18:15 25 Oktober 2020
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    Eine Studie an der Universität von Barcelona könnte die Geschichte der Corona-Pandemie umschreiben: Dort heißt es, Corona sei in der spanischen Metropole bereits im März 2019 aufgetreten. Die Forscher untersuchten Abwasserproben aus den Jahren 2018 und 2019, die Erkenntnisse würden eine globale Ausbreitung des Virus in nur drei Monaten widerlegen.

    Die offizielle Version lautete bisher folgendermaßen: Die ersten Fälle von Covid-19 habe es Anfang Dezember 2019 im chinesischen Wuhan gegeben, von dort aus verbreitete sich die Pandemie innerhalb von wenigen Wochen über den Globus. Der erste Corona-Fall in Europa wurde Ende Januar 2020 in Frankreich gemeldet. Eine spanische Studie dürfte diese Abfolge nun widerlegen.

    Versteckt im Abwasser...

    Forscher der Universität Barcelona haben in Zusammenarbeit mit dem französischen Umwelt-Unternehmen SUEZ mehrere Proben des Abwassers in der spanischen Metropole untersucht. Zur Verfügung standen dabei unterschiedliche Stichproben aus den Jahren 2018 und 2019. Die durch das Coronavirus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 hinterlässt genetisches Material in Fäkalien, die Analyse von Abwasser dient auch in anderen Ländern zur schnelleren Erkennung von möglichen Neuinfektionen in der Bevölkerung. Ältere Proben wurden vor der spanischen Studie bisher allerdings noch nicht untersucht.

    Eine erstaunliche Entdeckung

    Nachdem für die Studie mehrere eingefrorene Abwasserproben in Barcelona negativ getestet worden waren, lieferte eine Probe vom 12. März 2019 ein positives Ergebnis auf Gene, die Sars-CoV-2 zugeordnet werden. Die Forscher erklären in ihrer Vorabveröffentlichung:

    „Diese erstaunliche Entdeckung legt nahe, dass das Virus bereits in Barcelona zirkulierte, lange bevor es erste Berichte über Covid-19-Fälle weltweit gab.“

    Eine mögliche Erklärung sei, dass Barcelona ein Drehkreuz für Geschäftsreisende und Touristen ist, das Reisende aus vielen Teilen der Erde anzöge, heißt es in der Studie. So könnte es, ähnlich wie in Barcelona, auch an mehreren anderen Orten der Welt zu unbemerkten Covid-19-Fällen gekommen sein.

    Hält die Studie stand? 

    Bislang ist das Studienergebnis nur in einer Vorveröffentlichung, einer so genannten „Peer-Review“, erschienen. Das ist ein gängiges Mittel unter Forschern: Studienergebnisse werden vor der endgültigen Publikation anderen Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt, um die Erkenntnisse zu überprüfen. Weitergehende Tests von anderen Experten könnten nun zeigen, dass es entweder auch in anderen europäischen Städten bereits vor offizieller Entdeckung Corona-Fälle gegeben hat. Möglich ist aber auch, dass die Proben in Barcelona nachträglich aus Versehen verunreinigt wurden und das spanische Studienergebnis somit falsch ist. So oder so werden nun weitere Labore Untersuchungen durchführen.

    Der Geldgeber

    Einen Beigeschmack hat die Studie aber schon jetzt: Der französische Finanzier der Untersuchungen SUEZ hat eine Kooperation mit dem chinesischen Staatsunternehmen Everbright International, das sich auf das Management von Umweltressourcen in China spezialisiert. Sowohl China als bisher angenommenes Corona-Mutterland, als auch das in Europa als erstes betroffene Frankreich hätten Interesse daran, die gängige Version über den Ausbruch der Pandemie zu ändern. Beweise dafür gibt es aber nicht.

    Eine mögliche Sensation

    Sollten die Studienergebnisse weiteren Überprüfungen standhalten, wäre das eine wissenschaftliche Sensation. Es würde bestätigen, dass bereits im vergangenen Jahr Corona-Erkrankte vermutlich mit Grippe-Symptomen der gängigen Influenza zugeordnet wurden und das Corona-Virus schon viele Monate länger in Umlauf war, als von der Weltgesundheitsorganisation WHO verkündet. Auch ist denkbar, dass das Virus in der Zwischenzeit mutiert ist und Vorläufer deshalb schwieriger zu erkennen waren. Eine Diskussion, die Forscher weltweit vor neue Rätsel stellen wird.

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    Tags:
    Pandemie, Forschung, WHO, Barcelona, Studie, Coronavirus