03:48 14 Juli 2020
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    Französische und australische Geologen haben die Zusammensetzung von Gesteinen der Inseln des Kerguelen-Archipels im Indischen Ozean in der Nähe der Antarktis untersucht und festgestellt, dass sich dort ein „Embryo eines Kontinents“ entwickelt. Die Ergebnisse ihrer Studie wurden in der Fachzeitschrift „Terra Nova“ veröffentlicht.

    Derzeit wird angenommen, dass die kontinentale Kruste an den Grenzen von Kontinenten und Ozeanen in den sogenannten Subduktionszonen wächst, in denen ozeanische lithosphärische Platten unter dem Kontinent in den Mantel abtauchen. Wenn sie umgeschmolzen und mit dem Grundmaterial der Kontinentalplatten gemischt werden, entsteht das Granitmagma, das beim Aufsteigen die obere „Granit“-Schicht der Kontinente bildet.

    Aus geologischer Sicht unterscheidet gerade diese äußere Schicht die Kontinente von Ozeanen: Eine relativ dünne ozeanische Kruste besteht hauptsächlich aus Basalten, die beim Schmelzen des Mantelmaterials entstehen, während die kontinentale Kruste dicker ist und einen Granitgehalt aufweist.

    Die Ergebnisse der Erforschung belegen, dass sich das Granitmagma und damit die Kontinentalkruste nicht nur in den Subduktionszonen, sondern auch direkt im Zentrum der Ozeane bilden können. Die Studienautoren nehmen an, dass sich auf diese Weise neue Kontinente entwickeln würden.

    Die Inseln des Archipels sind in der Tat die Gipfel von Vulkanen, die über dem Wasser aufragen und die ozeanische Kruste des Kerguelen-Plateaus durchbrechen. Die aus diesen Vulkanen ausgeflossenen Basaltströme bildeten eben die  Inseln. Neben den für die Ozeane traditionellen Basalten gibt es jedoch ein Eindringen (magmatische Einführung) von Gesteinen der Granitfamilie, das einen Säuregehalt aufweist, also die Syenite, die nur in den Kontinenten zu finden sind. Aufgrund dieser Einführung ist die Kruste in der Region Kerguelen wie auf den Kontinenten ungewöhnlich dick.

    Nachdem die Autoren die Geometrie und die innere Struktur des Syenit-Eindringens des südlichen Intrusionskomplexes Rallier du Baty  auf der zentralen Insel des Archipels untersucht hatten, kamen sie zu dem Schluss, dass dieses Eindringen auch auf die gleiche Weise wie in den Kontinenten erfolgte: In mehreren Schichten, von denen jede die umgebenden Gesteine allmählich anhob. Die Datierung der Schichten habe gezeigt, so die Forscher, dass die gesamte Entwicklungszeit des Eindringens von Syeniten ungefähr 3,7 Millionen Jahre betragen habe, was bedeute, dass es vor 11,6 bis 7,9 Millionen Jahren geschehen sei.

    Die Autoren formulierten eine Hypothese, dass das Syenitmassiv der Insel Kerguelen tatsächlich der „Embryo eines Kontinents“ sei, der in Millionen von Jahren zu einem vollwertigen Kontinent werden würde. In ihrer Studie betonten sie, dass es für eine endgültige Schlussfolgerung notwendig sei, die chemische Zusammensetzung von Syeniten im Detail zu untersuchen, um den Ursprung deren Magmas verstehen und die Geschichte ihrer Entwicklung nachverfolgen zu können.

    Das Massiv Rallier du Baty  ist das bisher einzige bekannte Beispiel für ein Eindringen mit einem Säuregehalt im Zentrum der ozeanischen Lithosphärenplatte.

    pd/mt/sna/

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    Tags:
    Erdkruste, Struktur, Embryos, Indischer Ozean