16:43 18 September 2020
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    Wissenschaftler aus sechs Ländern haben ihr Projekt zur Entwicklung einer neuen Klima-Eichkurve der Erde der letzten 66 Millionen Jahre abgeschlossen. Die Ergebnisse der Studie wurden in der Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht.

    Zum ersten Mal entstand eine ausführliche und lückenlose Kurve der Veränderung der durchschnittlichen globalen Temperaturen vom Beginn des Känozoikums bis zur Jetztzeit.

    Die Forscher stützten sich dabei auf Angaben des International Ocean Discovery Program (IODP), das schon seit etwa 50 Jahren umgesetzt wird. Die Wissenschaftler, die sich am CENOGRID-Projekt (CENOzoic Global Reference) beteiligen, erforschten Foraminiferen-Gehäuse, die sie in Bodenablagerungen im Weltozean entdeckten.

    Die Wissenschaftler stellten solche Verhältnisse zwischen Sauerstoff- und Kohlenstoff-Isotopen fest, die ihnen erlaubten, die wichtigsten paläoklimatischen Parameter herauszufinden: die Temperatur und den CO2-Gehalt in der Atmosphäre. Dann verglichen sie diese Daten mit den Variationen der Erdbahn (bekannt auch als Milanković-Zyklen).

    Nach der gemeinsamen mathematischen Analyse dieser Daten erstellten sie die Kurve, die detaillierte Informationen über die Durchschnittstemperaturen, über den globalen Eisumfang und den Kohlenstoffzyklus in den letzten 66 Millionen Jahren enthält.

    Die Eichkurve der letzten 34 Millionen Jahre war 2001 erstellt worden, aber noch frühere Angaben fehlten damals. Jetzt setzten die Experten die modernsten Methoden zur Erforschung von Tiefwasserkernen ein und haben die Kurve quasi bis zum Beginn der Erdneuzeit verlängert. Zudem ist die neue Eichkurve viel ausführlicher als die frühere.

    „Unser Ziel war es, für alle Forscherinnen und Forscher weltweit eine Referenzkurve des Erdklimas zu erstellen, die nicht nur die höchst aufgelösten Daten aus 66 Millionen Jahren vereint, sondern auch zeitlich deutlich präziser ist“, wurde in der entsprechenden Pressemitteilung der Bremer Universität der Erstautor des Artikels, Thomas Westerhold, von MARUM, dem Zentrum für Marine und Umweltwissenschaften, zitiert. „Wir wissen nun genauer, wann es wärmer oder kälter auf dem Planeten war und welche Dynamik dem zugrunde liegt.“

    Die Ergebnisse der Studie zeigten, dass sich das globale Klima in der Erdneuzeit mehrmals änderte – vom warmen am Anfang zum heißen in der Zeit zwischen dem Paläozän und dem Eozän, dann wieder zum warmen am Ende des Eozäns, dann zum kalten im Oligozän und Miozän und schließlich zum eiskalten im Pliozän und Pleistozän. Wir leben gerade in einer mäßig warmen Zeit dieser megalangen Eiszeit, die als Holozän bekannt ist.

    Es stellte sich dabei heraus, dass zyklische Veränderungen der Erdbahnparameter, die früher als wichtigste Faktoren der Klimaveränderung galten, für kleinere Schwankungen innerhalb von längeren Klimaperioden zuständig sind, während längerfristig andere Faktoren wichtig sind: der Eisschild-Umfang und der CO2-Gehalt in der Atmosphäre.

    So war es auf der Erde vor etwa 50 Millionen Jahren besonders heiß, und zwar während des so genannten Paläozen/Eozen-Temperaturmaximums. Damals lagen die Temperaturen um 14 bis 16 Grad Celsius über den jetzigen. Der Grund dafür waren die massiven Kohlenstoffausstöße in die Atmosphäre wegen zahlreicher Vulkanausbrüche im Nordatlantik.

    Die aktuelle Klimaerwärmung führen die Forscher ebenfalls auf immer größere Treibhausgasausstöße in die Atmosphäre zurück, allerdings aus einem anderen Grund: wegen der Aktivitäten der Menschen, deren Einfluss auf das Klima mit intensivsten natürlichen Prozessen vergleichbar ist.

    Laut einer Prognose des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC)) könnte die durchschnittliche globale Temperatur bis 2300 im Vergleich zur Zeitspanne zwischen 1961 und 1990, die quasi als Ausgangspunkt gilt, um 8,5 Grad steigen, falls man keine Maßnahmen zum Klimaschutz ergreifen sollte.

    Aber selbst bei dem „optimistischen“ Szenario, das einen Temperaturanstieg um „nur“ 2,6 Grad vorsieht, würde schon 2150 eine Schmelze kontinentaler Eisschilde beginnen, was einen starken Anstieg des Meeresspiegels auslösen würde – mit allen negativen Folgen, warnen die Experten.

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    Tags:
    Eisberg, Klimawandel, Arktis