10:32 04 Dezember 2020
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    Die Impfstoff-Studien laufen noch, aber schon stellt sich die Frage nach der Verteilung. Sollte nach einem festen mathematischen Schema verteilt werden oder wird am Ende der „Impfstoff-Nationalismus“ siegen? Weltgesundheitsexperten zeigen in einem Aufsatz einen dritten Weg auf.

    Wenn die Corona-Impfstoffe auf den Markt kommen, ist die Pandemie selbst nicht gleich besiegt. Denn sie werden nur in beschränktem Ausmaß verfügbar sein und es stellt sich die Frage, wie sie weltweit gerecht und angemessen verteilt werden sollten.

    In der Debatte gibt es bislang zwei Tendenzen: Während die eine Seite findet, dass Mitarbeiter im Gesundheitswesen und Hochrisiko-Gruppen als Erste geimpft werden sollten, schlägt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor, den Impfstoff nach der Einwohnerzahl des jeweiligen Landes zu verteilen. Mehr Einwohner bedeutet dann mehr zugestellten Impfstoff. Zugleich gibt es die Sorge um einen aufkommenden „Impfstoff-Nationalismus“. Das heißt, dass die Länder, die über einen Impfstoff verfügen, die eigenen Bürger bevorzugen und im Extremfall andere Länder zweitranging versorgen.

    Ein neues Verteilungsmodell bei der Impfung

    Nun haben 19 Experten für Weltgesundheit ein neues Verteilungsmodell vorgeschlagen, da die bisherigen Vorschläge aus ihrer Sicht ernsthafte Mängel aufweisen. Dieses internationale Modell soll:

    • nützlich für die Menschen sein
    • das Leid der Erkrankten mindern
    • die Benachteiligten priorisieren

    Der Impfstoff soll drei Schadensarten bekämpfen: direkte Schäden wie Tod und Organschädigungen, indirekte Gesundheitsschäden durch das überforderte Gesundheitssystem oder Stress und schließlich den Zerfall der Wirtschaft und die Zunahme von Armut.

    Das Drei-Phasen-Modell

    Das Modell teilt sich entsprechend in drei Phasen auf, wobei das Ziel ist, die Zahl der Todesfälle zu verringern.

    • In der ersten Phase soll der Impfstoff in erster Linie zum Einsatz kommen, um den vorzeitigen Tod zu verhindern. Dieser wird nach einem festen Schema gerechnet, dessen Basis die durchschnittliche Lebenserwartung ist.
    • In der zweiten Phase wird die Wirtschaft allgemein verbessert und die Armut verhindert, soweit es möglich ist. Denn auch die Armut verkürzt indirekt die Lebensdauer.
    • In der dritten Phase werden dann Länder mit hohen Infektionszahlen bevorzugt.  Am Ende müssen alle Länder ausreichend Impfstoffe erhalten, damit das Virus durch eine Herdenimmunität aufgehalten wird.

    Laut WHO-Plan dagegen sollen drei Prozent aller Menschen geimpft und der Vorgang so oft wiederholt werden, bis 20 Prozent erreicht sind. Das wird aus Sicht der Weltgesundheitsexperten den unterschiedlichen Situationen in verschiedenen Ländern nicht gerecht. Stattdessen müsste die Lage analysiert werden und wenn im Land A das Virus zum Versterben vieler Menschen führt, weil das Gesundheitssystem dort die Pandemie nicht tragen kann, dann muss dieses dem Land B, in dem kaum Tote zu vermelden sind, in Phase 1 vorgezogen werden.  Das wird dazu beitragen, dass die Menschen so wenig wie möglich leiden.

    Eine Rolle bei diesem Plan spielen außerdem die Zahl der Mitarbeiter aus dem Gesundheitswesen, die gegen das Virus ankämpfen, der Anteil an Über-65-Jährigen der Einwohner und die Zahl der Menschen mit Vorerkrankungen.

    Der wissenschaftliche Aufsatz ist am Freitag in der Fachzeitschrift Science erschienen.

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    Tags:
    WHO, Gesundheitswesen, Gesundheit, Pandemie, Impfung, Impfstoff, Coronavirus, Corona-Impfstoff