12:33 22 Oktober 2020
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    Das zur Shvabe Holding gehörende Swerew-Werk in Krasnogorsk hat die russlandweit erste Anlage „Detektor-BIO“ zur Entdeckung von Viren einschließlich COVID-19, aber auch Bakterien und Toxinen in der Luft präsentiert. Das Gerät braucht für die maschinelle Auswertung einer Luftprobe zehn bis 30 Minuten, je nach Konzentration der Krankheitserreger.

    Das Gerät soll für die Sicherheit bei Massenveranstaltungen, an Infrastrukturanlagen, in der U-Bahn, in Flughäfen, Bahnhöfen und Verkehrsknotenpunkten, Stadien und Konzerthallen sorgen, sagte im Sputnik-Gespräch Nikolai Tyschkunow, der das Gerät entwickelt hat. „Es ist ein eher kleiner Schrank, von der Größe eines Kühlschranks. Oben ist ein Teilchenzähler eingebaut. Die Anlage überwacht stets die Partikelmenge im Raum.“

    Gewöhnlich sei Staub in der Luft vorhanden, so der Ingenieur. „Wenn aber die Anzeige am Gerät auf einmal von dem Hintergrundwert abweicht, etwa beim Versprühen von Aerosolen, oder wenn jemand niest, wenn Menschen kommen, geraten die Teilchen ins Schwingen und die Probeentnahmeeinrichtung schaltet sich ein. Sie funktioniert ähnlich wie ein Staubsauger. Sie entnimmt eine große Luftmenge von 15 Kubikmetern und verflüssigt sie, wodurch eine flüssige Probe entsteht.“

    „Diese Probe wird in drei Teile gegliedert“, berichtet Tyschkunow weiter. „Der eine wird archiviert. Wird etwa eine pathogene Biologie entdeckt, müssen Epidemiologen und Virologen mit ihr dann arbeiten. Die zweite Teilprobe wird für die Polymerase-Kettenreaktion, die sogenannte PCR, verwendet, mit der wir inzwischen häufig auf Coronavirus getestet werden, und noch eine für den Immunassay. Dies alles geschieht in Echtzeit. Getestet wird also in zwei parallelen Verfahren. Auf diese Weise wird festgestellt, ob ein Krankheitserreger vorliegt, wonach alle Daten dem vor kurzem in Russland gegründeten Nationalen Überwachungszentrum für biologische Gefahren übermittelt werden.“

    „Wir installieren dieses Gerät in einem Flughafen oder Bahnhof“, fährt der Forscher fort. „Die Daten werden an das Schaltpult des Sicherheitspersonals übertragen. Dieses meldet die eventuelle Gefahr. Es werden dann extra Leute vom Soforteinsatzteam gerufen. Der ganze Zweck der epidemiologischen Einsätze ist eine möglichst schnelle Entdeckung und Eindämmung des Ansteckungsherdes. Danach werden Quarantänemaßnahmen verhängt, je nach dem Befund.“

    Das Wichtigste sei nämlich, dass die Ausbreitung der Infektion in der Stadt verhindert werde, hebt Tyschkunow hervor. „Es geht dabei nicht nur um das Coronavirus, sondern auch um die Grippe, die ebenfalls schwere Komplikationen nach sich zieht. Unser Gerät ist in der Lage, im vollautomatischen Betrieb gleichzeitig bis zu 86 Infektionserreger viraler wie bakterieller Natur in der Umgebungsluft auszumachen, darunter die von Pest und Milzbrand, aber auch Giftstoffe.“

    Gerät zur Entdeckung des Coronavirus in der Luft von Shvabe
    © Foto : Shvabe
    Gerät zur Entdeckung des Coronavirus in der Luft von Shvabe

    Weltweit gebe es keine vollständige Entsprechung zu unserem Gerät, urteilt der Spezialist. „In den USA läuft ein Programm zur Überwachung ähnlicher Gefahren. Auch in Singapur und Südkorea wurden solide Entwicklungen gemacht. Sie alle gehen in dieselbe Richtung, nur auf verschiedenen Wegen. Dabei ist das US-System weniger autonom. Der Mensch muss dort intensiver eingreifen. Dagegen kann unsere Anlage sieben Tage lang ganz ohne Bedienung funktionieren. Sie hat genug Nachweisreagenzien und muss nicht täglich bedient werden.“

    „Gegenwärtig arbeiten wir daran, die autonome Betriebszeit unseres Geräts auf 30 Tage zu verlängern“, teilt Tyschkunow mit. „Für die Staatsprüfungen haben wir fünf solche Geräte hergestellt. Eines davon haben wir am Eingang zu unserem Werk installiert, noch eins im Technologiepark und ein drittes im Verteidigungsinstitut, da, wo der Menschenstrom am dichtesten ist. Was unseren Eingangsbereich betrifft, so wird er in einer halben Stunde von 700 Personen passiert. Das lässt sich als Vollbetrieb einstufen.“

    Der Ingenieur fügt hinzu: „Wir haben beobachtet, wie sich die Hintergrundwerte veränderten. Gott sei Dank wurde bei uns keine Ansteckung entdeckt. Es geht darum, Risiken auszuschließen.“ Tyschkunow erinnert an die Aum-Sekte, deren Anhänger in der U-Bahn von Tokio das Giftgas Sarin freigesetzt hatten. „Die USA starteten die Arbeit an ihrem System, nachdem dort Briefe mit Milzbrandsporen per Post verschickt worden waren. Wir haben auch eine Variante für größere Postknoten gestaltet, um auch dort die Lage zu überwachen.“

    Die Anlage ist in Zusammenarbeit mit dem Moskauer Gamaleja-Forschungsinstitut für Epidemiologie und Mikrobiologie entstanden, von dem auch der Impfstoff gegen das Coronavirus entwickelt wurde. Auch diesmal stammt die Idee von ihm. „Wir haben das Gerät als sein technologischer Partner entwickelt. 2021 soll die Serienfertigung starten. Die Prüfungen sind im Juni abgeschlossen worden. Seine Zertifizierung wird erst vorbereitet, deshalb wäre es verfrüht, von Aufträgen zu reden. Dennoch ist unsere Bereitschaft maximal, wir können unter Umständen so viel produzieren, wie der Auftraggeber braucht“, sagt Tyschkunow zum Schluss.

    Gerät zur Entdeckung des Coronavirus in der Luft von Shvabe
    © Foto : Shvabe
    Gerät zur Entdeckung des Coronavirus in der Luft von Shvabe
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    Tags:
    Shvabe, Monitoring, Gerät, Bekämpfung, Russland, Coronavirus