begründet, dass asymptomatische Übertragungen weltweit sehr selten seien. Ich bezog mich auf eine kleine Anzahl von Studien.“

    Die Forscherin räumte ein, dass die Datenlage bisher nicht evident genug sei. „Wir überprüfen die Daten ständig und versuchen, mehr Informationen aus den Ländern zu erhalten, um diese Frage wirklich zu beantworten“, sagte van Kerkhove.

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    Ansteckung, Coronavirus