06:33 21 September 2020
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    Starker Regen und darauf Hitze: Das fördert die Verbreitung von Mücken. Auch hierzulande können Mückenplagen unerträglich werden. Im Urlaub in den Tropen oder Subtropen können Mosquitos sogar ernsthaft gefährlich für die Gesundheit werden. Welche Mittel gegen die Stechmücken helfen, erklärt der Zoologe und Parasitologe Heinz Mehlhorn im Interview.

    Die Weibchen der Stechmücken brauchen das Blut, damit sie Eier legen können, so Heinz Mehlhorn im Sputnik-Interview. Der ehemalige Institutsleiter der Zoologie an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf ist seit 2009 im Ruhestand. Er beschäftigt sich unter anderem mit der Entwicklung von Medikamenten gegen Parasiten. Wenn sie kein Blut saugen, trinken die Mücken süße Pflanzensäfte. Die männlichen Stechmücken trinken nur Pflanzensaft und saugen nie Blut. Man erkennt sie an ihren buschigen Fühlern.

    Überschussmengen Blut für Überschussleistungen

    „Die Weibchen bringen große Leistungen“, berichtet Mehlhorn. „Wenn man überlegt, dass die Eier zum Teil ein Drittel so groß sind wie das Weibchen selbst und sie ganz viele davon legen. Diese Eier legen sie je nach Art meistens auf das Wasser oder in feuchte Bereiche, und dort gibt es natürlich Feinde, wie Fische beispielsweise. Deswegen müssen die Eier im Überschuss abgelegt werden. Wenn man Überschussleistungen bringt, muss man auch im Überschuss Blut aufnehmen, um dann eben auch diese Leistungen vollbringen zu können.“

    ​Und wenn das dann sehr viele Mücken sind, könne das sehr wehtun. Das Blut muss nämlich in flüssiger Form gewonnen werden, ansonsten würden ihre Mundwerkzeuge verstopfen. Damit das Blut flüssig bleibt, pumpen sie Speichel in die Stichwunde. Dieser Speichel führt dann je nach Betroffenem zu unterschiedlich großen Allergiereaktionen. Man kennt das als das Jucken und Anschwellen der Stiche.  

    Mosquitos sind im Ökosystem Beutetiere. Sie werden sehr gerne von Vögeln, aber eben auch, da sich die meisten Larven im Wasser entwickeln, von Fischen und anderen Wassertierchen, wie Kleinkrebsen, gefressen. Deswegen haben die Arten nur eine Chance zu überleben, wenn sie sich so viel wie möglich vermehren.

    Zuflug von Mückenweibchen unterbinden

    „Die Mücke hat es schon gegeben, als die Menschheit noch im Busch war, oder sogar noch früher. Die haben sich immer an entsprechenden Tieren gütlich getan“, betont Mehlhorn. Die aktuellen Studien über Insektenschwund ließen sich also nicht auf die Zweiflügler beziehen. Im Gegenteil, wenn der Sommer sehr warm sei, wie in diesem und den letzten Jahren, würden sich Entwicklungszeiten verkürzen. Dann gebe es mehrere Generationen hintereinander, was dazu führe, „dass die Nächte im Bett durchaus nicht lustig werden können“.

    Betroffenen, die in der Nähe von Gewässern leben, rät der Parasitologe Mehlhorn am Fenster eine Gaze oder ein Mückennetz anzubringen. So könne man sogar die ganze Nacht bei offenem Fenster verbringen, aber die Mücken können nicht hereinfliegen. Besitzer eines Tümpels oder Teiches im Garten sollten dort Fische halten, damit diese die Larven fressen. Wichtig sei, dass man den Zuflug von Mückenweibchen oder verwandten Arten unterbindet, und das sei relativ einfach.

    So wird man für Mücken unsichtbar

    Für unterwegs oder betroffene Orte ohne Mückenschutz vor den Fenstern und Türen empfiehlt Mehlhorn Repellents. Das sind Stoffe, die man sich auf die Haut aufsprüht, die Icaridin, oder DEET (Diethyltoluamid) enthalten. Er erklärt:

    „Da tarnen wir uns praktisch. Da machen wir das wie weiland Siegfried, als er die Brünhild für Gunther eroberte. Da wird man unsichtbar.“

    Das Problem ist hier nur: Die Stoffe halten nicht sehr lange. Die Repellents wirken meistens fünf oder sechs Stunden, je nachdem wie viel man schwitzt. Manche Mücken saugen zweimal pro Nacht, so wie die Anopheles (Malariamücke), Aedes, oder insbesondere Culex; zu der Art gehört auch die Gemeine Stechmücke. Auch sind die meisten Wirkstoffe wasserlöslich, weshalb sie nach dem Baden in Meer und See neu aufgetragen werden müssen. Der Mückenexperte Mehlhorn führt aus:

    „Wenn man also im Sommer im Freien ist und zum Beispiel grillt, dann würde ich mir so ein Repellent auf die Haut sprühen. Das ist insbesondere in den Tropen, aber auch schon in den Subtropen, ganz wichtig. Dort können die Mücken oder deren Verwandte durchaus sehr schwerwiegende Erreger übertragen. Nach wie vor sterben auch immer noch in Deutschland Leute an Malaria, weil man die Mücken im Urlaub unterschätzt hat.“

    Notfalls den Arzt aufsuchen

    Wichtig ist, dass man sich auch an Stellen einsprüht, an die man nicht immer denkt. Die Ohren zum Beispiel stehen vom Kopf ab, und Mücken stechen auch in die Ohrmuschel oder hinter den Hörorganen. Alle Repellents, betont Mehlhorn, sind in der Dosierung, in der man sie erhält, nicht gefährlich, aber man sollte sie ordnungsgemäß auftragen.

    Mückenspiralen, die man häufig aus dem Urlaub im Süden kennt, werden einfach aufgestellt und angezündet. Dann glimmt das Räucherwerk stundenlang vor sich hin und gibt einen Rauch ab, der Mücken abhält. Aber wenn eine Mücke richtig Hunger habe, mehrere Tage nichts gesogen habe und Eier legen müsse, dann werde sie auch darüber hinwegsehen, warnt Mehlhorn.

    Sollte man tatsächlich mit ungewohnten Symptomen, wie Fieber oder Ähnliches, aus dem Urlaub nach Hause kommen, sollte man dies auf jeden Fall beim Arzt abklären lassen und, so betont Mehlhorn, ihm unbedingt sagen, dass man in einem Risikogebiet gewesen sei.

    Das komplette Interview mit Prof. Heinz Mehlhorn zum Nachhören:

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    Tags:
    Repellent, Insektenfresser, Insekten, Insektenstich, Mücken, Stechmücken