06:55 25 November 2020
SNA Radio
    Wissen
    Zum Kurzlink
    Von
    3214239
    Abonnieren

    Das unabhängige Estland sieht sich als Opfer einer sowjetischen Besatzung. Wer gegen die Rote Armee gekämpft hat, gilt heute als Held. Dabei wird verschwiegen, dass das oftmals an der Seite der deutschen Faschisten geschah. Dabei haben Esten sich auch an Kriegsverbrechen und der Vernichtung der Juden beteiligt. Daran muss erinnert werden.

    Estland hatte sich als einziges baltisches Land bis 1920 an der imperialistischen Intervention gegen Sowjetrussland beteiligt. Das bürgerliche, seit 1934 faschistische Estland war das am höchsten entwickelte baltische Land mit einem starken besitzenden Kleinbürgertum in Stadt und Land. In keiner anderen Ostseerepublik war Antikommunismus und Antisowjetismus daher ausgeprägter als hier. Daher hatten die Linken hier nach der Wiedererrichtung der Sowjetmacht im Juni 1940 besonders erhebliche Probleme.

    Schon im Herbst 1940 gab es die ersten bewaffneten antisowjetischen Gruppen, die sich „Waldbrüder“ nannten. Sie bereiteten den bewaffneten Aufstand vor und nahmen Kontakte zu deutschen Vertretungen auf. Die Sowjetmacht deportierte daraufhin am Vorabend des faschistischen Überfalls auf die UdSSR über 10.000 Angehörige der ehemaligen herrschenden Klassen und ihren Anhang nach Osten.

    Nach dem Überfall des faschistischen Deutschlands auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 widersetzten sich etwa 30.000 estnische Jugendliche ihrer Einberufung zur Roten Armee. Sie flohen in die Wälder und verstärkten die „Waldbrüder“, die heute als „Partisanen“ gelten. Sie griffen sowjetische Einheiten an, ermordeten massenhaft Anhänger der Sowjetmacht und errichteten in den „befreiten Ortschaften“ faschistische Verhältnisse.

    „Waldbrüder“ an der Seite der Faschisten

    Die Sowjetmacht bewaffnete ihre aktiven Anhänger und nahm den Kampf mit ihren Gegnern auf. Jene kommunistischen Kampfgruppen konnten bei einer zweitägigen Schlacht am 1. und 2. August 1941 bei Kautla einen bedeutenden Sieg über eine „Waldbrüder“-Gruppierung erringen und diese vernichten. An anderer Stelle nahmen etwa 2.000 „Waldbrüder“ im sogenannten Tartu-Bataillon direkt an der Seite der Wehrmacht an den Kämpfen gegen die Rote Armee teil.

    „Waldbrüder“ waren auch an der Einnahme von Tallinn am 28. August beteiligt und hielten blutige Abrechnung unter den gefangenen 12.000 Rotarmisten und Zivilisten. Darunter war auch der Führer der estnischen Kommunisten Karl Sarä, dessen Spur sich hier verliert.

    Ein Großteil der Esten begrüßte den deutschen Einmarsch. Der letzte Premier des bürgerlichen Estland, Jüri Uluots, versammelte die 1940 entmachteten Vertreter der großen Parteien des Landes am 29. Juli. Er richtete ein Memorandum an Berlin mit der Bitte, das „unabhängige Estland“ wieder zu errichten. Uluots schlug eine Zusammenarbeit im „Kampf gegen den Kommunismus“ vor.

    Diese Tatsache wird im heutigen Estland heruntergespielt oder verschwiegen, denn damit hatten sich die „demokratischen Parteien“ des „freien Estlands“ zum direkten Bundesgenossen der deutschen Faschisten gemacht.

    Estnische Einheiten der SS

    Somit waren sie auch Feinde der sich herausbildenden Anti-Hitler-Koalition. In der Folge war ihre Bekämpfung und Bestrafung durch die sowjetischen Organe auch völkerrechtlich legitimiert. Dass Hitler mit Estland andere Pläne hatte, ändert nichts daran. Estland wurde „Generalkommissariat“ und unterstand dem Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete. Allein auf unterer Ebene wurde eine „Estnische Selbstverwaltung“ genehmigt, die vom ehemaligen Propagandachef der estnischen Faschisten Hjalmar Mäe geleitet wurde.

    Die Kollaboration umfasste nicht nur die Verwaltungen und die aktive Teilnahme am faschistischen Terror und Zuarbeit für den Sicherheitsdienst der SS. Schon im August 1941 wurde die faschistische Freiwilligenorganisation „Omakaitse“ mit deutscher Billigung geschaffen, für die sich etwa 40.000 Esten meldeten. Sie bewachten alle 20 Konzentrationslager und machten Jagd auf Linke und sowjetische Partisanen.

