06:47 21 Oktober 2020
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    Neue Normalität in der Corona-Pandemie: Lockerungen weltweit (111)
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    Die TV-Ansprache von Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei der Bevölkerung angstlösend gewirkt und depressive Verstimmungen abgebaut. Zu diesem Ergebnis kommt ein multidisziplinäres Forschungsteam um Martin Teufel, Leiter der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie in Essen.

    Um die Wirkung von politischen Entscheidungen und Kommunikation auf Menschen zu untersuchen, hatten die Forscher eine Zahl von insgesamt 12.244 freiwilligen Teilnehmern zu bestimmten Zeitpunkten befragt. Dabei ging es um die Wahrnehmung der Bedrohung durch COVID-19, das Vertrauen in die Regierung und sogenanntes schädliches Sicherheitsverhalten wie Hamsterkäufe. Daneben wurde das generelle Niveau von Angst und Depression der Teilnehmer festgehalten.

    Gegen Depression: Merkel statt Medikamente?

    Wichtige Messstationen waren dabei die einzelnen politischen Schritte, die im Zuge der Pandemie eingeleitet wurden. So soll ab dem 10. März Angst und Depressivität zunächst stetig angestiegen sein, durch die Schließung öffentlicher Einrichtungen wurde der Prozess weiter beschleunigt. Mit den Grenzschließungen sollen die Werte ihren Höhepunkt erreicht haben.

    Und dann kam die Fernsehansprache der Bundeskanzlerin und das „Merkel-Phänomen“ – wie es in der Pressemitteilung des Universitätsklinikums Essen bezeichnet wird – setzte ein. „Bemerkenswert ist, dass nach der öffentlichen Ansprache der Bundeskanzlerin am 18. März die Angst- und Depressionswerte deutlich zurückgingen“, schildert Martin Teufel den Umschwung.

    Durch das Kontaktverbot vom 22. März gab es zwar einen erneuten Anstieg, der allerdings nicht die Werte vor der Rede Merkels erreicht haben soll. Teufel schließt daraus:

    „Die Ergebnisse unterstreichen die enorme Bedeutung politischer Führung für die psychische Gesundheit und das psychische Wohlbefinden. Eine transparente und nachvollziehbare Information kann dazu beitragen, dass die Ängste und Sorgen der Bürger in Krisenzeiten nicht zu groß werden.“ 

    Analog zum Angst- und Depressionsniveau entwickelten sich auch die wahrgenommene Bedrohung und das Vertrauen in die Regierung. Ab dem 10. März nahm das Bedrohungsempfinden zu und das Vertrauen in die Regierung ab. Ersteres nahm nach der TV-Ansprache ab, das Vertrauen begann mit der Schließung öffentlicher Einrichtungen zuzunehmen.

    Die Essener Studie ist in der Fachzeitschrift „Journal of Public Health“ erschienen.

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    Tags:
    Forschung, Psychologie, Angst, Angela Merkel, Coronavirus