04:31 06 August 2020
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    Neue Normalität in der Corona-Pandemie: Lockerungen weltweit (80)
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    Ältere männliche Patienten mit Vorerkrankungen, die beatmet werden müssen, sind die am stärksten von Covid-19 betroffene Gruppe. Das und vieles mehr hat die erste systematische deutschlandweite Auswertung von Krankenhausdaten ergeben.

    Wie gefährlich ist die Erkrankung Covid-19? Wen trifft sie am stärksten? Welche Rolle spielen Vorerkrankungen? Solche Fragen sind seit dem Beginn der Pandemie immer wieder im Fokus der Medien, die Antworten darauf fallen meist unbefriedigend aus und gehen in der Flut schrecklicher Meldungen wieder unter.

    Einen Weg, die Wirklichkeit auf Häufigkeiten und Wahrscheinlichkeiten herunterzubrechen, bildet die statistische Auswertung von echten Fällen. Eine erste Analyse dieser Art für die Bundesrepublik haben das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO), die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und die Technische Universität Berlin erstellt.

    Gegenstand der Untersuchung waren dabei über 10.000 „abgeschlossene Krankenhausfälle“ aus 920 Spitälern, die im Zeitraum vom 26. Februar bis zum 19. April 2020 die Diagnose Covid-19 erhalten hatten. Abgeschlossene Krankenhausfälle bedeutet, dass die Patienten allesamt ins Krankenhaus eingewiesen worden waren und entweder nach erfolgreicher Behandlung entlassen werden konnten oder an Covid-19 verstarben.

    Höchste Sterblichkeit bei beatmeten älteren Patienten

    Das Ergebnis: Etwa ein Fünftel der stationären Patienten ist verstorben. Dabei lassen sich die Patienten in weitere Untergruppen einteilen. So lag die Sterblichkeit bei beatmeten Patienten bei 53 Prozent, die Sterblichkeit von nicht beatmeten dagegen bei 16 Prozent. Es zeichneten sich auch Geschlechtsunterschiede ab: Die Sterblichkeit von Männern lag bei 25 Prozent, die von Frauen bei 19. Die Sterblichkeit stieg außerdem mit dem Alter: In der Patientengruppe ab 80 Jahren starben 38 Prozent, bei 70- bis 79-Jährigen waren es 27 Prozent. Bei beatmeten Patienten aus diesen beiden Altersgruppen lag die Sterblichkeit sogar bei 72 respektive 63 Prozent.

    • © Foto : Wissenschaftliches Institut der AOK (WidO)
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    © Foto : Wissenschaftliches Institut der AOK (WidO)

    „Die hohen Sterblichkeitsraten machen deutlich, dass in den Kliniken relativ viele Patienten mit einem sehr schweren Krankheitsverlauf behandelt wurden. Diese schweren Verläufe betreffen eher ältere und gesundheitlich bereits beeinträchtigte Menschen, kommen aber auch bei jüngeren Patienten vor“, teilte dazu Jürgen Klauber, Geschäftsführer des WidO, in einer gemeinsamen Pressemitteilung von AOK, DIVI und TU Berlin mit. Diese Bemerkung ist insofern wichtig, als dass der Datensatz nur stationär behandelte Patienten umfasst und nicht solche, die die Erkrankung mit milden Verlaufsformen in der Hausquarantäne überstanden haben.

    Männer fast doppelt so häufig beatmet wie Frauen

    Von den 10.021 Patienten wurden insgesamt 1.727 beatmet. Das Durchschnittsalter beatmeter wie unbeatmeter Patienten lag bei 68 Jahren. Die meisten Beatmungsfälle bewegten sich im Alter zwischen 60 und 79 Jahren mit insgesamt 49 Prozent. In der Gruppe der 18- bis 59-Jährigen dagegen waren es nur 15 Prozent. Die Gruppe ab 80 verzeichnete ebenfalls nur zwölf Prozent.

    Männer mussten mit 22 Prozent fast doppelt so oft beatmet werden wie Frauen mit nur zwölf Prozent. Außerdem litten beatmete Patienten deutlich häufiger an Vorerkrankungen als solche, die nicht beatmet werden mussten. Bei beatmeten Patienten lag der Anteil von Herzrhythmusstörungen bei 43 Prozent, bei den nicht beatmeten lediglich bei 24 Prozent. Bei Diabetes war das Verhältnis 39 Prozent bei beatmeten zu 26 bei nicht beatmeten Patienten.

    © Foto : Wissenschaftliches Institut der AOK (WidO)

    Hälfte der Beatmungspatienten länger als zehn Tage beatmet

    Der durchschnittliche Krankenhausaufenthalt von Covid-19-Patienten beträgt den Daten zufolge 14 Tage. Die Länge hing aber auch davon ab, ob ein Patient beatmet wurde oder nicht. Bei nicht beatmeten Patienten lag sie bei zwölf Tagen, bei Beatmungspatienten dagegen bei 25 Tagen.

    Durchschnittlich mussten Patienten 14 Tage beatmet werden, bei 23 Prozent von ihnen dauerte die Beatmung aber auch 23 Tage und mehr. Diese Daten sind hilfreich für Krankenhäuser, um die Nutzung ihrer Kapazitäten bei einer zweiten Welle planen zu können, betonte Reinhard Busse, Professor für Management im Gesundheitswesen an der TU Berlin.

    © Foto : Wissenschaftliches Institut der AOK (WidO)

    Die Ergebnisse wurden am Dienstag in der medizinischen Zeitschrift „The Lancet“ vorgestellt.

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    Sterblichkeit, Covid-19, Coronavirus