20:20 30 September 2020
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    Zu Beginn der Corona-Pandemie in den USA haben sich einer Hochrechnung zufolge rund neun Mal mehr Menschen infiziert als offiziell angegeben. Laut einem Forscherteam von der University of California in Berkeley könnte es im Zeitraum von Mitte Januar bis Mitte April rund 6,5 Millionen Fälle im Land gegeben haben.

    Die Ergebnisse der von Jade Benjamin-Chung und Sean Wu geleiteten Forschung wurden im Fachjournal „Nature Communications“ veröffentlicht.

    Offizielle Statistiken geben für den genannten Zeitraum 721.245 Fälle an in einem Land mit 300 Millionen Einwohnern. Eine deutliche Dunkelziffer bei den Corona-Zahlen gibt es nach Experteneinschätzung auch in etlichen anderen Ländern, beispielsweise auch in Indien und Brasilien.

    Vergleiche zwischen Ländern nach den offiziellen Statistiken haben zudem nur eingeschränkt Aussagekraft. Laut den Forschern liegt die Differenz in den USA unter anderem in der geringen Zahl von Tests begründet. Zu Beginn der Corona-Ausbreitung in den USA seien in Krankenhäusern nur Patienten mit gemäßigten bis starken Symptomen getestet worden - viele Infizierte haben jedoch nur milde oder überhaupt keine Symptome. Zudem hätten nicht alle Tests genaue Ergebnisse geliefert.

    Die Forscher analysierten die Zahlen für alle US-Bundesstaaten. Die meisten Infektionsfälle gab es demzufolge im Nordosten, dem Mittleren Westen und in Louisiana im Süden. Insgesamt kommen sie für den Zeitraum von etwa Mitte Januar bis Mitte April auf rund 6,5 Millionen Infektionen - das wären 19 je 1000 Personen und rund neun Mal mehr als nach den offiziellen Angaben.

    Bereits im Juni hatten Vertreter der US-Gesundheitsbehörde CDC davon gesprochen, dass in den USA wohl wesentlich mehr Menschen mit dem Coronavirus infiziert gewesen seien als bislang bekannt.

    „Für jeden Fall, den wir verzeichnet haben, gab es wahrscheinlich zehn weitere Infektionen“, hatte CDC-Direktor Robert Redfield gesagt.

    Die Behörde gibt derzeit für die USA gut 6,3 Millionen bekannte Corona-Infektionen an - mehr nachgewiesene Fälle als in jedem anderen Land der Welt. Rund 190.000 Menschen starben laut CDC infolge einer Covid-19-Erkrankung. Wissenschaftler befürchten bis zum Jahresende mehr als 410.000 Corona-Tote in den USA.

    ls/mt/dpa

     

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    Tags:
    "Nature Communications", University of California, USA