12:14 06 August 2020
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    Mitten in der Corona-Pandemie kommt plötzlich die Warnung vor einer möglichen Schweinegrippe-Pandemie aus China. Grund dafür: Eine Studie, die am Montag erschienen ist. Vielerorts schrillen schon die Alarmglocken. Aber Achtung: Die Studiendaten wurden jahrelang gesammelt und das Virus befällt schon lang den Menschen – ohne jegliche Pandemie.

    In den Jahren 2009 und 2010, zwischen der ersten SARS-Pandemie 2002-2003 und der gegenwärtigen SARS-CoV-2-Pandemie, breitete sich ein neuer Grippevirustyp weltweit aus und führte zur Ausrufung der sogenannten „Schweinegrippe-Pandemie“.

    Das verantwortliche Virus H1N1 sprang damals durch Zoonose vom Schwein auf den Menschen über und forderte laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 18.449 Tote. Im Vergleich zu den aktuell über 500.000 Toten durch das neuartige Corona-Virus wären das nicht einmal vier Prozent so viele Menschenleben. Allerdings lag beim Schweinegrippe-Virus das durchschnittliche Alter der Verstorbenen nicht bei über 80, sondern bewegte sich um die 50.

    „Pandemiefähig“: Kommt wieder eine Welle aus China?

    Mitten in der Corona-Pandemie erschien am Montag eine Studie in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Science“, die vor einem Verwandten von H1N1 mit der Bezeichnung G4 EA H1N1 warnt. Dieser komme in China bei Schweinen nicht nur gehäuft vor, sondern bei vielen Farmmitarbeitern konnten bereits Antikörper auf das Virus nachgewiesen werden, ebenso bei bis zu 4,4 Prozent von Bewohnern Regionen, in denen Schweinezucht in großem Stil betrieben wird. Im Klartext heißt es: Das Virus hat es bereits in menschliche Zellen geschafft. Deswegen warnten auch die Autoren davor, dass das Virus „pandemiefähig“ sein könne. Allerdings kann bislang nicht davon ausgegangen werden, dass das Virus auch von Mensch zu Mensch übertragen wird.

    „Nicht repräsentativ“: China will der Sache auf den Grund gehen

    Kommt es zu einer weiteren Grippe-Pandemie, bevor die Corona-Pandemie richtig überwunden ist? Nein, heißt die Antwort vom Mittwoch aus dem chinesischen Außenministerium. Der Sprecher des Außenministeriums, Zhao Lijian, teilte dazu mit:

    „Experten sind zu dem Schluss gekommen, dass die Stichprobe im Bericht über das G4-Virus nicht repräsentativ ist.“ Er fügte aber auch hinzu, dass wissenschaftliche Einrichtungen und Experten sich weiter mit der Erkrankung befassen, Warnungen herausgeben und zeitnah ihre Schlüsse ziehen würden.

    Kein Grund, jetzt besorgter vor „G4 H1N1“ zu sein als vor Jahren

    Repräsentativ hin, repräsentativ her: Das Überspringen eines Erregers von einem Tier auf den Menschen, die Zoonose, ist nichts Ungewöhnliches. Zoonosen sind weltweit betrachtet nicht selten und können sowohl von Wildtieren als auch von Nutztieren kommen, wobei im letzteren Fall die Wahrscheinlichkeit durch den engeren Kontakt höher ist. Sie beschränken sich geographisch nicht auf China.

    Das Virus ist auch nicht über Nacht in der Corona-Pandemie entstanden: Die Studie, um die es hier geht, ist zwar am Montag erschienen, aber eingereicht wurde sie am 9. Dezember 2019, zu einer Zeit, als noch keine Fälle von Covid-19 bekannt waren. Die Untersuchungen, die in der Studie vorgestellt werden, erstrecken sich über die Jahre 2011-2018. Es ist darum also faktisch falsch, von einem neuen Virus aus China zu reden, das auf das Corona-Virus folgt, denn es ist nicht „neuer“ als SARS-CoV-2. Es ist außerdem unverantwortlich, weitere Ängste in der Bevölkerung zu wecken, als stünde jetzt eine weitere Pandemie bevor – eben weil die entsprechenden Studien schon seit Jahren laufen und die Zoonose seit Jahren stattfindet. „Pandemiefähig“ ist eben nicht gleich Pandemie.

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    Tags:
    Coronavirus, China, china, Pandemie, Afrikanische Schweinepest, Schweine