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    „Das Geheimnis um die schreiende Mumie ist gelöst!“ – diese Sensationsmeldung verbreitete sich wie ein Lauffeuer in den internationalen Medien. Wissenschaftler schafften offenbar das Unmögliche und fanden die Ursache eines Todes vor sage und schreibe 3000 Jahren.

    Woran die Herrscher im antiken Ägypten wirklich starben – das erfahren Sie in diesem Artikel.

    Mord im Palast

    1115 v.Ch. entwickelte sich ein Drama im Harem von Ramses III. Eine seiner Nebenfrauen namens Teje organisierte zusammen mit Sohn Pentawer einen Thronsturz, bei dem der Pharao getötet wurde. Allerdings gelang es ihnen nicht, die Macht am Herrscherhof an sich zu reißen – treue Diener des Pharao entlarvten die Verschwörung und stellten die Beteiligten vor ein Gericht. Dieser Prozess wurde im so genannten Turiner Gerichtspapyrus beschrieben, doch viele Details blieben bis heute unklar.

    Die Wissenschaftler waren nicht sicher, ob das Attentat auf Ramses III. mit dessen Tod endete oder er nur verletzt wurde. Seine Mumie wurde zusammen mit anderen Mumien im 19. Jahrhundert in der Nekropole Deir al-Bahari bei Luxor entdeckt. Dort wurde ebenfalls eine Mumie mit schreiendem Gesichtsausdruck gefunden. Sie wurde  „Unknown Man E“ genannt. Angenommen wurde, dass es sich um dessen Sohn Pentawer handelt. Ein Gericht verurteilte ihn zu einem öffentlichen Selbstmord, doch auf welche Weise, war nicht bekannt. Es wurden die Hypothesen aufgestellt, dass er an ein Gift starb oder lebendig begraben wurde.

    2012 analysierten Forscher aus Ägypten, Italien und Deutschland beide Mumien. Es gab anthropologische, kriminalistische Expertisen, DNA-Tests und Computertomografien.

    Beim Scannen der Mumie von Ramses III. wurde eine große Wunde direkt unter dem Hals festgestellt. Weiche Gewebe, Trachea und alle Organe in diesem Bereich waren zerrissen. Das war eindeutig der Ursache des sofortigen Todes.

    Nach einer genaueren Computertomographie wurden Wunden an den Füßen festgestellt. Anscheinend wurde Ramses III. von vorne mit Lanze bzw. Schwert attackiert, von hinten soll ihm die Kehle mit einem Dolch durchgeschnitten worden sein.

    „Unknown Man E“ war 18 bis 20 Jahre alt. Er wurde nicht wie üblich mumifiziert. Die inneren Organe und das Gehirn wurden nicht entnommen, er wurde mit einer Mischung aus Harz und Kalk eingerieben, wonach seine Haut rot wurde. Andere wurden in weiße Kleidung gehüllt, sorgfältig balsamiert, doch Ramses III. wurde in Ziegenleder gehüllt, das als unsauber galt. Die Haut unter dem rechten Unterkiefer und dem linken Teil des Halses war voller Falten, die Lungen waren aufgebläht. Das sind wahrscheinliche Anzeichen eines Erstickungstodes, obwohl es auch andere Erklärungen wie tödliches Zerlegen gab.

    Der DNA-Vergleich ließ einen eindeutigen Schluss zu – es handelt sich um Vater und Sohn. Das heißt, dass „Unknown Man E“ Ramses' Sohn Pentawer war. Das war übrigens der Beiname, der von der Richtern gegeben wurde. Der wahre Name des Vatermörders ist nicht bekannt. 

    Schrei vor dem Tod

    Die Forscher unter Leitung von Zahi Hawass analysierten erst kürzlich eine weitere schreiende Mumie aus Deir al-Bahiri. Ihr Gesicht ist gezeichnet von Schrecken und Schmerzen, eine schreckliche Grimasse mit offenem Mund. Die schrecklichsten Bilder des Todes wurden skizziert. Allerdings gab es auch Zweifel, denn der Leichnam wurde im Unterschied zu Pentawer absolut regelkonform mumifiziert.

    Auf dem Leichentuch hieß es, dass es die Schwester eines Königs war: Meritamun. Doch um welchen Herrscher es sich dabei handelt, konnte nicht ermittelt werden.

    Bei Computertomografie wurde festgestellt, dass die Frau im Alter um die 50 Jahre starb. Sie litt an schwerer Atherosklerose, was sich negativ auf ihre Arterien auswirkte. Diese Erkrankung führt in der Regel zur koronaren Herzkrankheiten und -infarkten – der verbreitetsten Todesursache in der heutigen Welt.

    Anscheinend starb die Frau gänzlich unerwartet in dieser Position – mit nach einem hinten gerichtetem Kopf, geöffnetem Mund und gekreuzten Beinen. Ihre Leiche soll erst nach einigen Stunden entdeckt worden sein, als der Körper schon erstarrt war. Ihr Körper konnte nicht mehr gestreckt werden, und wurde deshalb in seiner ursprünglichen Form einbalsamiert.

    Wissenschaftler aus Deutschland erforschten eine Mumie, die im Reiss-Engelhorn-Museum aufbewahrt wird. Bei der Radiokohlenstoffdatierung wurde das ungefähre Todesdatum festgestellt – zwischen 200 v.Ch. und 70 n.Ch. Bei den Zähnen und anthropologischen Merkmalen wurde nachgewiesen, dass es sich um einen Menschen im Alter von 35 bis 45 Jahren handelt.

    Bei Computertomografie wurden Merkmale der Hypophysentumore und Zahnprobleme festgestellt; alles wies auf eine Akromegalie des Schädels hin. Diese Erkrankung wurde früher bei Analyse der antiken Skeletten-Überreste aus Ägypten, Nordamerika und Mexiko diagnostiziert. Nach aktuellen Angaben leiden an Akromegalie vor allem Menschen im jungen bzw. mittleren Alter, das Todesrisiko bei solchen Patienten ist hoch, vor allem wegen Herz- und Gefäßerkrankungen.

    Wissenschaftler aus Großbritannien lüfteten ebenfalls das Geheimnis um einen antiken Mord. Die Schichten der Mumie Takabuti, die im Ulster Museum aufbewahrt wird, wurden bereits 1835 abgenommen. Das Genom dieser adeligen Ägypterin ähnelte mehr dem europäischen. Sie hatte 33 Zähne statt 32, eine sehr seltene Mutation. Die Frau lebte vor 2600 Jahren und starb im Alter von 20 Jahren.

    Beim Scannen wurde festgestellt, dass das Herz von Takabuti unangetastet war, was ungewöhnlich war. Beim Einbalsamieren wurde dieses Organ gewöhnlich entnommen und gewogen, um zu bestimmen, wie das Leben des Verstorbenen verlaufen war. Auf dem Rücken unter der linken Schulter gab es eine Wunde – anscheinend wurde die Frau mit einem Dolch erstochen. Die Wunde wurde mit einem Stoff gestopft. Auf dem Gesicht war eine Art Genugtuung zu erkennen. Lange Zeit gingen Wissenschaftler davon aus,  dass ihr Tod friedlich im eigenen Bett verlief. Doch jetzt ist klar, dass dem nicht so war.

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    Tags:
    Geschichte, Mumie, Ägypten