04:38 29 Oktober 2020
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    Forscher haben herausgefunden, dass häufiger Sex das Gedächtnis verbessert und die Bildung neuer Nervenzellen fördert. Experimenten ergaben, dass Frauen, die oft Sex hatten, die Gedächtnis-Aufgaben besser lösen.

    Ältere Menschen mit regelmäßigem Geschlechtsverkehr verzeichneten mehr Klarheit im Kopf als Altersgenossen, die auf Sex verzichteten.

    Besser denken

    Wissenschaftler der Princeton University wurden bei der Beobachtung von Laborratten darauf aufmerksam, dass sexuell aktive Ratten ruhiger sind als ihre jungfräulichen Verwandten. Es wurde vermutet, dass es sich um Stress-Hormone handelt – Glukokortikoid. Doch bei den Männchen, die im Laufe von zwei Wochen fast uneingeschränkten Zugang zu den Weibchen hatten, und jenen, die sich nie begatteten, war der Gehalt dieser Hormone gleich.

    Dafür wurde bei sexuell erfahrenen Ratten von Biologen der Anstieg der Neuronenzahl im Hippocampus fixiert – Gehirnabschnitt, der für Emotionen und Bildung der Langzeiterinnerungen aus dem Kurzzeitgedächtnis zuständig sind. Wie sich herausstellte, vermehrten sich die Nervenzellen unmittelbar nach dem ersten Kontakt mit dem Weibchen. Dabei stieg auch das Niveau der Stresshormone. Kurz danach kehrte der Gehalt der Glukokortikoiden zu den früheren Werten zurück und neue Neuronen entstanden weiter. Zudem verzeichneten die Forscher einen Anstieg der Zahl der Verbindungen zwischen den Gehirnzellen.

    Ähnliche Ergebnisse wurden nach drei Jahren von Biologen der University of Maryland erhalten. An diesen Experimenten erlernten Ratten mittleren Alters, die 30 Minuten pro Tag Sex hatten, besser neue Fertigkeiten, als ihre Artgenossen, die keinen Sex hatten. Die Gehirnstudie zeigte, dass es sich um neue Nervenzellen im Hippocampus handelt. Der Effekt verschwand, sobald der Sex nicht regelmäßig wurde.

    Schlechtes Gedächtnis

    Bei ähnlichen Experimenten der südkoreanischen Wissenschaftler kompensierte die sexuelle Aktivität die chronischen Stress-Folgen. Die Mäuse, die in unbequeme Bedingungen gebracht wurden, hatten eine schlechtere Fähigkeit, etwas zu lernen, und Gedächtnisprobleme. Doch sobald Mäuse den Zugang zum anderen Geschlecht bekamen, stieg in ihrem Gehirn die Bildung der neuen Zellen und besonderer Eiweiße – neurotropher Faktoren, die gegen chronischen Stress helfen. Im Ergebnis wurde die Mäuse-Intelligenz wieder besser.

    2016 stellten kanadische Forscher die Vorteile von häufigem Sex auch für Menschen fest. Es wurden 78 Frauen im Alter von 18 bis 29 Jahren nach der Zahl der Geschlechtsakte, Orgasmen, oralen Verhütungsmitteln und der Phase des Menstrualzyklus befragt. Danach lösten die Teilnehmerinnen einige Aufgaben zur Erkennung von Gesichtern und Wörtern. Diese Aufgaben wurden besser von Frauen gemeistert, die häufiger Sex hatten. Sie konnten abstrakte Wörter, aber nicht Gesichter schneller und besser im Gedächtnis behalten. Diese Fähigkeit hing auch mit einer größeren Zahl von Orgasmen zusammen, aber nur bei jenen, die keine oralen Verhütungsmittel einnahmen.

    Laut den Verfassern der Studie ist das anscheinend auf den Hippocampus zurückzuführen, denn dieser Gehirnabschnitt spielt die Hauptrolle beim Einprägen von Wörtern. Für das Einprägen von Gesichtern sind Abschnitte außerhalb des Hippocampus zuständig.

    Nutzen für das Gehirn

    Nach Angaben des Instituts für Gerontologie der Universität Malaysias gibt es unter den Menschen über 60 Jahre, die Sex haben, doppelt so wenig von denen, die Gedächtnisprobleme haben, als bei jenen Gleichaltrigen, die keinen Sex haben – 32,5 gegenüber 62,3 Prozent. Anscheinend beeinflussen Liebeskontakte die Gehirntätigkeit günstig, so die Forscher. Allerdings wie genau, das wurde nicht festgestellt.

    Laut australischen Forschern, welche die Informationen über intime Beziehungen von mehr als 6000 Menschen über 50 Jahre analysierten, hatten sexuell aktive ältere Menschen tatsächlich ein besseres Gedächtnis als Gleichaltrige.

    Freiwillige machten gegenüber den Spezialisten Angaben über ihren Tagesplan, Bevorzugungen beim Essen, schädliche und nützliche Gewohnheiten sowie die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs und emotionelle Verbindung mit Partnern. Zudem machten sie zweimal einen kleinen Gedächtnistest. Man musste zehn Wörter aufschreiben und sie danach wiederholen – entweder gleich oder nach dem Erfüllen anderer Aufgaben. Nach zwei Jahren baten die Wissenschaftler die Teilnehmer des Experimentes, das ganze Verfahren aufs Neue zu durchlaufen – über das Leben erzählen und auf die Fragen des Tests antworten.

    Es stellte sich heraus, dass die Qualität des Gedächtnisses bei den Freiwilligen zwischen den zwei Etappen deutlich geringer wurde. Doch bei jenen, die ein aktives Sexleben hatten, waren diese Änderungen weniger auffallend. Zudem zeigten diejenigen bessere Testergebnisse, die eine starke emotionale Verbindung mit ihrem Partner hatten. Laut den Verfassern der Studie ist die Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs zwar langfristig nicht mit der Verbesserung der kognitiven Funktionen verbunden, doch Menschen, die ein erfülltes sexuelles Leben haben, haben mehr Klarheit im Kopf – besonders jene über 60 Jahre.

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    Tags:
    Gedächtnis, Gehirn, Neuronen, Gesundheit, Sex