16:17 25 September 2020
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    Gibt es Mikroben auf der Venus? Obwohl sie für Leben unwirtlich scheint, wurden in ihrer Atmosphäre große Mengen Phosphin nachgewiesen. Der Stoff entsteht auf der Erde nur durch Lebensprozesse und auch für die Venus lässt sich keine rein physikalische Erklärung finden, wie Forscher in einer Studie zur Venus-Atmosphäre betonen.

    Wer Leben im Weltall sucht, muss nicht zwangsläufig Botschaften aussenden, nach ihnen horchen oder Spuren von Aliens-Technologien suchen. Eine solche Suche beschränkt sich auf intelligentes, technologisch fortgeschrittenes Leben. Es kann aber auch in anderen einfachen Stadien der Entwicklung vorliegen, wie etwa früher auf der Erde, als nur einfache Bakterien und andere Einzeller den Planeten bevölkerten. Wer solches Leben aufspüren will, der tut gut daran, die Zusammensetzung der Atmosphäre von Planeten genau unter die Lupe zu nehmen. Kommen bestimmte Gase in einer so hohen Konzentration vor, wie sie von der Geologie des Planeten nicht zu erwarten wäre, dann kann dies ein Hinweis auf Leben sein. Wenn man dann noch auf Moleküle stößt, die nur von biologischen Wesen produziert werden können, spricht man von Biosignaturen, und diese legen sogar die Existenz von Leben auf dem jeweiligen Himmelskörper sehr nahe.

    Atmosphäre lebensfeindlich, aber wo kommt das Phosphin her?

    Genau das scheint bei der eigentlich recht unwirtlichen Venus der Fall zu sein. Auf der Oberfläche herrschen Extremtemperaturen von mehr als 400 Grad, ein Druck von über 90 bar und eine sehr hohe Kohlenstoffdioxiod-Konzentration sowie Wolken, die aus ätzender Schwefelsäure bestehen. Doch gerade in diesen Wolkenschichten, in denen zumindest lebensfreundliche 30 Grad Celsius herrschen, sind Astrophysiker auf das Gas Phosphin gestoßen. Das Gas mit der Strukturformel PH3  gehört aus Sicht der Forscher dort nicht hin, dass der Phosphor viel eher mit Sauerstoff reagieren müsste. Es sind aber, so das Wissenschaftlerteam, keine „abiotischen Produktionswege“ oder einfach physikalische Prozesse auf der Venus bekannt, die zu diesem Stoff führen. Das legt den Schluss nahe, dass der Stoff bei anderen Vorgängen entstehen könnte – Vorgängen etwa, die in anaeroben Bakterien ablaufen könnten, die die Wolken bevölkern.

    Bakterien müssten einiges vertragen

    Zumindest gilt für die Erde, dass der Stoff in der Natur ausschließlich von Lebewesen produziert wird oder in Lebewesen vorkommt. Auch bei der Venus wundert sich die Astrophysiker-Gemeinde schon seit langer Zeit über dunkle Flecken in den Venuswolken. Über Mikroorganismen wird nicht erst seit gestern spekuliert. Gleichzeitig stellt sich aber auch die Frage, was das für Bakterien sein sollen, denn auf der Erde reichen bereits fünf Prozent Schwefelsäure, um Leben zu zerstören, in den Venuswolken ist aber mit bis zu 90 Prozent zu rechnen.

    Phosphin in solcher Menge mit Naturphänomenen nicht erklärbar

    Der erste Nachweis von Phosphin in der Venusatmosphäre wurde bereits 2017 vom James-Clerk-Maxwell-Teleskop erbracht und von einer gewissen Skepsis begleitet, wegen der lebensfeindlichen Atmosphäre. Um die Eignung des Moleküls als Biomarker zu testen, wurden daraufhin auf der Erde viele Tests durchgeführt, um zu analysieren auf welchen nicht-biologischen Wegen der Stoff entstehen kann. Doch selbst Szenarien von Vulkanausbrüchen und Blitzen erklären höchstens ein Zehntausendstel der Menge, die in den Venuswolken nachgewiesen wurde. 2019 wurden die Messungen noch einmal von anderer Seite, der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile bestätigt.

    Die Autoren der aktuellen Analyse des Phosphinvorkommens bringen drei mögliche Hypothesen ins Spiel. Sie schreiben: „PH3 könnte von unbekannter Photochemie oder Geochemie herrühren oder analog zur Entstehung von PH3 auf der Erde durch das Vorliegen von Leben.“

    Diese Frage lässt sich nur durch weitere Venus-Missionen beantworten. Russland plant etwa weitere Flüge zu dem Planeten in den Jahren 2026 und 2031 und könnte auch von seiner Venera-D-Sonde einen Ballon in die Venusatmosphäre schicken. Das könnte auch in einer Kooperation mit der NASA geschehen, die über entsprechende Konzepte verfügt.

    Die Studie ist am Montag in Nature Astronomy erschienen.

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    Tags:
    Weltraumforschung, Extraterrestrisches Leben, Bakterien, Venus