16:48 25 September 2020
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    Der ehemalige Chefarzt für Infektionskrankheiten in Moskau Nikolai Malischew hat die strikte Selbstisolation während der Pandemie kritisiert, denn sie hätte zu keiner signifikanten Verringerung der Corona-Ausbreitung geführt. Die Impfung gegen das neuartige Virus soll auf freiwilliger Basis erfolgen, so der Professor.

    „Wir sehen, dass die Zahl der Hospitalisierungen abnimmt. Die Infizierten-Zahl sinkt ebenfalls, allerdings nur sehr langsam. Das ist ein Problem. Was können wir dagegen unternehmen? Die strenge Selbstisolation, die wir bereits durchgemacht haben, hat gezeigt, dass es nicht möglich ist, ein positives Ergebnis bei der Eindämmung (Reduktion der Ansteckungen auf ein vorbestimmtes niedriges Niveau) des Virus zu erzielen“, erklärte Malischew bei der Pressekonferenz in der Informationsagentur „Rossiya Segodnya“.

    Er bemerkte, dass es daher in Zukunft nicht mehr so viele Methoden zur Bekämpfung des Coronavirus geben werde. „Wir müssen entweder auf einen wirksamen Impfstoff warten, oder wir werden weiterhin mit dem Coronavirus leben müssen.“

    Der Professor warnte auch davor, dass Studien mit dem registrierten Corona-Impfstoff neue Nebenwirkungen ans Tageslicht bringen könnten, die in der ersten und zweiten Testphase noch nicht festgestellt worden seien.

    „Die Impfung ist freiwillig. Jeder kann für sich selbst entscheiden, ob er sich impfen lässt oder wartet, bis die dritte Testphase abgeschlossen ist. Voraussetzung ist ein Arztbesuch vor der Impfung, damit der Gesundheitszustand abgeklärt wird“, betonte der habilitierte Mediziner.

    Der Impfstoff soll laut den Angaben zwei Jahre wirken, erklärte der Arzt. Gleichzeitig betonte er insbesondere, dass Kinder derzeit noch nicht geimpft würden.

    Laut Malischew wird niemand extra mit dem Erreger infiziert, um die Wirkung des Impfstoffs zu testen. „Früher haben herausragende Wissenschaftler solche Experimente durchgeführt. Das ist nun absolut verboten, ebenso wie es untersagt ist, einen Impfstoff an sich selbst zu testen.“

    Die Annahme, dass es bei dem im Gamaleja-Zentrum entwickelten russischen Corona-Impfstoff einen Technologiediebstahl gegeben haben könnte, bewertete der Experte als praktisch unmöglich.

    „Der Grund dafür ist, dass die Arbeit an einem Medikament nie ein großes Geheimnis war. Es gibt keine Geheimnisse. Alles ist schon lange bekannt. Es ist bekannt, wie es hergestellt wird, wie lange alles dauert.“

    Malischew empfiehlt, weiterhin Schutzmasken zu tragen, denn die erste Corona-Welle dauere nach wie vor an. Dem fügte er hinzu, dass normalerweise ab Spätherbst ein Anstieg der Viruserkrankungen zu erwarten sei. „Es gibt allgemeine epidemiologische Merkmale. Ich denke, dass es zusammen mit dem Anstieg virusbedingter Atemwegserkrankungen auch mehr Covid-19-Fälle geben wird“, so Malischew.

    Gleichzeitig bemerkte er, dass das Coronavirus allmählich schwächer werde – immer mehr Infizierte erkrankten leicht. „Die Infizierten-Zahl ist weit höher als die Anzahl der hospitalisierten Patienten“, erklärte er unter Verweis auf die neuesten Statistiken.

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    Tags:
    Selbstisolation, Ausbreitung, Coronavirus