22:57 12 Juli 2020
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    Wer hat im März all das Toilettenpapier aufgekauft? Und was hat diese Menschen angetrieben? Mit dieser Frage haben sich drei Anthropologen beschäftigt und nun den Typus des „Klopapiersünders“ in einer Studie vorgestellt. Sputnik hat mit Theo Toppe, einem der Forscher, gesprochen.

    Auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie lagen die Nerven blank und dann fehlte plötzlich auch noch das Toilettenpapier in den Regalen. Trotz öffentlicher Bitten, von Hamsterkäufen abzusehen, und der Versicherung, dass es keine Versorgungsengpässe geben werde, hatte mancher Zeitgenosse das bleiche Gold massiv aufgekauft. Die Produktion dieses gefragten Artikels wurde in kürzester Zeit um 50 Prozent angehoben, dennoch dauerte es eine Weile, bis wieder Ordnung in den Supermarktregalen eingekehrt ist.

    Aber wer waren sie, die "Klopapiersünder", die die Zelluloseartikel horteten? Mit dieser Frage haben sich mehrere Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie beschäftigt. Sputnik hat mit Theo Toppe, einem der Forscher, gesprochen.

    Bedrohung und Gewissenhaftigkeit

    „Unsere Daten zeigen, dass Menschen, die sich mehr vom Coronavirus bedroht gefühlt haben, mehr Klopapier gehortet haben“, sagt Toppe im Sputnik-Interview. „Menschen, die sich als emotionaler und sensibler beschrieben haben, die haben auch mehr Bedrohung empfunden und folglich mehr Klopapier gehortet.“

    Unter diesen Menschen gebe es wiederum ein Altersgefälle, da ältere Menschen tendenziell die Bedrohungslage schärfer erleben würden. Zudem sei auch die Hortbereitschaft in den USA und in Kanada etwas höher als in europäischen Ländern, darunter auch Deutschland.

    „Die Tendenz, Klopapier zu horten, haben wir über alle Länder hinweg gefunden. Es scheint kein deutsches Phänomen zu sein, sondern in verschiedenen Ländern in Europa und Nordamerika aufzutreten“, so Toppe.

    Neben dem Bedrohungsempfinden gebe es noch ein weiteres Muster, namentlich „Menschen, die sich als besonders gewissenhaft und besonders organisiert beschreiben“ und auch zum Horten von Klopapier neigen.

    Daten per Online-Umfrage

    Die Studiendaten wurden durch eine Online-Umfrage erhoben, die noch im März auf diversen Kanälen verbreitet worden war. Mit Erfolg: „Innerhalb von einer Woche haben wir über ein Tausend freiwillige Teilnehmer gefunden“, so der Forscher.

    Diese sollen durchschnittlich um die 30 Jahre alt gewesen sein, aber es waren auch 18-Jährige sowie über 80-Jährige dabei. Vertreten waren Teilnehmer aus Deutschland und den USA, aber auch aus Kanada und anderen europäischen Ländern. Insgesamt kamen die Forscher auf 22 Länder.

    „Im Fragebogen haben wir gefragt: Wie viel Klopapier die Versuchspersonen in den letzten zwei Wochen gekauft haben, wie viele Rollen aktuell im Haushalt sind und ob das mehr als gewöhnlich ist“, so Toppe. Neben diesen Fragen habe man einen typischen Fragebogen zur Persönlichkeitsbestimmung beigefügt. Zudem wurden Alter, Anzahl der Personen im Haushalt, das Land abgefragt und ob im jeweiligen Land zu dem Zeitpunkt Quarantänebeschränkungen bestanden. 

    Weitere Studien in diese Richtung sind nicht in Planung. „Aber aus meiner Sicht wäre es sehr interessant zu erforschen, wie das Verhalten im Zusammenhag mit der politischen Kommunikation steht“, sagt der Forscher. Denn hieraus ließe sich auch ableiten, welche Kommunikationsstrategien die Bedrohung im Bewusstsein der Menschen verringern würden. „Das hätte sehr viel Anwendungspotential, weil man daraus etwas für Kommikationsstrategien in Krisensituationen ableiten könnte“, findet Toppe.

    Das Interview mit Theo Toppe zum Nachhören:

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    Tags:
    Panik, Pandemie, Coronavirus, Hamsterkauf