06:39 22 Oktober 2020
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    Der Star-Virologe Christian Drosten von der Berliner Uniklinik Charité warnt in einem Interview vor dem Verlauf der Corona-Pandemie im Herbst und Winter: „Die Pandemie wird jetzt erst richtig losgehen. Auch bei uns“, meint Drosten im Vorfeld eines Gesundheitskongresses. Corona sieht der Mediziner als „Naturkatastrophe“ an.

    Anfang Oktober findet in Berlin die Gesundheitskonferenz World Health Summit statt. In dessen Vorfeld hat der Virologe Christian Drosten von der Charité gemeinsam mit dem Präsidenten der World Health Summit, Detlev Ganten, ein Interview gegeben. Hier warnt Drosten: „Die Pandemie wird jetzt erst richtig losgehen. Auch bei uns.“

    ​„Das ist kein wissenschaftliches Phänomen, es ist eine Naturkatastrophe“

    Der Virologe, der regelmäßig die Bundesregierung in Corona-Fragen berät, bezeichnet die Pandemie weiter im Interview als „Naturkatastrophe“:

    „Im Moment weiß niemand genau, wie die Epidemie weiterverläuft. Es gibt die Möglichkeit, dass das Ganze trotz wissenschaftlicher Erklärung nicht mehr so gut zu beherrschen ist und dass die Wissenschaft beispielsweise mit der Verfügbarkeit von Impfstoffen einfach zu langsam gewesen ist. Wir werden erst am Ende wissen, wie sich die Wissenschaft geschlagen hat. Denn diese Pandemie ist ja erst mal kein wissenschaftliches Phänomen, es ist eine Naturkatastrophe.“

    Für den Herbst rät Drosten, rechtzeitig entsprechenden Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zu ergreifen.

    „Wir müssen aufhören, uns über solche Dinge wie Fußballstadien zu unterhalten. Das ist wirklich komplett irreführend“, kritisiert Drosten

    Erfolgreich durch frühen Lockdown?

    Die relativ gute Situation in Deutschland führt der Mediziner auf ein zeitiges Ergreifen von Gegenmaßnahmen zurück:

    „Es werden schon Festtagsreden auf den deutschen Erfolg gehalten, aber man macht sich nicht ganz klar, woher er kam. Dieser Erfolg kam einfach daher, dass wir ungefähr vier Wochen früher reagiert haben als andere Länder. Wir haben mit genau den gleichen Mitteln reagiert wie andere. Wir haben nichts besonders gut gemacht. Wir haben es nur früher gemacht. Darum waren wir erfolgreich. Wir waren nicht deshalb erfolgreich, weil unsere Gesundheitsämter besser waren als die französischen, oder weil unsere Krankenhäuser besser ausgestattet sind als die italienischen. Wenn man das jetzt überträgt in den Herbst, dann muss man sich natürlich klarmachen, dass wir auch weiterhin nichts besser machen als andere.“

    Impfjahr 2021?

    Für 2021 rechnet der Forscher damit, dass, wenn ein Impfstoff zur Verfügung stehen sollte, das ganze Jahr über geimpft werden müsste:

    „Neben der zu erwartenden Verteilungskompetition ist es auch gar nicht so einfach, so viele Vakzinedosen in Flaschen abzufüllen und die dann auch zu verimpfen. Selbst wenn der Impfstoff da ist. Deswegen ist das schon eine Unternehmung fürs ganze Jahr 2021. Auch wenn im Januar ein oder zwei zugelassene Impfstoffe da sind, muss das alles abgefüllt und verimpft werden.“

    Antibiotikaresistenzen das nächste große Thema?

    Drosten, der in Deutschland und weltweit als Führung bei der Erforschung der Coronaviren gilt, warnt auch vor anderen Krankheiten, die möglicherweise in naher Zukunft eine Gefahr für die Gesellschaft darstellen könnten:

    „Auch in der Wissenschaft müssen sich Dinge ändern: In Deutschland zum Beispiel ist die medizinische Forschung sehr krebsorientiert. Dabei sind Infektionserkrankungen, das merken wir nicht nur jetzt, extrem wichtig in der Medizin. Da brauchen wir viel mehr Forschung. Antibiotikaresistenzen sind das nächste große Thema.“

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    Tags:
    Coronavirus, Christian Drosten