04:49 04 August 2020
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    Graues Haar kann man auf natürliche Weise loswerden, wie Wissenschaftler festgestellt haben. Von solchen Einzelfällen wusste man auch früher. Laut neuesten Studien ist das bei fast jedem früh ergrauten Menschen möglich.

    Jetzt versuchen Experten, den Mechanismus dieser Prozesse zu verstehen.

    Alle bekommen graues Haar

    Gewöhnlich bekommt man graues Haar nach 35 Jahren, doch vieles hängt von der genetischen Disposition und vom Geschlecht ab. So ergrauen Frauen später als Männer. Europäer bekommen in der Regel graues Haar fast 20 Jahre früher als Afrikaner und Asiaten. Allerdings haben fast alle Menschen von 45 bis 65 Jahren graues Haar. Nach Angaben der Forscher sind 74 Prozent der Menschen in diesem Alter zu einem Drittel ergraut. Die verbreitetste Erklärung – Alterung. Es heißt, dass das Haar mit den Jahren seine Farbe wegen des Absterbens von Melanozyt verliert – Zellen, die zwei Formen von Melanin-Pigment produzieren – Eumelanin und Feomelanin. Gerade von diesem Pigment hängt es ab, ob der Mensch blond, brünett bzw. rothaarig wird.

    Manchmal ist graues Haar mit dem Gesundheitszustand bzw. Stress verbunden. So ist bewiesen, dass der B12-Mangel, Vitiligo - Weißfleckenkrankheit – sowie Schilddrüsen-Erkrankungen für graues Haar sorgen. Darüber hinaus können Störungen der angeborenen Immunität den Prozess beschleunigen.

    Bereits in den 1980er Jahren stellten Biologen fest, dass Mäuse, die mit dem Virus der Maus-Leukämie infiziert wurden, nach der Geburt schnell graues Fell bekamen. Das heißt, dass Probleme der Pigmentierung irgendwie mit der angeborenen Immunität verbunden sind, doch die genauen Zusammenhänge waren bis dato unklar.

    Erst 2018 stellten US-Forscher fest, dass das Protein MITF, dass die Melanin-Produktion in Melanozyten regelt, ebenfalls mit den Genen verbunden ist, die das angeborene Immunsystem kontrollieren. Bei Experimenten an Mäusen, in deren Melanozyten es dieses Protein nicht gab, wurden zu viele Interferone synthetisiert. Ihr Überfluss störte die Produktion der Melanozyten selbst, weshalb Mäuse graue Härchen bekamen. 

    Stress ist schuld

    Trotz der Skepsis einiger Spezialisten beschrieben Wissenschaftler einige Fälle, als Haare plötzlich in einer Nacht grau wurden. Laut Forschern der Harvard University fördert der Stress wohl den Verlust der Stammzellen – Vorgänger der Melanozyten, die in den Haarfollikeln enthalten sind. Im Ergebnis wird kein Pigment mehr produziert, und das Haar verliert die Farbe.

    Biologen verabreichten schwarzen Labormäusen ein stark stressauslösendes Toxin. Nach den Spritzen stieg der Kortikosteron-Spiegel um das Dreifache und der Noradrenalin-Spiegel um das Zehnfache. Die beiden Hormone entstehen gerade in Stresssituationen.

    Dabei hatten die Mäuse, die das Toxin zusammen mit Analgetika bekamen, den gleichen Kortikosteron- und Noradrenalin-Spiegel wie bei den Tieren aus der Kontrollgruppe – diese bekamen kein Toxin.

    Nach der Injektion wurden die Mäuse rasiert, um das Wachstum der Haare zu beschleunigen. Nach ein paar Wochen wuchs neues Fell, das fast zu 30 Prozent grau war. Weitere Experimente zeigten, dass aus den Follikeln wegen Stress die Zellen – Vorgänger von Melanozyten - verschwanden, was schnell für graues Haar sorgte. Als Vermittler fungierte Noradrenalin.

    Laut Verfassern der Studie wird in einer Stresssituation im Körper Noradrenalin produziert, das die Stammzellen, die sich in Melanozyten verwandeln sollen, zur Teilung und zum Wandern bewegt. Gewöhnlich teilen sich diese Zellen selten. Wenn sich dieser Prozess beschleunigt, sind ihre Ressourcen schnell verausgabt. Darüber hinaus können Stammzellen die Follikel überhaupt verlassen bzw. unfähig sein, den Vorrat an Melanozyten aufzufüllen. Das führt anscheinend zum Verlust von Pigmenten und zu grauem Haar. 

    Ohne Konservierungs- und Kunststoffe

    Dennoch ist stressbedingtes graues Haar umkehrbar, wie die Wissenschaftler der Columbia University (USA) behaupten. Sie analysierten 397 einzelne Haare, die bei 14 gesunden Freiwilligen verschiedenen Alters und Herkunft genommen wurden. Die einen waren absolut grau, die anderen nur zum Teil. 

    Die Forscher richteten sich nach der durchschnittlichen Geschwindigkeit des Wachstums der Haare – rund ein Zentimeter pro Monat, verglichen die Farbe einzelner Abschnitte mit bestimmten Perioden im Leben ihrer Besitzer und Ereignisse.

    Es stellte sich heraus, dass graues Haar im jungen Alter oft wegen Stress entsteht. Sobald sich die Situation normalisiert, bekommt das Haar seine ursprüngliche Farbe. So war es mit einem 35-jährigen Europäer, dessen Haar in dieser Studie analysiert wurde. 

    Darüber hinaus stellten Experten eine ähnliche Verbindung bei der Analyse von zweifarbigem Haar einer 30-jährigen Frau asiatischer Herkunft fest. Die Bildung eines zwei Zentimeter langen grauen Abschnitts war auf familiäre Probleme, Scheidung und einen Zwangsumzug zurückzuführen. Nach der Rückkehr zu einem normalen Leben bekam das Haar vollständig seine frühere Farbe zurück.

    Insgesamt wurden mehr als zehn Fälle von solchen umkehrbaren Prozessen bei Menschen von neun bis 39 Jahren festgestellt. Durchschnittlich dauerte die Wiederherstellung ungefähr so lange wie der Verlust der Farbe – rund drei Monate. Und nicht nur auf dem Kopf, sondern auch auf anderen Körperteilen.

    Laut Verfassern der Studie lässt das den Schluss zu, dass auch andere Mechanismen der Alterung des Menschen teilweise umkehrbar sein können. Doch um das zu klären, muss zunächst verstanden werden, wie und warum das Haar seine ursprüngliche Farbe bekommt. Gerade damit werden sich Forscher in den nächsten Jahren befassen.

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    Tags:
    Stanford University, MIT, graue Haare, Haar, Genetik