04:36 04 August 2020
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    Wegen der jüngsten wissenschaftlichen Entdeckungen hat sich erneut die Frage gestellt, welches Volk als erstes den amerikanischen Kontinent erreichte. Forscher haben bei den Vergleichen der DNA-Tests von einstigen und jetzigen Bewohnern verschiedener Erdteile bewiesen: Amerika wurde von Anwohnern der Baikal-Ufer „entdeckt“.

    Wikinger und Polynesier haben ihnen zufolge erst später die künftige „Neue Welt“ erreicht.

    Auf dünnem Eis

    Dass Menschen aus Sibirien während der letzten Eiszeit nach Nordamerika zogen, ist im Grunde allgemein bekannt. Damit verbundene Artefakte werden selbst im Süden des Kontinents entdeckt. Die Clovis-Kultur entstand dort vor etwa 13.500 Jahren. Ihre Vertreter waren die „Urväter“ der gesamten indigenen Bevölkerung beider Amerikas. Aber bis vor kurzem wussten die Forscher noch nicht, wie viele Migrationen zwischen Nord- und Südamerika es gegeben hatte und ob auf diesem Boden noch jemand gelebt hatte, bevor dort Ostasiaten erschienen.

    Ein Expertenteam um Eske Willerslev von der Universität zu Kopenhagen konnte anhand von DNA-Tests beweisen, dass es aus Sibirien nach Amerika nur eine Migrationswelle gab. Menschen erreichten Beringia (wo jetzt die Beringstraße liegt) frühestens vor 23.000 Jahren – und verbrachten dort nahezu 8000 Jahre. Dann gingen sie weiter nach Nordamerika.

    Die Dänen haben die Hypothese von Reliktstämmen von Paläoamerikanern widerlegt, die bis zuletzt als Verwandte der Einwohner Ozeaniens gegolten hatten. Gemeinsame DNA-Abschnitte haben sie tatsächlich, aber Experten führen das eher auf die so genannte „Gendrift“ zurück, die bei Kontakten zwischen benachbarten Völkern ziemlich typisch ist.

    Die Frage, aus welchem Teil Sibiriens die ersten Menschen kamen, die nach Amerika zogen, haben Forscher mit Johannes Krause vom deutschen Max-Planck-Institut an der Spitze beantwortet. Sie stellten fest, dass die DNA aus einem südlich vom Baikalsee entdeckten Zahn einem „Cousin“ der indigenen Amerikaner gehört haben soll, die vor 14.000 Jahren lebten.

    Kolumbien – Polynesien

    1947 hatte der Norweger Thor Heyerdahl seine bekannte Kon-Tiki-Expedition über den Stillen Ozean unternommen. Diese 100-tägige Reise endete auf den Tuamotu-Inseln. Damit wollte der mutige Wanderer beweisen, dass die Polynesier Nachkommen von indigenen Amerikanern waren.

    In Wahrheit stimmt das aber nicht. Die Heimat der Polynesier waren verschiedene Inseln in Südostasien. Kontakte mit Südamerikanern nahmen sie erst später auf, allerdings noch vor der Reise von Columbus – dafür gab bzw. gibt es etliche indirekte Beweise, beispielsweise die Moai-Steinstatuen auf der Osterinsel oder die amerikanische Süßkartoffelsorte Kumara, die im östlichen Polynesien entdeckt wurde. Diese Theorie befürwortete auch ein Genetiker-Team um Alexander Ioannidis von der Stanford University. Sie fanden nämlich heraus, dass es in den Genomen der jetzigen Einwohner von 17 Inseln und der Vertreter von 15 südamerikanischen Urstämmen gemeinsame Abschnitte gibt. Die Frage ist nur, wann und wo ihre Vorfahren sich getroffen haben könnten.

    Südamerika und das östliche Polynesien sind durch den Stillen Ozean voneinander getrennt. Die Polynesier sind als hervorragende Seefahrer bekannt und haben in den letzten 3000 Jahren etliche Inseln besiedelt. Möglicherweise konnten sie im 11. Jahrhundert auch Südamerika erreicht haben. Also haben sie voraussichtlich manche Elemente der dortigen Kultur und der dortigen Technologien „importiert“ und Frauen bzw. Kinder aus gemischten Ehen nach Hause mitgebracht.

    Dafür, dass indigene Amerikaner lange Seereisen unternommen hätten, gibt es dagegen keine Beweise. Dennoch schließen Ioannidis & Co. nicht aus, dass Polynesier eine der Marquesas-Inseln erreichten und dort Übersiedler aus Südamerika trafen (genauer gesagt, aus dem heutigen Kolumbien: Die DNA der Kolumbianer ist mit ihnen am nächsten verwandt). Welche von den Hypothesen die richtige ist, sollen weitere genetische Tests zeigen.

    Aufklärungsreise nach Amerika

    Zur selben Zeit, ungefähr im Jahr 1000, reisten mehrere Wikinger aus Grönland, angeführt von Leif Eriksson, dem Sohn von Erik dem Roten, in den Westen. Sie landeten auf den Halbinseln Labrador und Neufundland. Einige Jahre später folgten ihnen die Schiffe des isländischen Seefahrers Thorfinn Karlsefni.

    Unter den amerikanischen Urstämmen gab es noch seit den Columbus-Zeiten Legenden über ein Königreich weißer Menschen, aber erst in den 1960er-Jahren entdeckten Archäologen entsprechende Beweise – in L’Anse aux Meadows auf Neufundland. Das waren Erdhütten, eine Schmiede und andere Artefakte, die keine Zweifel daran ließen, dass sie von den Wikingern gebaut worden waren.

    Dabei fanden die Archäologen keine Hinweise auf Viehzucht, die die „Basis“ der Wirtschaft der Normannen in Grönland und Island ausmachte. Möglicherweise war das eine Art „Umladestelle“ auf dem Weg nach Nordamerika, oder die Wikinger blieben dort nur eine kurze Zeit. Laut Chroniken mussten sie Neufundland wegen eines Konfliktes mit dortigen Stämmen verlassen.

    Oder es könnte alles ganz anders gewesen sein. Vor kurzem haben kanadische und britische Forscher den Torf unweit eines archäologischen Denkmals analysiert und plötzlich eine Kulturschicht aus den Wikingerzeiten entdeckt. Das ließ sie vermuten, dass Gäste aus Grönland diese Gegend jahrhundertelang besucht haben könnten. Wenn das wirklich so war, dann darf man durchaus auf neue Entdeckungen der Genetiker hoffen.

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    Tags:
    Baikalsee, Wikinger, DNA, Siedlerwohnungen, Einsiedler, Amerika, USA