14:42 13 August 2020
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    In letzter Zeit wird immer mehr vor Aerosolen gewarnt, die für knapp die Hälfte aller Neuinfektionen mit dem SARS-Corona-Virus-2 verantwortlich sein könnten. Um diese Ansteckungen zu verhindern, bräuchte es mehr als gängige Atemmasken. Allerdings ist die Sorge vielleicht doch unbegründet. Denn die Datenlage stützt sie nicht – so eine neue Studie.

    Wer niest oder hustet, schleudert eine Unzahl feiner Tröpfchen in die Luft – Tröpfchen, in die Krankheitserreger eingebettet sind und über die sich gesunde Menschen anstecken können. Diesen Ansteckungsmechanismus bezeichnet man logischerweise als Tröpfcheninfektion. Doch es braucht nicht unbedingt diese doch recht großen und schweren Übertragungsmittel, um Erreger in die Raumluft abzusondern, es reicht auch das schiere Atmen. Denn auch die ausgeatmete Luft enthält kleinste Teilchen, Aerosole genannt, die kleinere Mengen des Erregers enthalten.

    Jede zweite Infektion durch Aerosole?

    Auf der Grundlage der Tröpfcheninfektion basiert die Empfehlung zum Tragen einer Maske bis hin zur Maskenpflicht. Dass diese im Kampf gegen das SARS-Corona-Virus-2 nach anfänglichem Zögern doch in vielen Räumlichkeiten verordnet wurde und das Nicht-Tragen mit Bußgeldern sanktioniert wird, verwundert wenig, wenn man sich überlegt, welche Rolle solche Übertragungen in der Pandemie spielen sollen. Aber mit der Aerosol-Übertragung verliert die Maske ihre Bedeutung wieder, denn diese Teilchen sind so klein, dass sie die Maschen problemlos passieren können.

    Und die Rolle der Aerosole wird derzeit immer höher eingestuft: Jede zweite Neuinfektion könnte auf die Kleinstpartikel zurückgeführt werden, betonte etwas der Virologe Christian Drosten in einem Podcast. Er bezog sich dabei auf eine Aerosol-Studie in Hongkong und erklärte damit unter anderem einen lokalen Corona-Ausbruch in einem Restaurant in Leer. Kein Wunder, denn in geschlossenen Räumen können sich diese Partikel anreichern, und sie verfügen zudem über die unangenehme Eigenschaft, einige Stunden in der Luft stehenbleiben zu können. Stunden, in denen sich zum Beispiel immer neue Restaurantbesucher anstecken können.

    Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) scheint da nicht auf dem aktuellen Stand der Forschung zu sein, denn in ihren Corona-Leitlinien werden Aerosole als Infektionsweg nicht hinreichend thematisiert. Dieser Meinung sind insgesamt 239 Forscher, die eine Anpassung der Leitlinien an das Wissen rund um den Übertragungsweg fordern. Die WHO verhält sich aber vorsichtig und schreibt bis zum heutigen Tag in ihren Fragen und Antworten nur, dass Aerosole Virusteilchen enthalten können und dass eine Ansteckung in geschlossenen Räumen durch Aerosole nicht ausgeschlossen werden kann. Warum so bescheiden, wenn die Gefahr so groß ist?

    Alles nur graue Theorie? Aerosole womöglich ungefährlich

    Der Hintergrund für die Vorsicht könnte einfach sein, dass weiterhin die Evidenz fehlt. Denn dass die Viren oder Teile von Viren, die in einem solchen Aerosol-Partikel eingeschlossen sind, beim Einatmen wirklich Zellen des Atemtrakts infizieren, ist durch den reinen Nachweis in Aerosol-Teilchen eben noch nicht gezeigt. Es müsste der gesamte Weg vom Partikel in der Luft bis ins innere der Zelle beobachtet werden können, nur dann kann man von Evidenz sprechen.

