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    Wie die Erkrankung Covid-19 verläuft, ist mittlerweile recht gut bekannt. Doch wie lange Folgen wie Lungenschäden, ein geschwächtes Immunsystem oder chronische Erschöpfung anhalten und was dagegen getan werden kann – ist bislang noch Gegenstand der Forschung. Ein Ausschnitt aus der Studienlandschaft.

    Atemnot, Herzprobleme, extreme Müdigkeit – und längst kein Virus mehr im Körper. Die Langzeitfolgen von Covid-19 machen manchen Patienten noch Monate nach der überstandenen Infektion zu schaffen. Um ihnen auch bei diesen Beschwerden helfen zu können, müssen Mediziner sie erst untersuchen. Doch die wissenschaftliche Aufklärungsarbeit, welche Folgen wie lange bestehen können, fängt gerade erst an.         Eine Auflistung laufender und geplanter Langzeitstudien hat am Montag die Fachzeitschrift Nature  publiziert, Sputnik hat sie zusammengefasst.

    Vernarbtes Lungengewebe im CT

    Im Januar untersuchten der Radiologe Ali Gholamrezanezhad und Kollegen von der Südkalifornischen Universität Los Angeles Patientenlungen im Computertomographen. 33 dieser Patienten wurden von den Forschern über einen Monat später erneut untersucht. Das Ergebnis: Mehr als bei einem Drittel von ihnen konnte abgestorbenes, vernarbtes Lungengewebe beobachtet werden.

    Es handelt sich aus Sicht der Forscher um Worst-Case-Patienten, sie alle waren zuvor hospitalisiert gewesen. Die Mehrzahl der Corona-Kranken kommt eben nicht ins Krankenhaus. Den Anteil solcher Patienten schätzt der Radiologe auf unter zehn Prozent aller Erkrankten. Auf einer globalen Skala bedeutet das allerdings immer noch mehrere Hunderttausend Menschen.

    Auch die medizinische Universität Innsbruck hat eine Studie durchgeführt, bei der sogar bei 88 Prozent der 50- bis 70-jährigen Patienten leichte bis mittelstarke Veränderungen der Lunge aufzeigten. Diese bildeten sich rasch zurück, aber auch nach sechs Wochen klagten 55 Prozent der Patienten über körperliche Beeinträchtigungen.

    Eine vorab veröffentlichte Studie zu hospitalisierten Covid-19-Patienten berichtet von 70 Prozent, die auch einen Monat später noch an Kurzatmigkeit leiden und von 13,5 Prozent, die noch Sauerstoff zu sich nehmen.

    Diese Ergebnisse entsprechen den Berichten über Atembeschwerden, die noch lange nach überstandener Infektion anhalten.

    Geschwächtes Immunsystem

    Von vielen Viren ist bekannt, dass sie das menschliche Immunsystem auf längere Zeit schwächen. Bei SARS wird die Produktion von Interferonen gestört wird. Interferonen sind bei Virusinfektionen von Körperzellen gebildete Eiweißkörper, die nicht infizierte Zellen vor Viren schützen. Während der Covid-19-Erkrankung kann es aber bekanntlich auch zu einer Überreaktion kommen und sich eine gefährliche Entzündung entwickeln. Die Frage, die hier noch beantwortet werden muss, lautet: Wie entwickelt sich das gehemmte oder überreizte Immunsystem auf lange Sicht?

    Mit dieser Fragestellung beschäftigt sich das Projekt „COVID Human Genetic Effort“, das weltweit tausende von Menschen in die Studie einschließen will, um nicht nur die Folgen für das

    Immunsystem zu untersuchen, sondern auch die Frage, welche Gene welcher Bevölkerungsgruppe für solche Reaktionen des Immunsystems empfänglich machen.

    Herzprobleme

    Entzündungsprozesse schlagen bekanntlich leicht aufs Herz. Ganz im Einklang mit dieser Tatsache soll ein Drittel der hospitalisierten Covid-19-Patienten Herzkreislaufsymptome aufweisen. Diese sind zwar in der Regel vorübergehend, aber auch nachdem sie verschwinden – sagen Mediziner -  ist das Risiko für Herzkreislauferkrankungen noch länger erhöht. Bei der Pneumonie etwa ist bereits bekannt, dass das Risiko für solche Krankheiten auf zehn Jahre gegenüber Nicht-Erkrankten erhöht ist.

    Auch hier beginnen die ersten Studien, etwa sechs im Juni gestartete Untersuchungen der British Heart Foundation in London. Eine dieser Untersuchungen soll Patienten bis sechs Monate nach der Hospitalisierung auf Schäden an Herzen und anderen Organen untersuchen. Beim europäischen CAPACITY-Projekt werden Daten von Dutzenden europäischer Krankenhäuser zu dieser Fragestellung sogar schon seit März erhoben.

    Chronische Erschöpfung

    Eine besonders heimtückische Langzeitfolge stellt eine schwere langanhaltende Erschöpfung nach der Erkrankung dar. Die Berichte von Menschen, die von lähmender Müdikeit und körperlichem Unwohlsein geplagt werden, mehren sich seit Monaten.

    53 Prozent von 143 Probanden, die aus einem Krankenhaus in Rom entlassen wurden, beschweren sich im Rahmen einer Studie über starke Müdigkeit und 43 Prozent über Kurzatmigkeit. Eine chinesische Studie stellt sogar drei Monate nach Erkrankung bei Patienten ungewöhnliche Lungenaktivität und bei 16 Prozent chronische Erschöpfung fest.

    SARS-CoV-2 Zellen
    © AFP 2020 / National Institute of Allergy and Infectious Diseases / Handout
    Bei etlichen Patienten entsprechen die Symptome dabei dem „Chronic Fatigue Syndrome“, zu Deutsch dem chronischen Erschöpfungssyndrom. Da die Ursachen dieser Erkrankungen bis heute unbekannt sind, kann sie nur aus subjektiven Eindrücken der Patienten abgeleitet werden. Es wird also schwierig sein, Covid-19-Folgen mit dieser Erkrankung in Verbindung zu bringen, falls eine besteht.

    Es scheinen derzeit keine Studien zur Erschöpfung als Folge von Covid-19 zu laufen, allerdings hatten Forscher dieselbe Fragestellung in Bezug auf Ebola untersucht und dabei auch sechs Langzeitfolgen entdeckt, darunter Gedächtnisschwund. Auch bei Covid-19 wollen sie eine Langzeitfolgen-Studie durchführen und die Patienten bis zu 12 Monaten in regelmäßigen Abständen beobachten. Untersucht werden dabei Gehirn, Herz, Lungen und Nieren der Patienten.

    Für SARS dagegen liegen bereits Erkenntnisse zum Thema Erschöpfung vor. In einer kanadischen Studie werden 22 Patienten beschrieben, die nach ihrer Erkrankung über eine Zeitdauer von 13 bis 36 Monaten nicht arbeitsfähig waren. Ihr Symptombild war: ständige Erschöpfung, Muskelschmerzen, Depressionen und Schlafstörungen. In einer anderen Studie, die SARS-Patienten vier Jahre begleitete, wurde bei 40 Prozent der Patienten chronische Erschöpfung festgestellt.

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    Tags:
    Virus, Gesundheit, Pandemie, Covid-19, Coronavirus