12:05 02 Dezember 2020
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    Hängt die Verlaufsform davon ab, ob man bereits an anderen Corona-Viren erkrankt war? In einer Studie sprachen Immunzellen aus Blutproben auch dann noch auf das SARS-CoV-2 an, wenn sie zuvor keinen Kontakt mit dem Erreger gehabt hatten. Entscheidend war, dass sie Strukturen vorgesetzt bekamen, in denen sich viele Corona-Viren ähneln.

    Wieso trifft das „neuartige Coronavirus“ die einen stark und die anderen kaum? Ist es lediglich das Alter, ein überfordertes Immunsystem, ein durch chronische Erkrankungen geschwächter Körper? Spielt auch der Lebensstil eine Rolle? Das sind die gängigsten Fragen, mit denen man versucht, eine Erklärung für schwere, milde und symptomlose Verlaufsformen auszusondern.

    Aber die verschiedenen Verläufe könnten auch eine andere Seite haben, nämlich die, dass der eine das Corona-Virus schon vor der Infektion kennt und der andere nicht. Was zunächst unlogisch klingt, hängt vielmehr mit dem Sprachgebrauch zusammen. Denn das „neuartige Corona-Virus“ ist so neuartig nicht. Es gehört zur Familie der Corona-Viren und ist damit mit allen ihren Mitgliedern verwandt. Es verfügt über dieselbe Grundstruktur und denselben Vermehrungsmechanismus und weicht nur in gewissen Genen und Proteinen von anderen Vertretern ab, darunter dem Spike-Protein, mit dem es an die Wirtszelle andockt.

    Sowohl für Viren als auch für befallene Zellen hat das Immunsystem Erkennungsmechanismen. Viren werden auf ihrem Weg im Körper von Antikörpern verklebt, befallene Körperzellen dagegen durch T-Zellen des Immunsystems erkannt und eliminiert. Ähneln sich zwei Viren stark, so kommt es zuweilen zur Kreuzreaktivität. Damit bezeichnet man, dass ein Antikörper oder eine T-Zelle auch an einen unbekannten Erreger oder ein unbekanntes Antigen bindet, wenn dieses mit einem bereits bekannten Erreger in Teilen, an sogenannten Epitopen, stark genug übereinstimmt.

    81 Prozent springen an

    Genau an dieser Stelle setzt eine Studie der Universitätklinik Tübingen an, die nahelegt, dass T-Zellen nach Kontakt mit saisonalen Corona-Viren auch Teile des SARS-Corona-Virus-2 erkennen können. Dabei wurden Blutproben von 180 Corona-Kranken, die nicht stationär behandelt werden mussten, mit 185 Blutproben aus der Zeit vor der Pandemie verglichen.

    Diese Blutproben setzten sie zwei verschiedenen Epitop-Gemischen aus. Das eine setzte sich ausschließlich aus solchen Epitopen zusammen, die nur beim SARS-Corona-Virus-2 vorkommen, die entsprechend auch nur von T-Zellen erkannt werden können, die bereits Kontakt mit dem Erreger hatten. Das zweite Gemische enthielt ausschließlich Bestandteile, die kreuzreaktiv sind, also bei anderen Corona-Viren sehr ähnlich sind und entsprechend auch von T-Zellen erkannt werden können, die keinen Kontakt mit SARS-CoV-2 hatten.

    Das Ergebnis: Es kam bei mindestens einer der beiden Mischungen in 100 Prozent der Fälle zu einer Reaktion im Fall der Proben von Covid-19-Erkrankten. 

    Bei den Proben aus der Zeit vor der Pandemie kam es in beachtlichen 81 Prozent der Fälle zu einer T-Zell-Antwort auf das kreuzreaktive Gemisch, während eine Reaktion bei den SARS-CoV-2-spezifischen Epitopen ausblieb.

    Dieses Ergebnis könnte bei der Erklärung der Verlaufsform künftig eine Rolle spielen. Denn es liegt nahe, dass der Verlauf umso schwerer wird, je weniger solcher Epitope das Immunsystem auf Anhieb erkennt. Da vier dieser Epitope bei den saisonalen Corona-Viren HCoV-OC43, HCoV-229E, HCoV-NL63 und HCoV- HKU1 vorkommen, könnten überstandene Erkrankungen mit diesen Vertretern auch positive Folgen für die Covid-19-Erkrankung haben.

    Für eine Untersuchung der zellulären Immunantwort hatten sich die Autoren entschieden, da aus früheren Studien zu SARS-CoV-1 bekannt sein soll, dass die antikörpervermittelte Immunität nicht so lange anhält.

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    Tags:
    Sterblichkeit, Immunität, Covid-19, Coronavirus