05:47 26 November 2020
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    Während Satellitendaten einen Abfall von Stickoxiden und Kohlendioxid zeigen, nimmt freigesetztes Methangas ihnen zufolge stark zu – allem voran im Perm-Becken in Texas. Das liegt aus Sicht der Forscher an der fallenden Gas-Nachfrage in der Corona-Pandemie.

    Wenn schon nicht der Wirtschaft, so tut die Pandemie doch dem Klima und der Luftqualität gut. Zumindest sprechen hierfür fallende Kohlenstoffdioxid- und Stickstoffdioxid-Werte während des Lockdowns. In Deutschland soll ersteres um knapp ein Viertel gefallen sein und letzteres um knapp elf Prozent – in beiden Fällen überwiegend durch den deutlich geringeren Verkehr.

    Aber nicht alles ging zurück, was für den Klimawandel verantwortlich gemacht wird. So zeigen neue Daten, die auf Messungen des europäischen Sentinel-5P-Satelliten beruhen, einen Anstieg des Treibhausgases Methan, das etwa 30-mal so stark die Atmosphäre aufheizt wie Kohlenstoffdioxid.

    Bereits seit Anfang 2019 hatten europäische und kanadische Forscher auf der ganzen Welt Methan-Hotspots gesucht, die auf menschliche Aktivitäten zurückgehen. Hotspots bezeichnen Stellen, an denen die Konzentration eines Gases besonders hoch ist.

    „Im Jahr 2019 wurden bereits 100 Hotspots entdeckt“, berichtet Claus Zehner, ESA-Missionsmanager für Copernicus Sentinel-5P, im Sputnik-Interview. „Es wurde hier speziell nach Emissionen von der Öl- und Gas-Industrie gesucht – 50% der Hotspots sind darauf zurückzuführen.“ Im Jahr 2020 kamen dann weitere solche Stellen dazu, darunter eine über einem Kohlebergwerk in China.

    Doch was mit Blick auf die Pandemie interessanter ist: Die Daten von März und April 2019 sowie März und Aprik 2020 wurden gegeneinander gehalten – Normalität gegen Lockdown. Das Ergebnis: „Mit Sentinel-5P/ TROPOMI haben wir einen Anstieg von Methan-Emissionen beobachtet – aber nur über einem  Gebiet in Amerika, dem Perm-Becken“, so Zehner. Der Grund ist aus Sicht des Missionsmanagers die fallende Nachfrage nach Gas in der Krise. „Das hat dazu geführt, dass mehr Gas unkontrolliert abgefackelt und entlüftet wurde.“

    Methan-Emissionen im Perm-Becken in Texas März-April 2019 und 2020 im Vergleich
    © Foto : GHGSat
    Methan-Emissionen im Perm-Becken in Texas März-April 2019 und 2020 im Vergleich

    Die genaue Zunahme wird gegenwärtig noch bestimmt. Die Forscher wünschen sich außerdem eine noch höhere Auflösung, um das Gas zielsicher mit Industrieanlagen in Verbindung zu bringen und von etwaigen natürlichen Quellen, die in der Region bestehen könnten abzugrenzen. Aktuell kann von einer hohen Wahrscheinlichkeit gesprochen werden, dass der Anstieg auf die entsprechende Förder-Infrastruktur zurückzuführen sein müsste. „Mehr wissenschaftliche Studien sind hier notwendig“, betont Zehner.

    Die Daten kommen in der Regel nicht vom Satelliten allein: „Es finden auch Bodenmessungen und spezielle Flugzeugmessungen statt. Letztere wurden allerdings leider wegen Covid-19 ausgesetzt“, erläutert der ESA-Missionsmanager. Auf den Klima dürfte aus seiner Sicht dieser Anstieg allerdings keine großen Auswirkungen haben, denn diese sind nur kurzfristig.

    Der Copernicus-Satellit Sentinel-5P misst mit seinem Bord-Instrument Tropomi auch andere Schadstoffe, wie Beispiel Stickoxide, Kohlenstoffmonoxid, Schwefeldioxid und Aerosole – die mit Blick auf Luftqualität und Klima eine Rolle spielen.

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    Tags:
    Erdöl, Erdgas, Texas, China, USA, ESA, Treibhausgasemissionen, Treibhausgas, Pandemie, Coronavirus, Klimawandel, Klima, Methan