17:19 18 September 2020
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    Fall Nawalny: Streit um Vergiftung des Kreml-Kritikers (90)
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    Um die Situation um die angebliche Vergiftung des Kremlkritikers Alexej Nawalny fachgerecht besprechen zu können, muss man zuerst den konkreten Wirkstoff kennen, von dem die Rede ist, meint Gerichtschemiker Dmitri Gladyschew gegenüber RIA Novosti.

    „Erstens, es existiert keine Nowitschok-Giftgruppe, es gibt keinen Stoff mit dem Namen 'Nowitschok', das ist nur ein erfundener Name für Laien, deswegen kann man nicht von einer Giftgruppe sprechen. Wenn Chemiker – ich habe doch die Kommentare (von Experten gegenüber Medien – Anm. d. Red.) nicht gehört – keinen konkreten Wirkstoff, sondern die 'Nowitschok-Giftgruppe' erwähnten, wäre das als hätten sie gar nichts gesagt”, so der Chemiker.

    Erst dann, wenn der konkrete Giftstoff genannt wird, könnte man Stellung nehmen, erläuterte Gladyschew.

    Früher am Mittwoch teilte Regierungssprecher Steffen Seibert mit, dass ein Spezial-Labor der Bundeswehr „zweifelsfrei” einen Kampfstoff der Nowitschok-Gruppe bei Nawalny nachgewiesen habe. Der Kreml sowie das Außenministerium Russlands erläuterten auf Anfrage russischer Medien, dass Moskau bislang keine Informationen von Deutschland über die Ergebnisse der Untersuchung erhalten habe. 

    Die russischen Ärzte, die Nawalny noch vor seinem Transport nach Berlin behandelt hatten, sagten vom Anfang an, dass sie keine Giftspuren bei ihm nachgewiesen hätten. Sie sprachen von einem niedrigen Cholinesterase-Niveau, das in der Berliner Charité als Hinweis auf eine Vergiftung mit Cholinesterase-Hemmern eingeschätzt wurde.

    Zuvor hatte Leonid Rink, der an der Entwicklung des Giftstoffes A-234 (als „Nowitschok” bekannt) gearbeitet hatte, behauptet, dass Russland von Deutschland keine Beweise für die angeblich Vergiftung des oppositionellen Bloggers erhalten werde.

    msch/mt/sna

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