    Und genau in diese Bresche schlägt aktuell eine neue US-Studie, die sinngemäß besagt: Der Aerosol-Übertragungsweg ist zwar eine schöne Hypothese, aber es ist damit erstens noch nichts bewiesen, und zweitens besagen die vorliegenden Daten das Gegenteil.

    Die Autoren der Studie argumentieren, dass trotz eines solchen möglichen Übertragungswegs die tatsächlichen Infektionsraten innerhalb der Bevölkerung nicht zu der Hypothese passen. Will heißen, die meisten Ansteckungen sind auf anderem Weg erfolgt.  Dafür spricht aus deren Sicht auch die recht niedrige Reproduktionszahl von 2,5 vor den Eindämmungsmaßnahmen. Viren, die sich hauptsächlich über die Luft verbreiten, haben weit höhere Reproduktionszahlen, Masern zum Beispiel 18. Die Forscher schließen daraus: „Entweder ist die Menge an SARS-CoV-2, die für eine Infektion notwendig ist, viel größer als bei Masern oder Aerosole sind nicht der Haupt-Übertragungsweg.“

    Auch bei direktem Kontakt wenige Ansteckungen

    Aber selbst beim näheren Kontakt sind die Zahlen ernüchternd, denn nur fünf Prozent der Kontaktpersonen von Infizierten sollen sich bei diesen angesteckt haben, bei medizinischem Personal, dass ohne Wissen Covid-19-Patienten behandelte, sollen es sogar nur drei Prozent sein.

    „Mit SARS-CoV-2 Infizierte können durchwegs Tröpfchen und Aerosole produzieren, aber die meisten dieser Ausscheidungen infizieren keine anderen Menschen“, erklären die Forscher. Im Verdacht stehen aus ihrer Sicht schwer virenbeladene Sekrete, die nur kurze Strecken in der Luft überwinden können und in kleinem Radius zu Boden sinken.

    Die einzige Ausnahme stellt für die Mediziner der Fall dar, wenn man längere Zeit einer infizierten Person in einem schlecht belüfteten Raum ausgesetzt ist. Auf diese Weise könnten sich in der Raumluft größere Mengen viruslastiger Aerosole ansammeln, die dann auch duchaus zu einer Ansteckung führen könnten.

    Aus Sicht der Autoren stellen die berühmten Beispiele für solche Ansteckungscluster über die Luft wie Chorproben, Restauranteröffnungen und gemeinsames Arbeiten im Büro eher die Ausnahme als die Regel für die Ansteckungswege mit SARS-CoV-2 dar.

    Welcher Weg konkret neben der Tröpfcheninfektion aus nächster Nähe noch bedeutsam sein könnte, teilen die Autoren zwar nicht mit, aber sie verweisen auf alternative Übertragungswege, die aus Experimenten bekannt sind. So brauchte es in einem Experiment zum Beispiel nur eine einzige mit dem Virus verunreinigte Türklinke, damit nach sieben Stunden der Erreger über das gesamte Bürogebäude verteilt war.

    Und was ist mit den Maskenstudien?

    Aber was ist dann mit den speziellen N95-Masken, die im Gegensatz zu gewöhnlichen medizinischen Masken auch Aerosole zu großen Teilen herausfiltern? Die Forscher führen eine entsprechende Met-Analyse an, die belegen soll, dass erstere tatsächlich im Vergleich besser abschneiden.

    Im selben Zug kritisieren sie diese Analyse aber auch. Zum einen werde dort ein Direktvergleich der beiden Masken durchgeführt, nicht aber der Vergleich jeweils beider Maskentypen mit dem Nicht-Tragen von Masken. Außerdem seien neun von zehn Studien, auf denen dieser Vergleich beruht, nicht einmal mit SARS-CoV-2 durchgeführt worden, sondern mit SARS-CoV-1 und MERS.

    Außerdem bemängeln sie, dass vier randomisierte Studien, die die beiden Maskentypen direkt verglichen haben und dort auf keinen Unterschied gestoßen sein sollen, keinen Eingang in die Meta-Analyse gefunden haben.

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    Tags:
    Ansteckung, Aerosol, Coronavirus