13:05 06 August 2020
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    Kosmische Strahlung ist das größte Hindernis für lange Weltraumreisen oder für Leben auf anderen Planeten. Was den Menschen tötet, ist für einen „Tschernobyl-Pilz“ aber Nahrung. Forscher haben auf der Internationalen Raumstation (ISS) untersucht, inwieweit der Pilz als biologischer Schutzschild im Weltraum taugt.

    Die Menschheit greift in letzter Zeit wieder verstärkt nach den Sternen. Seien es Pläne zur Errichtung einer permanenten Mondbasis, Träume von bemannten Mars-Missionen oder die Suche nach lebensfreundlichen Exoplaneten, auf denen vielleicht eines Tages auch Menschen lustwandeln könnten, fernab der Wirren des Heimatplaneten und ganz sicher nicht die Fehler ihrer irdischen Vorfahren wiederholen würden.

    Ein „Lagerfeuer“ auf der Sonne: Erste Bilder des Solar Orbiters vorgestellt
    © Foto : Solar Orbiter/EUI Team (ESA & NASA); CSL, IAS, MPS, PMOD/WRC, ROB, UCL/MSSL
    Aber wenn man einmal die Utopien beiseitelässt, so gibt es bei all dem Ausschweifen ein großes Problem: die Unwirtlichkeit des Weltalls mit seiner lebensfeindlichen kosmischen Strahlung. Dieser Strahlung sind nicht nur die Kosmonauten auf der Internationalen Raumstation ausgesetzt, auch Weltraumreisende sowie Mond- und Marsableger der Menschheit wären ihr relativ schutzlos ausgeliefert. Es fehlt schlichtweg der Schutzschild der irdischen Atmosphäre und das Magnetfeld der Erde.

    Ein strahlenfressender Pilz als Schild

    Eine unerwartete Lösung könnte ein Ort bilden, der zum Sinnbild von Verstrahlung auf Erden geworden ist: Tschernobyl. Im Reaktorblock 4, in dem es 1986 zur Explosion und zum Austritt radioaktiven Materials kam, und der ebenfalls als alles andere denn als lebensfreundlich bezeichnet werden kann, wächst und gedeiht der Pilz „Cladosporium sphaerospermum“. Er ist eine von mehreren Pilzarten, die beim Wachstum „Radiosynthese“ betreiben, also genau die radioaktiven Strahlen verwerten, die andere Organismen töten.

    Natürlich kommt er nicht nur in Tschernobyl vor. Seit neustem kommt er sogar nicht nur auf der Erde vor. Denn für eine Studie zu kosmischen Schutzschilden haben ihn Kosmonauten mit auf die Internationale Raumstation (ISS) genommen. Dort wurde der Pilz über 30 Tage lang der Weltraumstrahlung ausgesetzt und untersucht, wie viel kosmische Strahlung er absorbiert.

    Biologischer Schutzschild muss optimiert werden

    Im Vergleich zu einer leeren Petrischale konnte eine Petrischale mit Pilzkultur immerhin zwei Prozent der Strahlung absorbieren. Es fehlt also noch einiges zu einem wirklichen Schutzschild. Als Ergänzung könnte der Pilz aber durchaus fungieren, denn er braucht nur einige wenige Nährstoffe, um mit der Vermehrung anzufangen. Vielleicht wird eine dickere Schicht oder eine genetische Optimierung des Pilzes ihn eines Tages in einen biologischen Schutzschild für Weltraumreisen und Aufenthalte auf harschen Himmelskörpern verwandeln.

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    Tags:
    Strahlung, ISS, Pilz, Tschernobyl