    Die estnischen Faschisten hatten somit weitaus mehr unter Waffen, als die 16.000 Mann (1938) zählende Estnische Armee. Aus den an deutscher Seite kämpfenden „Waldbrüdern“ wurden aus 12.000 Esten sechs Polizeibataillone und zehn sogenannte Ost-Bataillone gebildet, die im besetzten Sowjetrussland die Bevölkerung terrorisierten.

    Antikommunistischer Konsens

    Im August 1942 wurde die estnische Waffen SS-Legion aufgestellt, zu der sich bis 1943 etwa 2.000 Esten meldeten. Sie kam noch im gleichen Jahr als 3. Estnische Freiwillige SS-Brigade gegen die Rote Armee in der Ukraine zum Einsatz. Als wegen der hohen Verluste die Mäe-Administration Einberufungen durchführte, floh ein Teil der Jugendlichen nach Finnland. Dort bildeten sie das 200. Estnische Infanterieregiment, das bis 1944 gegen die Rote Armee kämpfte.

    1943 wurde nach dem Vorbild der Hitler-Jugend die faschistische Jugendorganisation „Junge Esten“ gebildet, die sich auf den Kampf an der Seite der Wehrmacht vorbereitete. Anfang 1944 wurden alle bisherigen estnischen faschistischen Militärformationen (20.000 Mann) in der 20. Estnischen SS-Division zusammengefasst. Der Mäe-Administration gelang es darüber hinaus, aus 38.000 mobilisierten Esten sieben Grenzregimenter gegen die heranrückende Rote Armee aufzustellen.

    Hierzu herrschte Konsens unter allen estnischen (auch „demokratischen“) politischen Kräften. Am Vorabend der Befreiung proklamierte Uluots wiederum eine neue Regierung, die Neutralität verkündete und deutsche wie sowjetische Truppen aufforderte, das Land zu verlassen. Doch dieser an Lächerlichkeit grenzende Akt konnte die Wiedererrichtung der estnischen Sowjetmacht nicht mehr aufhalten. Am 22. September zog die Rote Armee, darunter das von estnischen Kommunisten geführte 8. Estnische Schützenkorps in Tallinn ein. Zwei Monate später war ganz Estland befreit.

    Die estnische Rechte hatte als Verbündeter der deutschen Faschisten gehandelt und sich an Kriegsverbrechen aktiv beteiligt. In den estnischen KZ starben 64.000 sowjetische Kriegsgefangene und 61.000 Juden aus Westeuropa. Alle verbliebenen eigenen 2.000 Juden wurden ermordet. Estland war daher schon zur „Wannsee-Konferenz“ 1942 „judenfrei“.

    Erst mit den Faschisten, dann mit dem Westen

    Etwa 5.000 Anhänger der Sowjetmacht wurden umgebracht. Mit 7.000 durch die Faschisten Ermordeten lag Estland aber weit unter den Verlusten der anderen baltischen Länder. Hier hatten weit mehr Menschen – obwohl Estland faktisch eine deutsche Kolonie war – mit den Nazis kollaboriert. Daher flohen etwa 80.000 Esten mit den Deutschen nach Westen.

    Die estnischen SS-Einheiten wurden letztlich 1945 in der Tschechoslowakei aufgerieben. Ein Teil von ihnen gelang die Flucht nach Westdeutschland, andere wurden gefangen genommen. Die estnische Sowjetmacht verhaftete, verurteilte und deportierte von 1944 bis 1945 etwa 10.000 estnische Faschisten und andere Sowjetfeinde. Todesurteile waren hierbei jedoch selten.

    Nichtsdestotrotz setzten etwa 10.000 abgeschnittene deutsche und estnische Faschisten in den Wäldern des baltischen Landes in Erwartung eines Dritten Weltkrieges ihren Kampf gegen die Sowjetmacht fort. Sie wurden bis Kriegsende über dem Seewege noch lange von deutscher Seite versorgt. Später übernahmen das westliche Geheimdienste. Erst 1952 konnten die estnischen Wälder endgültig von ihnen gesäubert werden. Jene Faschisten und Kriegsverbrecher gelten heute im „demokratischen Estland“ als Freiheitskämpfer gegen eine angebliche sowjetische Besatzung.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Überschüssiger US-Militärschrott zu vergeben: Greift Berlin diplomatisch ein oder günstig ab?
    US-Zerstörer verletzt Russlands Grenze – Verteidigungsministerium
    Russland droht bei Weitergabe von Kontrollflug-Informationen an USA mit „harter Antwort“
    Tags:
    Geschichte, Faschismus, Deutschland, Zweiter Weltkrieg, Sowjetunion, Estland