01:16 30 Oktober 2020
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    Ein Forscherteam des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel hat einen Fund aus der Tiefsee untersucht und anschließend festgestellt, dass sich Plastikmüll nach rund 20 Jahren im Wasser kaum verändert. Bei der Datierung kam den Wissenschaftlern ein Zufall zu Hilfe.

    Forscher haben in der Tiefsee eine rund 20 Jahre alte Quarkpackung und eine ähnlich alte Mülltüte gefunden – beide waren trotz der Jahrzehnte im Wasser noch wie neu. Es habe sich gezeigt, „dass weder die Tüte noch die Quarkpackung Zeichen von Fragmentierung oder sogar Abbau in ihre Bestandteile aufwiesen“, sagt der Biochemiker Stefan Krause vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. Der Fund, über den ein Team um Krause im Fachjournal „Scientific Reports“ berichtet, biete erstmals einen fundierten Anhaltspunkt über das Schicksal von Plastik auf dem Tiefseeboden.

    ​Zufall und Detektivarbeit

    Bislang gibt es zum Abbau von Plastikmüll auf dem Meeresgrund in mehr als 4000 Metern Tiefe kaum Langzeitdaten, weil gefundene Kunststoffe selten konkret datiert werden können. Im Fall des Quarkbechers und der Mülltüte kam den Forschern ein Zufall zu Hilfe, der Rest war Detektivarbeit: In der Mülltüte steckte eine Cola-Dose – eine Sonderedition zum Davis-Cup 1988. Und die Quarkpackung eines deutschen Herstellers zeigte eine fünfstellige Postleitzahl, die es erst seit 1990 gibt. Zudem war der Hersteller 1999 aufgekauft worden, womit der Markenname verschwand.

    Den Müll hatten wahrscheinlich deutsche Forscher zwischen 1989 und 1996 hinterlassen, als sie in dem Gebiet etwa 800 Kilometer vor der Küste Perus zu den Auswirkungen eines potenziellen Abbaus von Manganknollen forschten. Bei einem erneuten Besuch des Areals fanden die Wissenschaftler 2015 den Plastikmüll. Ein Tiefseeroboter fischte die Teile im Ostpazifik schließlich aus dem Meer.

    Ökosystem durch künstliche Lebensräume gefährdet

    Bei der Analyse der Kunststoffe fiel den Wissenschaftlern auch auf, dass auf den Verpackungen eine andere Mikrobengemeinschaft siedelte als am Meeresboden der Umgebung. „Die Mikroben kommen alle im Tiefseeboden vor. Aber offenbar könnten größere Ansammlungen von Kunststoff lokal für eine Verschiebung im Verhältnis der vorherrschenden Arten sorgen“, sagt Krause. Damit könne Plastikmüll auf dem Meeresboden künstliche Lebensräume schaffen und so die Funktionsfähigkeit des Ökosystems gefährden.

    pd/sb/dpa

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    Tags:
    Verschmutzung, Umweltschutz, Umwelt, Mikroplastik, Plastiktüten, Plastik